Malermeister rechnet auf: Von 89 Euro Stundensatz bleiben 3,60 Euro Gewinn


Stand: 24.09.2026, 08:00 Uhr

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Alexander Türk, Malermeister aus Viesebeck, Wolfhagen

Mehr als Farbe, Pinsel und Leiter: Alexander Türk, Malermeister aus dem Wolfhager Stadtteil Viesebeck spricht unter anderem darüber, was hinter einer Handwerkerstunde steckt. © Foto: Sascha Hoffmann

Ein Wolfhager Malermeister erklärt, warum Handwerkerpreise so hoch wirken. Die Beispielrechnung der Handwerkskammer Kassel zeigt, wo das Geld tatsächlich landet.

Wolfhagen – Farbe, Pinsel, Leiter – fertig? Wer Alexander Türk bei der Arbeit zusieht, könnte auf die Idee kommen, das Malerhandwerk sei vor allem eine Sache geschickter Hände. Doch bevor in einem Wohnzimmer im Wolfhager Land die erste Rolle über die Wand gleitet, hat längst eine zweite Arbeit begonnen: kalkulieren, planen, Material bestellen, Termine koordinieren, Fahrzeuge und Werkzeug unterhalten. Und am Ende steht auf der Rechnung womöglich ein Betrag, der bei manchen Kunden erst einmal für Stirnrunzeln sorgt.

Alexander Türk kennt diese Reaktion. Der Malermeister aus Viesebeck setzt deshalb auf klare Angebote und transparente Absprachen. „Ich kann verstehen, dass jemand denkt: 50, 70 oder gar 90 Euro für eine Stunde – das ist eine Menge Geld. Nur sind diese Beträge eben nicht das, was der Handwerker verdient.“

Viele Kosten laufen im Hintergrund – „Beiträge nicht das, was der Handwerker verdient“

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt eine Beispielrechnung der Handwerkskammer Kassel. Darin wird mit einem Stundenverrechnungssatz von 89 Euro brutto kalkuliert. 22,90 Euro davon entfallen auf den Bruttolohn eines Gesellen. Weitere 19,80 Euro sind Lohnnebenkosten – etwa Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, bezahlter Urlaub, Feiertage oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Hinzu kommen 28,50 Euro betriebliche Gemeinkosten. Darin stecken unter anderem Fahrzeuge, Versicherungen, Büro, Telefon, Werkzeug, Maschinen, Reparaturen und Verwaltung. 14,20 Euro gehen als Umsatzsteuer ans Finanzamt. Als kalkulierter Gewinn bleiben in dieser Modellrechnung 3,60 Euro.

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Die Handwerkskammer weist zugleich darauf hin, dass jeder Betrieb anders kalkuliert. Größe, Gewerk, Ausstattung und regionale Kosten unterscheiden sich. Die Beispielrechnung zeigt aber, warum ein Stundenverrechnungssatz nicht mit dem Stundenlohn verwechselt werden darf.

Auch bei Türk beginnt die Arbeit nicht erst, wenn Rolle oder Pinsel die Wand berühren. Sein Betrieb übernimmt unter anderem Innen- und Fassadenarbeiten, Tapezierungen, Bodenarbeiten, Trockenbau, Dämmung und individuelle Wandgestaltungen. Beratung, Planung und Materialbeschaffung gehören ebenso dazu. „Der Kunde bezahlt nicht nur die Stunde, in der ich mit dem Pinsel vor seiner Wand stehe. Er bezahlt dafür, dass vorher vernünftig geplant wird, dass gutes Material da ist, das Werkzeug funktioniert und die Arbeit am Ende auch hält.“

Billig und preiswert sind nicht dasselbe

Gerade zum Tag des Handwerks lohnt deshalb der Blick hinter die Zahl auf der Rechnung. Denn billig und preiswert seien nicht dasselbe. „Wenn eine Arbeit nach Jahren noch gut aussieht und der Kunde nicht zweimal bezahlen muss, dann zeigt sich, was Qualität wert ist.“

Am Ende geht es Alexander Türk deshalb um mehr als Farbe auf der Wand. Es geht um Beratung, saubere Vorbereitung, verlässliche Abläufe und darum, für jeden Raum die passende Lösung zu finden. Um Oberflächen, die nicht nur am Tag der Abnahme gut aussehen, sondern auch Jahre später noch bestehen. Und um die Erfahrung eines Meisters, der weiß, welches Material wo funktioniert, wo Untergründe Probleme machen können und wie aus einer Idee ein dauerhaft gutes Ergebnis wird. Das ist die Leistung, die auf keiner Rechnung in einer einzigen Zeile steht – die aber entscheidet, ob aus einem Anstrich gute Handwerksarbeit wird.