Sparzinsen steigen: Mehr als 300 Euro Unterschied – Warum sich Banktreue jetzt kaum lohnt


Stand: 09.09.2026, 13:47 Uhr

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Die Sparzinsen steigen wieder, doch treue Bankkunden profitieren kaum. Wer beim Tagesgeld wechselt, kann bei 20.000 Euro mehr als 300 Euro extra Zinsen kassieren.

München – Wer sein Tagesgeld seit Jahren bei derselben Bank liegen lässt, verschenkt derzeit womöglich mehrere Hundert Euro. Während die Sparzinsen in Deutschland vor der erwarteten nächsten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank weiter steigen, profitieren vor allem wechselwillige Kunden. Bestandskunden bekommen dagegen vielerorts deutlich weniger.

Die Sparzinsen steigen wieder. Doch vor allem Neukunden profitieren: Wer sein Tagesgeld bei derselben Bank liegen lässt, bekommt häufig deutlich weniger Zinsen.

Die Sparzinsen steigen wieder. Doch vor allem Neukunden profitieren: Wer sein Tagesgeld bei derselben Bank liegen lässt, bekommt häufig deutlich weniger Zinsen. © Monika Skolimowska/dpa

Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Verbraucherportals Biallo für Ippen.Media. Demnach erhalten Neukunden bei überregionalen Banken derzeit im Schnitt 2,96 Prozent Zinsen auf Tagesgeld. Bestandskunden kommen dagegen lediglich auf durchschnittlich 1,39 Prozent. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken fällt die Verzinsung sogar noch deutlich niedriger aus.

Wechsel kann bei 20.000 Euro mehr als 300 Euro bringen

Wie groß der Unterschied ist, zeigt eine Beispielrechnung von Biallo. Wer 20.000 Euro ein Jahr lang zum durchschnittlichen Neukundenzins anlegt und regelmäßig zu attraktiven Angeboten wechselt, käme bei vierteljährlicher Zinszahlung rechnerisch auf 598,60 Euro Zinsertrag.

Beim durchschnittlichen Bestandskundenzins wären es dagegen nur 279,45 Euro – ein Unterschied von mehr als 300 Euro innerhalb eines Jahres.

Tagesgeld-AngebotDurchschnittszinsZinsen bei 20.000 Euro*
Neukunden bei überregionalen Banken2,96 %598,60 Euro
Bestandskunden bei überregionalen Banken1,39 %279,45 Euro
Bestandskunden bei Sparkassen0,46 %ca. 92,16 Euro
Bestandskunden bei Genossenschaftsbanken0,52 %ca. 104,20 Euro

*Rechnerischer Jahreswert; bei Neukunden und überregionalen Bestandskunden nach Biallo-Berechnung, Sparkassen/Genossenschaftsbanken grob auf Jahresbasis gerechnet.

„Beim Tagesgeld lohnt sich Zinshopping derzeit“, sagt Biallo-Zinsexperte Rudolf Krux. Sein Urteil über die Strategie vieler Banken fällt deutlich aus: „Treue wird dagegen kaum belohnt.“

Tatsächlich hat sich der Tagesgeldmarkt zuletzt wieder spürbar bewegt. Der Biallo-Index für 10.000 Euro lag Ende August 2025 noch bei 1,31 Prozent. Inzwischen sind es 1,74 Prozent. Für Neukunden gibt es derzeit mehrere Aktionsangebote mit vier Prozent oder mehr.

Solche Spitzenzinsen gelten allerdings häufig nur für einen begrenzten Zeitraum und sind an Bedingungen geknüpft. Sparer sollten deshalb nicht nur auf die große Prozentzahl schauen, sondern auch prüfen, wie lange der Aktionszins gilt und welcher Zins anschließend gezahlt wird.

Sparkassen und Volksbanken zahlen oft nur rund 0,5 Prozent

Besonders groß ist der Abstand bei vielen regionalen Instituten. Nach den Biallo-Daten zahlen Sparkassen ihren Bestandskunden beim Tagesgeld im Schnitt 0,46 Prozent, Genossenschaftsbanken 0,52 Prozent. Angebote mit null Prozent sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Dass Regionalbanken die steigenden Zinsen bislang kaum weiterreichen, erklärt Krux vor allem mit der geringeren Wechselbereitschaft ihrer Kunden. Wer bereits zu einem überregionalen Anbieter gewechselt sei, dürfte bei sinkenden Zinsen eher erneut wechseln. Banken müssten diesen Kunden deshalb mehr bieten, um sie zu halten.

Neue Anbieter wiederum lockten häufig mit besonders hohen Zinsen, um sich zunächst einen Kundenstamm aufzubauen. Regionalbanken befänden sich deutlich seltener in dieser Situation.

Festgeld: Drei Prozent können langfristig interessant sein

Auch beim Festgeld steigen die Zinsen. Nach Einschätzung von Krux müssen Sparer dabei aber nicht zwingend auf besonders lange Laufzeiten setzen. Denn auch für ein oder zwei Jahre seien zunehmend Angebote um drei Prozent zu finden.

Längere Laufzeiten können dennoch interessant sein – vor allem als Absicherung gegen später wieder sinkende Zinsen. Entscheidend sei, dass der Zins langfristig deutlich über der Inflation liege. „Mit drei Prozent oder mehr bei einer langfristigen Inflation von zwei Prozent sollte man hier auf der sicheren Seite sein“, sagt Krux.

Er rät allerdings dazu, nicht das gesamte Geld für viele Jahre festzulegen. Sinnvoll könne eine Kombination aus kurzen und langen Laufzeiten sein. So bleibt ein Teil des Ersparten verfügbar und kann bei weiter steigenden Zinsen später neu angelegt werden.

Sparzinsen dürften zunächst weiter steigen

Am Donnerstag wird von der Europäischen Zentralbank eine weitere Zinserhöhung erwartet. Der für Sparer wichtige Einlagesatz dürfte auf 2,50 Prozent steigen.

Krux erwartet deshalb zwar keinen plötzlichen Zinssprung bei Tages- und Festgeld, aber zunächst weiter steigende Durchschnittszinsen. Die erwarteten Schritte der EZB seien von den Banken meist bereits zu einem guten Teil eingepreist.

„Wir erwarten, dass die Sparzinsen vorerst im Durchschnitt kontinuierlich und langsam weiter steigen“, sagt der Zinsexperte. Einzelne Banken dürften nach dem EZB-Entscheid noch nachziehen.

Für Sparer ergibt sich daraus eine klare Strategie: Beim Tagesgeld lohnt sich ein Vergleich schon jetzt. Beim Festgeld besteht dagegen kein Grund, übereilt zu handeln. Wer sein Geld länger entbehren kann, kann sich attraktive Zinsen bereits sichern – sollte aber Laufzeit, Einlagensicherung und mögliche automatische Verlängerungen genau prüfen. (Quellen: Antworten von Rudolf Krux auf Anfrage; Biallo) (mare)