Premiere des Jaguar Type 01: Ein Bruch mit der Vergangenheit


Stand: 07.10.2026, 20:16 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Jaguar Type 01

Der Jaguar Type 01 debütierte in New York in der Nacht auf den 7. Oktober. © Jaguar

Neustart für Jaguar: Die Serienversion des Type 01 unterscheidet sich klar von früheren Modellen. Damit will die Marke neue Kundengruppen erschließen.

Mit dem lange erwarteten Type 01 versucht Jaguar, an seine erfolgreiche Vergangenheit anzuknüpfen. Allerdings nicht mit Retro-Elementen, sondern mit einem Auto, das so radikal gestaltet ist, dass es die Blicke auf sich ziehen soll, wie einst der E-Type aus den 60er-Jahren.

Der Jaguar Type 01 verabschiedet sich von den weichen Kurven, markanten Wölbungen und traditionellen Holz-Leder-Interieurs von Klassikern wie Mark II, E-Type, XJS und XJ6.

Content-Partnerschaft

Dieser Artikel stammt von Automobilwoche, dem Fachmedium für Entscheider der Autobranche, und erscheint bei IPPEN.MEDIA im Rahmen einer Content-Kooperation.

Früher wissen, was die Branche bewegt: Jetzt einen der kostenlosen Newsletter abonnieren.
Exklusive Analysen, Hintergründe und Personalien lesen Sie mit dem Automobilwoche-Abo.
Folgen Sie Automobilwoche auf LinkedIn oder hören Sie den Podcast „Zur Sache“ auf Spotify

Design „soll polarisieren“

Das Ziel beim Design ist simpel: „Es soll polarisieren“, sagt Andy Wheel, Jaguars Direktor für Designentwicklung. Jaguar ersetzt diese Gestaltungselemente durch die einfache Designphilosophie, die erstmals beim Range Rover von 2022 zum Einsatz kam. Die glatte Karosserie des Type 01 verzichtet auf auffälligen Chromschmuck, überflüssige Lufteinlässe, Sicken, Einbuchtungen und andere optische Ablenkungen.

Das Jaguar-Springer-Logo befindet sich in messingfarbenen Einsätzen an den Kotflügeln. Die Räder messen 23 Zoll. Der Kühlergrill steht fast aufrecht, die bündig integrierten Scheinwerfer bestehen aus schlichten, schmalen Schlitzen, jeder enthält 20.000 LEDs.

Der aerodynamischste Jaguar

Aktive Luftklappen, die tief in der Frontschürze sitzen, leiten Luft zu Bremsen, Antrieb und Klimatisierung. Jaguar zufolge ist der Type 01 mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,23 das aerodynamischste Serienfahrzeug in der Geschichte der Marke.

Ein wesentliches Designmotiv besteht aus einer Reihe einfacher Linien, die Jaguar als „Strike-through“ bezeichnet. Sie kommen an Front und Heck sowie an weiteren Stellen des Fahrzeugs zum Einsatz. Auch im Bereich zwischen Motorhaube und Windschutzscheibe findet sich eine bogenförmige Reihe langer Schlitze.

Jaguar Type 01 Heck

Das Heck der Serienversion des Jaguar Type 01 mit „Strike-through“-Element. © Jaguar

Mit den einteiligen hinteren Karosserieelementen aus Aluminium, in die auch Bereiche des Dachs integriert sind, betritt Jaguar gestalterisches Neuland. Auf jeder Fahrzeugseite findet sich ein Bauteil, das Jaguars Karosserieingenieure als „Impossible Panel“, bezeichnen.

Diese riesigen Pressteile beginnen am oberen Rand der Windschutzscheibe und reichen bis zum Heck des Fahrzeugs. In diese sind auf jeder Seite die ausgestellten hinteren Kotflügel sowie die Heckpartie neben der nach oben öffnenden Heckklappe integriert.

Die komplexen Elemente tragen zur glatten Außenhaut des Fahrzeugs bei. Besonders deutlich wird dies an den scharfen Kanten, an denen die hinteren Kotflügel in die Seitenflächen übergehen und sich anschließend nach vorne bis zum abfallenden Dach ziehen.

Reduziertes Interieur

Auch der Innenraum des Type 01 folgt dem reduktionistischen Ansatz. Verglichen mit anderen Fahrzeugen der Luxusklasse wirkt er ausgesprochen minimalistisch.

Auf dem Armaturenbrett gibt es keine Knöpfe, Schalter oder Drehregler – Jaguar verzichtet dabei auf Haptik. Zentrale Fahrzeugfunktionen werden über Sprachbefehle und Displays gesteuert. Die elektrische und elektronische Architektur des Type 01 stammt von Nvidia.

Dreigeteiltes Display

Hinter dem Lenkrad befindet sich ein dreigeteiltes 24-Zoll-OLED-Display. Auf der linken Seite werden Fahrfunktionen angezeigt, in der Mitte die Geschwindigkeit und auf der rechten Seite Navigationsinformationen.

Interieur des Jaguar Type 01

Das Interieur des Jaguar Type 01 ist minimalistisch gestaltet. © Jaguar

Am vorderen Ende der über die gesamte Länge des Innenraums verlaufenden Mittelkonsole sitzt ein Sieben-Zoll-Display von ungefähr der Größe eines Smartphones. Fahrer und Beifahrer können darüber Klimatisierung und Soundsystem bedienen.

Die Mittelkonsole reicht bis in den hinteren Bereich des Fahrgastraums und viertelt das Interieur.

Eine klassische Jaguar-Eigenschaft bleibt

Neben seinem auffälligen Erscheinungsbild soll der Type 01 noch einen weiteren Teil der Jaguar-Vergangenheit fortführen: die klassischen Fahreigenschaften der Marke.

Im Fokus der Entwicklung stand dabei, wie sich der traditionelle Charakter der Marke auf ein Elektroauto mit schwerem Batteriepaket und niedrigem Schwerpunkt übertragen lässt.

„Denken Sie an den 5,3-Liter-V12 der 60er- und 70er-Jahre. Das war ein extrem leiser Antrieb, der für seine Zeit sehr leistungsstark war. Man hatte immer das Gefühl, Leistungsreserven zu haben, also stets mehr Leistung, als man tatsächlich benötigt“, sagte Jon Darlington, Chefingenieur des Type 01.

Drei Elektromotoren mit insgesamt 1015 PS

„Es fühlte sich nie so an, als würde ihm die Kraft ausgehen. Und genau so haben wir dieses Auto abgestimmt. Es geht nicht um unmittelbares, unkultiviertes Drehmoment. Die Art und Weise, wie das Auto fährt und lenkt, sind typische Jaguar-Eigenschaften, die wir in dieses Fahrzeug integriert haben.“

Die drei Elektromotoren des Type 01 leisten zusammen bis zu 1015 PS und beschleunigen das Fahrzeug in gut drei Sekunden von null auf 100 km/h. Das 850-Volt-Bordnetz ermöglicht schnelles Laden und eine Reichweite von rund 644 Kilometern. Das Fahrzeug verfügt über zwei Ladeanschlüsse, jeweils einen links und rechts. Innerhalb von nur 13 Minuten soll sich Energie für weitere rund 322 Kilometer nachladen lassen.

Jaguar will neue Kundengruppen erschließen

Mit dem Type 01 zielt Jaguar auf neue Kundengruppen. Der Autobauer geht davon aus, dass rund 80 Prozent Erstkäufer der Marke sein werden. Etwa 50.000 Interessenten haben nach Angaben des Unternehmens bereits Interesse an dem Fahrzeug bekundet. Nach der Premiere begann Jaguar damit, Reservierungen gegen Anzahlung entgegenzunehmen. Damit dürfte sich bald zeigen, wie ernst es diese potenziellen Kunden tatsächlich mit einem Kauf meinen.

Kein Volumenmodell

Jaguar-Geschäftsführer Rawdon Glover kann sich das Fahrzeug besonders gut in den USA vorstellen. Eben dort, wo das Fahrzeug auch debütierte. Dabei wird erwartet, dass Miami, New York und Kalifornien zu den wichtigsten Märkten für den Type 01 gehören werden.

Weder der Type 01 noch die beiden weiteren geplanten Jaguar-Modelle der neuen Generation sind dabei als Volumenmodelle gedacht. „Wir werden unseren Erfolg in Zehntausenden messen, nicht in Hunderttausenden und auch nicht in einzelnen Tausend, wenn das gesamte Portfolio in allen Märkten verfügbar ist“, sagte Glover.

Preislicher Einstieg ab 116.000 Euro

Die Auslieferungen in Europa und Nordamerika sollen im kommenden Jahr beginnen, möglicherweise bereits im Frühsommer. Der Marktstart in Asien soll daran anschließend folgen. Der Type 01 soll ohne Sonderausstattungen etwa 130.000 Dollar (116.000 Euro) kosten. (von Richard Truett)