Politiker und Sport: Trumps glorreicher Sieg am eigenen Golfplatz verblasst nicht nur gegen Rekorde aus Nordkorea
Mar-a-Lago
Politiker und Sport: Trumps glorreicher Sieg am eigenen Golfplatz verblasst nicht nur gegen Rekorde aus Nordkorea
Der US-Präsident gab sich in mehreren ausführlichen Posts zu seinem Sieg bescheiden und sprach vom "fehlenden Talent" seiner Gegner. In der Vergangenheit wurde er allerdings mehrfach des Schummelns bezichtigt
Manuel Escher
Wer in der Zukunft 100.000 Dollar für einen Vorab-Blick auf Posts des amtierenden US-Präsidenten bezahlt, der wird dort nicht nur Wissen für Insider-Handel an der Börse erhalten, sondern auch wichtige Sportnews. Am Wochenende etwa ließ der US-Präsident zwischen Vernichtungsdrohungen an den Iran und KI-Bildern, die ihn in Gesellschaft der Präsidenten George Washington und Abraham Lincoln beim Unterschreiben einer Landkarte zeigen, wissen, dass er einen bedeutenden Sieg errungen habe: Trump teilte mit, er sei Clubmeister in den Kategorien "Senior Championship" und auch "Super Senior Championship" auf dem von ihm selbst geführten Golfplatz in Bedminster, New Jersey, geworden. Da er "im Vergleich zu meinen Gegnern nur wenig Zeit zum Trainieren" habe, sei das eine "besondere Ehre", so Trump. Aber so sei es eben, es gehe um "TALENT! Ich habe es, und sie nicht".
43-facher Golfchampion
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump, der fast jedes Wochenende mindestens an einem Tag Zeit zum Üben findet, mit seinen sportlichen Sonderleistungen an die Öffentlichkeit geht: Unter anderem hatte er auch im Vorjahr und 2023 Titel auf hauseigenen Golfplätzen erringen können. Insgesamt sollen es 43 Titel gewesen sein. Dass der US-Präsident tatsächlich einige Fähigkeiten im Rasenspiel hat, bestreitet dabei kaum jemand. Auch sonst ist er dem Gentlemen-Sport sehr verbunden, sogar seine erste Frau Ivana ließ er auf einem Golfplatz bestatten – wenngleich weniger aus sentimentalen, denn aus Steuergründen.
Dass er seine zahlreichen Titel allerdings alle auf faire Weise errungen hat, daran gibt es immer wieder auch lautstarke Zweifel.
Sie sind so zahlreich, dass bereits im Jahr 2019 ein eigenes Buch dazu erschienen ist. Commander in Cheat heißt das Werk, in dem der Sportkolumnist Rick Reilly auf die angeblichen zahlreichen Schummeleien des Präsidenten eingeht, und dabei auch Bezug auf andere Wesenszüge Trumps nimmt: Der Staatschef betrüge die ganze Zeit, erzählte Reilly dabei in Interviews, dafür gebe es zahlreiche Zeugen.
Einer davon ist der kürzlich verstorbene Senator Lindsey Graham, eigentlich ein enger Freund Trumps, der 2022 in einer geheimen juristischen Vernehmung zu Trumps Wahlbetrugs-Vorwürfen in Georgia auch nach Golf-Schummeleien befragt wurde. "Es kann sein, dass Sie einen besseren Drive haben als Trump, aber Sie werden nie mehr Drive haben als sein Caddy", sagte Graham da. So sei es eben, fügte er hinzu. Trump könne mit Niederlagen eben nicht umgehen, sei es beim Golf oder bei Wahlen.
"Eine 11 auf einer Skala von 10"
Was er damit meint, darauf weist unter anderem Reilly in seinem Buch hin: Trump habe ein besonders schnelles Golfcart und sei immer als Erster wieder bei seinem Ball. Dort kicke der dann seinen eigenen Ball aus dem Rough – angeblich so oft und auffällig, dass seine Caddys ihn Pelé nennen –, trete Bälle seiner Gegner in den Bunker oder bewege seinen Ball in vorteilhaftere Positionen. Angeblich soll Trump auch von ihm selbst etwa ins Wasserhindernis geschossene Bälle schlicht nicht mitzählen. Als "11 auf seiner Skala von 10" bewertete Reilly schon 2015 in der Washington Post Trumps Neigung zum unfairen Spiel.
Begründet hat er das angeblich damit, dass auch alle anderen betrügen würden: "Die Leute, mit denen ich spiele, schummeln die ganze Zeit". Er müsse das daher auch tun, um mithalten zu können. Auch hier sind Parallelen zu seinem politischen Handeln und den laufenden Betrugsvorwürfen an die Konkurrenz vielleicht mehr als reiner Zufall.
Elf Holes-in-One für Kim
Wie auch immer er seine Lorbeerkränze verdient haben mag: Gegen ein anderes, mittlerweile verstorbenes, Sportgenie in Staatsfunktion hätte wohl auch Trump keine Chance. Nordkoreas einstiger Diktator Kim Jong-il hat ebenfalls den Golfsport ausgewählt, obwohl er im Vergleich zu Trump gar keine Übung hatte. Laut dem Informationsministerium Nordkoreas soll sich der damalige "Geliebte Führer" des totalitär-kommunistischen Staates 1994 zur Eröffnung eines Kurses bei Pjöngjang zum ersten Golfspiel seines Lebens hinreißen haben lassen – mit durchschlagendem Erfolg.
Elf Holes-In-One sollen dem auch damals schon nicht auf den ersten Blick sportlichen Diktator auf dem 18 Runden langen Kurs gelungen sein, insgesamt beendete er die Runde 38 unter Par. So heißt es.
Allerdings ist an dieser Stelle ein kleiner, den Spaß etwas mildernder Hinweis angebracht: Es sind mittlerweile keine Hinweise in tatsächlichen nordkoreanischen Staatsmedien mehr auf dieses kleine Golfwunder zu finden, es gilt als unsicher, ob die Geschichte nicht zumindest in Teilen auch in westlichen Medien ausgebaut wurde. Zudem steht im Raum, dass die staatliche Nachrichtenagentur KCNA bei ihrem ursprünglichen Bericht über das Spiel schlampig eingetragene Zahlen fehlinterpretiert haben könnte.
Unbestritten ist derweil der Hang eines weiteren autoritären Staatschefs zur Präsentation seiner sportlichen Leistungen: Russlands Präsident Wladimir Putin präsentierte sich nicht nur in den frühen 2010er-Jahren mit nacktem Oberkörper beim Reiten durch die Taiga, sondern auch immer wieder beim Judo, wo er Träger eines schwarzen Gürtels ist.
Daneben gilt seine Leidenschaft aber vor allem dem Eishockey-Spiel, das er öffentlich allerdings mit gemischtem Erfolg betrieben hat. 2019 kam er bei einem Prominenten-Spiel, bei dem er gegen eine nicht nur mit höchstem Elan agierende Verteidigung insgesamt acht Tore erzielte, bei der Ehrenrunde am Ende zu Sturz, wie ein Video zeigt.
Der Turkmenbashi geht zu Boden
Freilich kann die sportliche Betätigung noch viel übler enden: Der totalitär regierende Präsident Turkmenistans Gurbanguly Berdimuhamedow fiel etwa 2013 bei einem von ihm bestrittenen Pferderennen extrem unschön vom Ross, schlug lang hin und blieb reglos liegen. Erst nach einem längeren staatlich verordneten Timeout wurde später berichtet, Berdimuhamedow sei ungeschoren davongekommen.
Tragisch endete seine Betätigung im australischen Volkssport Schwimmen hingegen für den damals amtierenden Premier Harold Holt. Der 59-jährige liberale Politiker ging 1967 nahe der Stadt Melbourne nach dem Dienst schwimmen – und tauchte nie mehr auf. Weil er weder lebendig noch tot gefunden wurde, gilt er als der einzige während seiner Amtszeit spurlos verschwundene Spitzenpolitiker der jüngeren Geschichte. Um sein Schicksal ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien – vom Mord durch die CIA bis zur Fahnenflucht Richtung China an Bord eines U-Boots. Wahrscheinlich ist aber die tragischste: Dass der erfahrene Schwimmer seine Fähigkeiten im kalten, strömungsreichen Wasser überschätzt hatte und dann weggespült wurde. (Manuel Escher, 3.8.2026)
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