Plattenbau in Bratislava: Günstig gekaufte Wohnung heute ein Vermögen wert
Wohnraum und Vermögensbildung
Stand: 09.09.2026 13:47 Uhr
Plattenbauten haben in Deutschland nicht immer den besten Ruf. Im slowakischen Bratislava ist das anders. Dort konnte der überwiegende Teil der Bewohner in den 1990er Jahren ihre vier Wände für sehr wenig Geld zur Eigennutzung kaufen. Heute freuen sich die Eigentümer über enorme Wertsteigerungen. Das MDR-Magazin Umschau hat von solchen Fällen berichtet und erklärt, warum das so ist.
von Matthias Toying und Carmen Brehme, Redaktion Wirtschaft und Ratgeber
Mieter konnten Wohnung zu symbolischen Preisen kaufen
Knapp 116.000 Menschen leben heute in der Plattenbau-Siedlung in Petržalka, einem Stadtteil von Bratislava. Damit ist die Großwohnsiedlung das Zuhause von einem Viertel der Einwohner der slowakischen Hauptstadt. Petržalka heißt übersetzt "das Petersilienfeld". Der Name erinnert daran, dass dort vor rund 60 Jahren noch Gemüse angebaut wurde. Die Donau trennt Petržalka von der historischen Altstadt Bratislavas.
Lydia Kokavcová wohnt seit 28 Jahren dort. Die Kommunikationsmanagerin hat eine 3-Zimmer-Wohnung, die 63 Quadratmeter groß ist. Und diese ist ihr Eigentum. Das slowakische "Gesetz über das Wohneigentum" aus dem Jahre 1993 hatte es den Mietern ermöglicht, die in sozialistischen Zeiten gebauten staatlichen Wohnungen zu kaufen. "Es war alles alt hier", sagt Kokavcová dem MDR-Magazin Umschau. Bezahlt hat sie dafür in den 1990er-Jahren 32.000 slowakische Kronen, was heute rund 1.000 Euro sind. Das war auch damals weit unter Marktwert und damit ein symbolischer Preis. Mit der Privatisierung waren die neuen Besitzer aber auch für den Zustand der Wohnungen und damit nötige Instandsetzungsarbeiten zuständig.
Gut zu wissen
Die Tschechoslowakei wurde Silvester 1992 aufgelöst, Tschechien und die Slowakei waren ab Januar 1993 eigene Wege gegangen.
Für 12.000 Euro renoviert, heute Wert von 250.000 Euro
Nachdem die Slowakei im Jahr 2004 der EU beigetreten war, investierte die Kommunikations-Managerin Geld in eine neue Küche, in Fußböden, in Bad und Toilette. "Das hat damals so 12.000 Euro gekostet. Aber alles, komplett", erklärt sie. Der Eingangsbereich ist inzwischen elektronisch gesichert und kameraüberwacht. Fördergelder der EU zur Modernisierung von Wohnungsraum wurden explizit auch für Plattenbauten bereitgestellt.
Sieben Etagen hat das Gebäude, insgesamt 28 Wohnungen. Kokavcovás Reich ist mit rund 250.000 Euro inzwischen ein Vermögen wert. Das kommt dann einmal auch ihrem Sohn zugute. Die meisten Wohnungseigentümer in der Trabantenstadt Petržalka konnten auf diese Weise Wohneigentum schaffen und damit auch ein ordentliches Vermögen aufbauen. In der Slowakei verfügen 93 Prozent der Bevölkerung über Wohneigentum.
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In keinem anderen Land in der EU gibt es so wenige Wohneigentümer wie in Deutschland. Das liegt etwa an den hohen Baukosten hierzulande - hat aber auch historische Gründe. Von Antonia Mannweiler.
Wohnraum in Plattenbau-Siedlung in Petržalka ist begehrt
Petržalka gilt als attraktive Adresse. Viele Wohngebäude beherbergen kleine Geschäfte, Kneipen und Restaurants. Es sind Treffpunkte und es ist bequem für den schnellen Einkauf. "Alles ist in der Nähe: Banken, Ärzte, Sportmöglichkeiten, auch Kultur, einfach alles. Ich möchte Petržalka nicht verlassen. Ich bin wirklich zufrieden", erklärt eine junge Frau, angesprochen auf das Lebensgefühl im Viertel.
Viele Bewohner wohnen dort schon seit Jahrzehnten. Auch junge Menschen und Familien zieht es wegen der Arbeit in die pulsierende Hauptstadt und die begehrten Plattenbauten. "Ich habe hier meine Leute, Rentner als Freunde und andere Mütter", sagt die junge Frau weiter.
Alles ist in der Nähe: Banken, Ärzte, Sportmöglichkeiten, auch Kultur, einfach alles. Junge Mutter über die Lebensqualität in Petržalka
Die Plattenbau-Siedlung ist gut bewohnt, gepflegt und hat eine Vielzahl von Ladengeschäften für die Menschen vor Ort.
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MDR (cbr)
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