Platzt mit der KI-Blase mein ETF? So reagieren Anleger richtig
KI-Stimme. Info
Künstliche Intelligenz treibt seit Jahren die Fantasie an den Börsen. Vor allem große US-Technologiekonzerne wie Nvidia, Microsoft oder Alphabet (Google) haben kräftig zugelegt. Immer stärker diskutieren Anleger die Frage: Sind diese hohen Bewertungen überhaupt berechtigt? Erinnerungen an die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende werden wach.

Damals sorgte das Internet für enorme Hoffnungen – und stark steigende Aktienkurse. Nach dem Platzen der Blase folgten heftige Verluste. Der weltweite Aktienindex MSCI World büßte zeitweise mehr als die Hälfte seines Wertes ein. Trotzdem greift der Schluss „hohe Bewertung gleich baldiger Crash“ zu kurz. Hohe Bewertungen können ein Warnsignal sein. Aber es sprechen einige Unterschiede zur Dotcom-Ära dagegen, die heutige Entwicklung vorschnell als Blase abzutun.
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ETF-Depot in Gefahr? Diese Kennzahl zu US-Aktien verunsichert Anleger
Im Fokus der Diskussion steht vor allem eine Kennzahl: das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es setzt die Aktienkurse ins Verhältnis zu den Gewinnen der Unternehmen. Für den US-Leitindex S&P 500 lag das sogenannte Shiller-KGV Ende August bei rund 42. Diese Variante der Kennzahl rechnet mit den inflationsbereinigten Unternehmensgewinnen der vergangenen zehn Jahre. Dadurch sollen kurzfristige Schwankungen bei den Gewinnen weniger ins Gewicht fallen. Noch höher war das Shiller-KGV in der Vergangenheit tatsächlich nur rund um die Jahrtausendwende – kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase.
Ob die aktuellen Kurse eine Blase sind, lässt sich deshalb nicht verlässlich feststellen. Eine hohe Bewertung kann sich grundsätzlich auf zwei Wegen abbauen: Die Aktienkurse fallen oder die Unternehmensgewinne steigen. Auch eine Mischung aus beidem ist möglich.
Vermögen in Gefahr
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Dass neue Technologien zu Aktienblasen führen können, zeigen auch andere Beispiele. Denn sie ziehen häufig große Mengen Kapital an. Im 19. Jahrhundert galt das für die Eisenbahn, in den 1920er-Jahren für Elektrizität und Radio. Auf starke Kursanstiege folgten teilweise heftige Rückschläge.
Ökonomen von der Universität Chicago haben untersucht, warum Anleger in einer solchen Situation bereit sind, hohe Preise für die Aktien zu zahlen. Wenn eine Technologie aufkommt, ist unklar, wie groß ihr wirtschaftlicher Nutzen tatsächlich sein wird. Positive Nachrichten lassen die erwarteten Gewinne steigen – und damit die Aktienkurse. Je wahrscheinlicher ein Durchbruch erscheint, desto stärker preisen Anleger Vorteile für andere Branchen ein. Dann müssen die tatsächlichen Unternehmensgewinne nachziehen. Bleiben sie hinter den Erwartungen zurück, können die Kurse fallen, obwohl sich die Technologie langfristig als Erfolg erweist.
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Gegen einen einfachen Vergleich mit vergangenen Technologieblasen spricht allerdings, dass der KI-Boom bereits einen realen Investitionsschub ausgelöst hat. Unternehmen bauen Rechenzentren, kaufen Chips und entwickeln neue KI‑Modelle. Der Ökonom Ricardo Caballero vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) argumentiert, dass spekulativ hohe Bewertungen dadurch ein Stück weit selbst Realität schaffen können: Sie erleichtern Unternehmen die Finanzierung milliardenschwerer Investitionen. Selbst wenn die Aktienkurse später einbrechen, verschwinden Rechenzentren und andere Infrastruktur nicht wieder. Sie können langfristig Produktivitätsgewinne ermöglichen.
Entscheidend dürfte sein, wie stark künstliche Intelligenz tatsächlich die Produktivität in anderen Branchen erhöht. Werden Arbeitsabläufe schneller und günstiger, könnten die heutigen Erwartungen zumindest teilweise gerechtfertigt sein. Bleibt dieser Effekt aus, steigt das Risiko einer deutlichen Korrektur.
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Der Geldratgeber Finanztip rät Anlegern davon ab, eine langfristige Anlagestrategie wegen der aktuellen Bewertung grundlegend zu verändern. Wichtig bleibt, am Aktienmarkt weiter breit gestreut und mit einer langfristigen Perspektive zu investieren. Am besten eignen sich dafür Exchange Traded Funds (ETF) auf einen Weltaktienindex. Denn selbst wenn sich der KI-Boom eines Tages als Blase herausstellen sollte, bleibt ein Problem bestehen: Niemand kennt den Zeitpunkt, an dem sie platzt. Wer zu früh aussteigt, kann weitere Kursgewinne verpassen. Wer zu spät reagiert, erlebt den Rückgang vollständig mit.
Wichtiger als die Frage nach einer KI-Blase ist, ob die eigene Aufteilung des Vermögens noch zum persönlichen Risiko und Anlagehorizont passt. Wer beispielsweise dauerhaft 60 Prozent seines Vermögens in Aktien und 40 Prozent in sicheren Anlagen wie Tagesgeld halten möchte, kann prüfen, ob diese Verteilung durch die Kursgewinne der vergangenen Jahre noch stimmt. Ist der Aktienanteil deutlich gestiegen, lässt sich die ursprüngliche Gewichtung wiederherstellen. Fachleute nennen das Rebalancing. Zum Beispiel indem Anleger umschichten oder ihre Sparrate vorübergehend in die sicheren Anlagen lenken. Anleger halten so an ihrer Strategie fest und gehen keine Wette auf einen Börsencrash ein. Denn deren Ausgang ist ungewiss.
Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Deutschlands führender Geldratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.