Merz bei Waldbrandbesuch gnadenlos ausgebuht: Landrat kontert Wutbürger mit süffisantem Rat – „Bravo“, ruft der Kanzler


Pfeifkonzert für Merz im Waldbrandgebiet: Landrat kontert Wutbürger – auch Feuerwehr gibt ihm Rückendeckung

Stand: 23.08.2026, 12:14 Uhr

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Pfeifkonzert für Merz: Der Landrat verteidigt den Kanzler und rät Pöblern zum Feuerwehr-Ehrenamt. Bayern gilt dabei als starkes Vorbild.

Berlin – Buhrufe, Pfiffe und Protestschilder – und mittendrin ein Kanzler, der den Klimawandel beim Namen nennt. Als Friedrich Merz (CDU) am Wochenende das Waldbrandgebiet im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald besuchte, war die Stimmung vor Ort aufgeheizt. Anwohner warfen ihm vor, wochenlang weggeschaut zu haben, während die Eifel brannte. Merz hielt dagegen: „Das ist der Klimawandel“, sagte er – und kündigte an, Deutschland müsse sich auf mehr solcher Großschadenereignisse einstellen. Die Frage, ob sein Besuch zu spät kam, beantworteten die Einsatzkräfte auf ihre Weise: Sie begrüßten ihn.

Beendete seinen Urlaub mit einem Besuch im Waldbrandgebiet: Kanzler Friedrich Merz (CDU). Landrat Ralf Nolten steht links neben ihm.

Beendete seinen Urlaub mit einem Besuch im Waldbrandgebiet: Kanzler Friedrich Merz (CDU). Landrat Ralf Nolten steht links neben ihm. © Christoph Reichwein/dpa

Rund eine Woche nach dem größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstagnachmittag die betroffene Gemeinde Hürtgenwald in der Eifel besucht. Es war sein erster öffentlicher Termin nach knapp vier Wochen Sommerpause. Empfangen wurde er mit Pfiffen, Buhrufen und Protestschildern. „Der Wald brennt und Friedrich pennt“ oder „Feuer aus – Merz kommt raus“ war darauf zu lesen. Einige Landwirte störten die Pressekonferenz des Kanzlers mit Hupen.

Merz im Hürtgenwald: Landrat nimmt Kanzler gegen Kritiker in Schutz

Doch der zuständige Landrat des Kreises Düren, Ralf Nolten, stellte sich klar vor den Kanzler. Er betonte, er selbst habe Merz gebeten, nicht während des laufenden Brandes zu kommen, sondern danach. „Diejenigen, die rufen und pfeifen, sollten die negative Energie in eine positive umwandeln. Treten Sie doch der Feuerwehr bei“, sagte er bei einem gemeinsamen Auftritt mit Merz, wie der Nachrichtensender ntv berichtete. Dem Kanzler gefiel das. „Bravo“, rief er. „Sehr gut.“ Und mit dieser Einschätzung war der viel gescholtene Regierungschef nicht alleine. Denn auch Einsatzkräfte begrüßten laut einem Bericht von tagesschau.de den Zeitplan des Kanzlers ausdrücklich – ein Besuch während der Löscharbeiten hätte nur gestört, hieß es.

Merz selbst erklärte, seine Entscheidung sei bewusst gewesen: Die Einsatzkräfte hätten in Ruhe ihren Job machen sollen. Er habe sich stets auf dem Laufenden gehalten und die Behörden vor Ort gefragt, was sie brauchen. Auf die protestierenden Anwohner angesprochen, sagte Merz, er lasse sich „von denen, die rumschreien“, nicht beeindrucken. „Ich spreche mit denen, die helfen.“ Aus dem Kanzleramt hieß es, Merz habe trotz seiner terminfreien Zeit täglich gearbeitet: Es habe jeden Tag eine strategische Lage-Videoschalte mit dem engsten Team gegeben, zudem Telefonate mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und anderen Ministern.

Waldbrandgefahr gebannt? Beim Feuerwehr-Engagement ist Bayern deutschlandweit Vorbild

Für Bayern hat die Debatte um den Katastrophenschutz eine besondere Brisanz. Wie berichtet, musste Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) in den vergangenen Wochen ebenfalls vor einer massiven Waldbrandgefahr im Freistaat warnen und bereits regional die höchste Gefahrenstufe ausrufen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) reagierte auf die zunehmenden Extremwetterereignisse mit dem Entwurf eines neuen „Pakts für den Bevölkerungsschutz“, der unter anderem eine stärkere Sensibilisierung für Krisenszenarien bereits im Schulunterricht vorsieht.

Insgesamt scheint Bayern im Bundesvergleich aber ordentlich aufgestellt zu sein. Ein Blick ins Archiv verrät: Bundesweit gibt es laut den offiziellen Statistiken gut eine Million aktive ehrenamtliche Mitglieder in den Freiwilligen Feuerwehren (ohne Jugendfeuerwehr). Der Landesfeuerwehrverband Bayern meldete für den Freistaat im vergangenen Jahr knapp 330.000 aktive Mitglieder. Das bedeutet: Fast jeder dritte ehrenamtliche Feuerwehrmann in Deutschland kommt aus Bayern.

In Bayern engagieren sich diese Retter in rund 7.700 verschiedenen Freiwilligen Feuerwehren. Zum Vergleich: In ganz Deutschland gibt es insgesamt gut 22.000 Freiwillige Feuerwehren. Bayern stellt also auch über ein Drittel aller Standorte bundesweit, was gerade für den ländlichen Raum entscheidend ist.

Bislang kam der Freistaat im Katastrophensommer noch glimpflich davon. Doch die Lage bleibt angespannt. In der Feuerwache in Hürtgenwald dankte Merz den Helfern ausdrücklich. Ohne die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk sowie Land- und Forstwirtschaft wäre der Brand „nicht so glimpflich ausgegangen“, betonte er. Zwischenzeitlich hatten rund 2.000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Erschwerend kam hinzu, dass im Boden des Hürtgenwaldes noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg liegt. Mittlerweile ist der Brand unter Kontrolle.

Zurück aus dem Urlaub: Merz nennt Klimawandel als Ursache

Mit Blick auf die Ursachen stellte Merz einen klaren Zusammenhang zum Klimawandel her: „Das ist der Klimawandel.“ Deutschland müsse damit rechnen, dass die Zahl der Großschadenereignisse zunehmen werde. Die Regierung werde „alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen. Aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben.“ Konkrete Maßnahmen kündigte er nicht an. Für die Kabinettsklausur in der kommenden Woche in Neuhardenberg kündigte Merz an, auswerten zu wollen, was gut gelaufen sei – und was noch fehle. Auch die Kommunikationsverbindungen im Krisenfall nannte er als verbesserungswürdig. (Quellen: ntv, tagesschau.de, dpa, eigene Recherche) (jenko)