Pieterse glänzt erneut mit Lead-Out für Vollering | radsport-news.com
MVP bei der EM
Von Paul Grosch

Puck Pieterse (li.) glänzte bei der EM erneut als Helferin und holte sich im Sprint souverän die Silbermedaille vor Marlen Reusser. | Foto: Cor Vos
04.10.2026 | (rsn) – Am zweiten Samstag in Folge hat Puck Pieterse den Titel des MVP, des ‘Most Valuable Player', verdient. Sowohl bei der Weltmeisterschaft in Kanada als auch beim EM-Straßenrennen in Slowenien war es die Niederländerin, die die Attacke ihrer Kapitänin Demi Vollering vorbereitete und dieser somit zu beiden Titeln verhalf. Dieses Mal konnte sich die 24-Jährige an den Hinterrädern der Verfolgergruppe hinter Vollering ausruhen und war im Sprint um Rang zwei nicht zu schlagen.
“Es fühlt sich gut an. Ich schätze mal, es war ein guter Lead-Out“, grinste Pieterse im Interview nach der Podiumszeremonie. “Als Demi attackiert hat, habe ich mich umgeschaut und nur Kasia Niewadoma-Phinney gesehen. Also bin ich an ihr Hinterrad gegangen.“ Trotz eines vergleichsweise langen Lead-Outs blieb Pieterse am steilen Anstieg nach Mozjanca am Hinterrad der Polin, während Vollering auf dem Weg zu ihrem zweiten EM-Titel auf und davon fuhr.
Auf dem folgenden Plateau wurde die Verfolgergruppe dann größer. “Marlen Reusser war so stark. Sie ist förmlich zu uns zurückgeflogen. Aber das war eigentlich gut für mich, weil ich so gar nichts mehr machen musste“, berichtete die Fahrerin von Fenix – Premier Tech. Stattdessen blockierte sie für die führende Vollering immer wieder die Nachführarbeit und hatte gleichzeitig ein eigenes Ziel. “Ich konnte mich auf den Sprint konzentrieren.“
Verfolgergruppensprint-Expertin
In diesem war sie dann nicht zu schlagen. Pieterses Sprintstärke ist jedoch nichts Neues. Auch bei der Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich landete sie im Sprint der Verfolgergruppe immer auf dem Podium. Bei beiden Rennen gewann jeweils Vollering, die im normalen Berufsalltag eine direkte Konkurrentin von Pieterse ist. Doch bei Welt- und Europameisterschaft bildeten beide die Speerspitze der Niederlande und holten mit Vollering beide Titel.
Das niederländische Team wirkt harmonischer als noch in den vergangenen Jahren. “Heute war fast die ganze Zeit eine Dutchie vorne zu sehen“, merkte Pieterse mit einem Augenzwinkern an. “Lorena Wiebes, Amber Kraak und die anderen Mädels haben einen super Job gemacht. Wir haben die Lücke zur Gruppe des Tages immer bei zwei Minuten gehalten.“ Vor allem die Tempoarbeit von Wiebes stach hervor. Die Europameisterin von 2024 ist die beste Sprinterin der Welt, agierte auf der flachen Anfahrt vor dem EM-Rundkurs jedoch als Flachlandhelferin.
Training in Zone 2
“Irgendwann wurde ich gefragt, ob Lorena schon 60 Kilometer von vorne gefahren ist“, berichtete Pieterse. “Ich habe geantwortet: ‘Ja, ja. Sie haut heute alles rein!‘ Ich würde behaupten, dass sie heute ein gutes Training in Zone 2 absolviert hat. Es war einfach schön, die Unterstützung von den Mädels zu spüren und dass Demi und ich es dann zu Ende bringen konnten.“ Die Stimmung im Oranje-Camp scheint in den vergangenen zwei Wochen gestimmt zu haben.
Auch Pieterse nimmt die Rolle als letzte Helferin von Vollering voll an. Bei vergangenen Weltmeisterschaften schienen die Niederländerinnen mit weiteren Kapitäninnen wie Marianne Vos oder Anna van der Breggen auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig getanzt zu haben. In diesem Jahr war die Mission klar, Vollering bei der WM und EM zum Erfolg zu bringen. Und das, obwohl Pieterse in anderen Teams wohl als Kapitänin ins Rennen gegangen wäre.
“Ich glaube, ich kann stolz sein, wie ich gefahren bin“, zeigte sich die Gewinnerin des Flèche Wallonne (1.WWT) 2025 zufrieden. “Es dann mit einem Doppelsieg zu beenden, ist natürlich supercool. Diese zwei Wochen mit dem Nationalteam haben mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe es wirklich genossen.“ Im besagten Nationaltrikot gewann Pieterse bereits WM- und EM-Titel auf dem Mountainbike und Regenbogentrikots in der U23-Klasse auf der Straße und im Cyclocross.
Doch auch in der Elite-Klasse möchte Pieterse auf der Straße irgendwann ihre Sammlung vergrößern. “Natürlich. Das Ziel ist immer, das Bestmögliche anzustreben“, sagte sie nach der EM. “Das hier fühlt sich wie ein Sieg an.“ Vollering wird froh sein, zumindest im Nationaltrikot eine Helferin mit einem solchen Mindset in ihren Reihen zu wissen. Nach einem kurzen Überlegen fügte Pieterse dann jedoch noch an: “Wenn man für andere arbeitet, zahlte es sich immer aus.“