Popkonzert wird zum Luxusgut – Ticketpreise stark gestiegen


Stand: 18.09.2026, 07:30 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Große Popkonzerte werden immer teurer und schwerer zugänglich. Initiativen fordern: Kultur muss auch bei den großen Stars für alle offenstehen.

Bonn – Du kommst hier nicht rein: Tickets für Popkonzerte sind oft schwer umkämpft und auf den gängigen Plattformen innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Fans müssen außerdem oft hohe Preise zahlen.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Ein aktuelles Beispiel ist die britische Band Oasis: Laut Ticketmaster sollen die günstigsten Karten für die beiden Gigs in München ab 84 Euro erhältlich sein, was vergleichsweise ein Schnäppchen ist – Stehplätze allerdings erst ab 165 Euro.

Oasis 2009

Liam und Noel Gallagher sind das Herz der Band, die 2009 zerbrach. (Archivbild) © picture alliance / dpa

Oasis-Fans brauchen nicht nur tiefe Taschen, sondern auch entsprechendes Wissen und vor allem Glück, wenn sie sich auf der Website der Band registrieren. Allerdings ist es nicht ausgemacht, dass sie am Ende ein Ticket erhalten.

Die Antwort lautet: Morning Glory

Das Verfahren ist mehrstufig: Einen persönlichen Code, über den Ende September dann maximal vier Karten erworben werden können, erhalten nur per Zufallsgenerator Ausgewählte – für eine von drei Städten, die man eintragen kann. Die Registrierung läuft noch bis zum Nachmittag.

Neben persönlichen Angaben – etwa zum Geburtsdatum – müssen Interessierte auch die Frage beantworten, welches Oasis-Album 1995 erschien. Die Suche nach der korrekten Antwort – „(What’s the Story) Morning Glory?“ – schlug sich bereits in den Google-Anfragen nieder, wie der Konzern mitteilte. Popmusik war einst Massenkultur – wird der Konzertbesuch heute zum Luxus?

Dynamische Preisgestaltung bei Konzerttickets

Ein Blick auf aktuelle Tourneen zeigt, wie stark die Preise gestiegen sind. Noch 2024 schimpften Fans auf Online-Plattformen bei der „Eras Tour“ von Taylor Swift über Ticketpreise von 1.000 Euro oder mehr. Karten in Europa galten damals noch als vergleichsweise günstig. Nicht wenige „Swifties“ reisten daher aus den USA an, um den Superstar zu erleben.

Die Toten Hosen auf der Bühne bei einem Konzert, im Vordergrund Frontmann Campino.

Wer Bands wie die Toten Hosen live erleben möchte, muss immer tiefer in die Tasche greifen. © Christoph Schmidt/dpa

Es ist ein Trend, der offenbar auch in Deutschland um sich zu greifen beginnt. Für die Abschlusstournee der Toten Hosen 2027 verzeichnet das Ticketportal Eventim in Braunschweig etwa Premiumpakete ab 300 Euro. Bei der Band Deep Purple muss man für die Europatour mit Ticketpreisen von Stehplätzen ab etwa 130 Euro rechnen.

Das Konzept des Dynamic Pricing („dynamische Preisgestaltung“) trägt entscheidend dazu bei, dass Tickets dann nach dem Verkaufsstart teilweise unvorhersehbar teuer werden. Je mehr Menschen eine Karte kaufen wollen, umso höher steigen die Preise. Wer sich für einen Ticketverkauf vorab registriert, kann in solchen Fällen schwer planen.

Konzerte nur für Bessergestellte?

Hinter diesen Entwicklungen stehen offenbar wirtschaftliche Gründe. Nach Angaben des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft nahmen die Preise für Live-Konzerte in den vergangenen fünf Jahren um rund 30 Prozent zu. Der Verband begründet dies mit gestiegenen Produktionskosten, die seit der Corona-Pandemie um rund 50 Prozent zugenommen haben.

Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich auch in den Besucherzahlen: Besserverdiener gehen laut Statistiken häufiger zu Live-Konzerten.

Laut einer Studie des Deutschen Musikinformationszentrums besuchten im Jahr 2025 rund 66 Prozent der Befragten mit einem Netto-Haushaltseinkommen von mindestens 3.500 Euro nach eigenen Angaben „gelegentlich“ Musikveranstaltungen und Konzerte. Bei 2.000 bis 2.500 Euro Einkommen liegt der Anteil bei 55 Prozent, bei unter 1.000 Euro sogar nur bei rund 51 Prozent.

Initiativen wollen Abhilfe schaffen

Verschiedene Initiativen versuchen, gegenzusteuern und Kulturveranstaltungen leichter zugänglich zu machen. „In München erleben wir eine große Offenheit. Wir arbeiten sowohl mit öffentlichen Häusern als auch privaten Veranstaltenden zusammen“, sagt Sabine Ruchlinski, Geschäftsführerin von „Kulturraum München“.

Die Organisation vermittelt kostenfreie Tickets für Menschen mit geringem Einkommen. „Schwieriger ist es bei großen Popkonzerten – dieser Bereich ist aufgrund der komplizierten Strukturen aus Agenturen und Management schwer zugänglich.“ Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sei gering: „Da ist es oft schwierig, einen Ansprechpartner zu finden.“

Konzert-Zugang für alle ermöglichen

Der Bedarf an solchen Angeboten wächst: In den vergangenen Jahren verzeichnete Kulturraum München steigende Anfragen. „Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Menschen in schwierigen Situationen sind. Zum anderen ist es gelungen, die Zielgruppe immer besser zu erreichen“, sagt Ruchlinski.

Angesichts dieser Zahlen wird die Forderung nach mehr Zugang zur Kultur noch dringlicher: „Ich würde mir wünschen, dass wir künftig auch mit großen Veranstaltern unkompliziert zusammenarbeiten können“, sagt Ruchlinski. „Kultur sollte allen offenstehen – dafür braucht es meist nur den Willen, ein paar Plätze einzuplanen.“