Peter Bonnington: Der Renningenieur, der Kimi Antonelli zum WM-Titel führen soll


Formel 1

Peter Bonnington: Der Renningenieur, der Kimi Antonelli zum WM-Titel führen soll

Bono, so der Spitzname des Briten, hat bereits die Legenden Schumacher und Hamilton betreut. Nun hilft er dem Mercedes-Youngster mit seiner Erfahrung

Andreas Gstaltmeyr

Der Youngster und sein Mentor: Andrea Kimi Antonelli und Peter Bonnington.

Kimi Antonelli fährt in der Formel 1 von Erfolg zu Erfolg. Immer mit dabei an seiner Seite und als Stimme in seinem Ohr: Peter "Bono" Bonnington. Der 51-jährige Brite fungiert als Antonellis Renningenieur, seit dieser in die Königsklasse eingestiegen ist. Die frühe Krönung könnte bereits heuer folgen: Antonelli führt vor dem Grand Prix von Baku, der wegen eines nationalen Gedenktages am Sonntag anlässlich des Bergkarabach-Krieges 2020 bereits am Samstag (13 Uhr, ServusTV) stattfindet, die Weltmeisterschaft 81 Punkte vor seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell und 101 vor Ferrari-Verfolger Lewis Hamilton an.

Wiedervereinigung

Jener Hamilton, mit dem Bonnington jahrelang Erfolge feierte. Als Antonelli heuer in China gewann und Hamilton Dritter wurde, begleitete der Renningenieur den jungen Italiener aufs Podium. Bei diesem emotionalen Generationentreffen verschwammen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Zukunft gehört Antonelli, und Mercedes-Teamchef Toto Wolff kennt einen wichtigen Erfolgsfaktor. "Bono ist ein Superstar. Er hat mit den Größten gearbeitet und die perfekte Mischung für einen Ingenieur: Er ist nerdy, wenn er nerdy sein muss, aber gleichzeitig auch sehr einfühlsam, wenn der Fahrer Hilfe braucht."

Zwei Rennfahrer und ein Ingenieur stehen auf dem Podium nach dem Formel-1-Grand-Prix von China am 15. März 2026 in Shanghai. Links trägt ein Fahrer einen schwarzen Rennanzug von Mercedes, rechts trägt ein Fahrer einen roten Rennanzug von Ferrari. In der Mitte steht ein Mann in schwarzer Teamkleidung von Mercedes. Alle posieren vor einem grünen Hintergrund mit der Aufschrift „Formula 1 Heineken“.
Beim Grand Prix von China feierte Peter Bonnington (Mitte) mit Kimi Antonelli (links) und seinem Ex-Schützling Lewis Hamilton.

Ansprechpartner

Ein Renningenieur ist der primäre Ansprechpartner für einen Piloten, sobald dieser auf die Strecke fährt. Während einer Session trudeln unzählige Informationen ein, etwa von der Technik-, Reifen-, Boxenstopp- oder Strategieabteilung. Ein Renningenieur, oft mit Headset zu sehen, muss die Nachrichten filtern: Was ist für den Piloten relevant? Was muss er sofort wissen, was reicht später?

Gianpiero Lambiase teilte Max Verstappen in Madrid etwa mit, dass er eine Position lieber freiwillig hergeben solle, um einer Strafe zu entgehen. Andere weisen auf Verkehr vor und hinter dem Fahrer hin oder geben Sektorzeiten durch. Manche Piloten wollen mehr Infos, manche weniger. Gleichzeitig ist der Fahrzeugleiter dafür zuständig, Feedback aus dem Cockpit weiterzuleiten.

Weltmeisterliche Erfahrung

Bonnington startete seine F1-Karriere 2004 als Dateningenieur bei Jordan. 2006 wechselte er zu Honda, Honda wurde zu Brawn GP, Bonnington zum Performance Engineer: Er wertete vereinfacht gesagt Daten aus, um das Auto schneller zu machen, und verhalf Jenson Button zum sensationellen WM-Titel. Button betonte damals, wie wichtig die Verbindung ist: "Du kannst der beste Fahrer und der beste Ingenieur sein. Wenn es nicht klickt, wird es nie funktionieren."

Mercedes übernahm Brawn GP 2010, fortan war Bonnington für Michael Schumacher zuständig. Ja, richtig gelesen: Bono arbeitete mit beiden Siebenfachweltmeistern zusammen. "Ich habe damals viel gelernt. Die Lernkurve unter Schumacher war steil", sagte Bonnington zu Sky.

Erfolgsära mit Hamilton

Dann kam Hamilton. "Es hat sich angefühlt, als würde ein Rockstar reinkommen. 'Wow, das ist Lewis'", erinnerte sich der Renningenieur an die erste Begegnung zurück. Gemeinsam feierte das Erfolgsduo sechs WM-Titel.

Hamilton bezeichnete Bono als Anführer seines Teams. "Ich bin ihm unglaublich dankbar. Er hatte einen immensen Anteil an meinem Erfolg. Wir haben uns auf und neben der Strecke unterstützt. Ich liebe es, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er ist wie ein Bruder für mich", so Hamilton einst. "Ich glaube, er gehört zu den wenigen Menschen, die mich wirklich ertragen können – an guten wie an schlechten Tagen. Besonders schätze ich, wie gelassen er während eines Rennens bleibt und wie er mich anleitet und unterstützt, mich im Rennen zurechtzufinden. Ich glaube nicht, dass es viele Menschen gibt, die das können."

Mehrere Teammitglieder des Mercedes-AMG Petronas F1 Teams arbeiten in der Box des Teams während des Formel-1-Grand-Prix von Spanien 2025 am Circuit de Barcelona-Catalunya. Sie tragen Headsets, arbeiten an Computern und überwachen die Rennaktivitäten. Im Hintergrund sind weitere Teammitglieder und ein Teil eines Rennautos zu sehen.
Peter Bonnington (links im BIld) an seinem Arbeitsplatz.

"It's hammer time"

Renningenieure agieren oft im Hintergrund. Wenn gerade kein Rennwochenende ansteht, holen sie in den Fabriken Daten und Infos ein. "Alle müssen sich einig sein, in welche Richtung man das Auto weiterentwickelt. Am Sonntag an der Rennstrecke zu sein, ist dann die Belohnung", sagt Bonnington. Seine Stimme ist vielleicht bekannter als sein Gesicht. Denn wichtige Calls werden im Fernsehen übertragen und schriftlich wiedergegeben – mit Zeitverzögerung, um der Konkurrenz keinen Vorteil zu verschaffen.

Legendär ist Bonos Funkspruch "It's hammer time" zu Hamilton. Damit wies er immer wieder an, das Maximum zu geben und das letzte Quäntchen aus den Reifen auszuquetschen. "Anfangs hat Bono gesagt, ich soll pushen. Das hat mich frustriert, weil ich dann gesagt habe: 'Ich pushe ja schon'", erklärte Hamilton. Für den ultimativen Push haben sie sich also dieses Codewort überlegt. Man muss sprachlich auf einer Wellenlänge sein.

"Leave me alone"

Der Boxenfunk kommt immer wieder in die Schlagzeilen. Bei Ferrari etwa, wenn die Piloten wieder einmal die ausgegebene Strategie anzweifeln. Kimi Räikkönen ist ein anderes Beispiel. Der Finne reagierte 2012 auf dem Weg zum Sieg in Abu Dhabi hörbar genervt, als ihn Renningenieur Simon Rennie über den Speed seines Verfolgers auf dem Laufenden halten wollte: "Lass mich einfach in Ruhe. Ich weiß schon, was ich tue."

Die Erinnerung, die Reifen hinter dem Safety Car aufzuwärmen, nahm Räikkönen ebenfalls nicht so gut auf: "Ja, ja, ja, ja. Ich mach es die ganze Zeit. Du musst mich nicht jede Sekunde daran erinnern." Später sagte er, wenn er Hilfe bräuchte, würde er sich schon melden.

Ein Renningenieur ist auch eine Art Psychologe. "Ein Rennen ist für den Fahrer eine emotionale Achterbahn. Der Druck ist so groß, dazu das Adrenalin. Von einer massiven Enttäuschung zur Euphorie kann es manchmal schnell gehen. Mein Job ist es, hier die Konstante zu sein", sagt Bonnington, der in seiner Freizeit lieber auf Zweiräder setzt, vom Fahrrad bis zum Motorrad.

Erfahrung

Je länger man zusammenarbeitet, desto besser kennt man einander. So erklärte Bonnington auch den Unterschied zwischen Hamilton und Antonelli: "Ich wusste, was Lewis dachte. Ich wusste, wann man ihm nichts sagen musste. Als ich mit Kimi anfing, war es eher so, dass ich keine Ahnung hatte, was er nicht wusste. Ich muss mir also vieles wieder in Erinnerung rufen, was ich für selbstverständlich gehalten habe, und das war eine gute Erfahrung für mich."

Genau diese Erfahrung half Antonelli auch, an seiner teils schwierigen Debütsaison zu wachsen. Man darf nicht vergessen: Für den Rookie war 2025 alles neu, während Bonnington bereits mehr als 20 F1-Jahre hinter sich hat. Was für den Fahrer eine neue Herausforderung war, hat sein Renningenieur bereits x-fach erlebt. Antonelli wusste bereits in seiner Debütsaison, welches Kaliber ihn unterstützt. Er sprach von einem "riesigen Privileg".

Der Mentor und der Youngster erwiesen sich als brillante Kombination. Dass sich beide blendend verstehen, ist immer wieder in den sozialen Medien zu sehen, wenn sie sich gegenseitig Streiche spielen. Im Februar in Bahrain jagte Antonelli seinem Renningenieur mit einer Wasserpistole hinterher, im Mai ließ er Bonningtons Zutrittskarte am Firmengelände in Brackley sperren. Bono revanchierte sich, indem er dem jungen Mann ein Getränk mit besonders scharfem Geschmack zukommen ließ.

"Bono hat verstanden und versteht immer besser, was meine Bedürfnisse sind, was ich brauche und welche Details für mich am wichtigsten sind. Auch die Art und Weise, wie er mir in kritischen Momenten Fragen stellt, ist extrem wichtig. Unsere Zusammenarbeit entwickelt sich ständig weiter, weil wir permanent voneinander lernen", sagte der WM-Leader zu "Motorsport.com" im Sommer.

Bonningtons Mission war von Anfang an klar, wie er in der Netflix-Doku The Seat erzählt: "Ich bringe ihm quasi bei, wie man Schritt für Schritt zum Champion wird." Es fehlen nicht mehr viele Schritte. (Andreas Gstaltmeyr, 24.9.2026)

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