Privatpersonen spendeten Millionen an die AfD – eine Partei profitiert noch mehr


Stand: 18.07.2026, 12:18 Uhr

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Spendable Privatpersonen und Unternehmen mit politischer Agenda? Deutsche Parteien erhalten Millionen. Wir blicken genauer auf die „Eskalation der Großspenden“.

Es ist eine große Summe für einen einzelnen Spender: Zweimillionendreihundertneunundvierzigtausendneunhundertsechs Euro und zweiundsechzig Cent. 2.349.906,62 Euro: So viel spendete Gerhard Dingler kurz vor der Bundestagswahl 2025 an die AfD. Dingler kommt aus Österreich, war in Vorarlberg mal Landesgeschäftsführer der scharfrechten FPÖ. Die Spenden flossen offiziell in Wahlplakate, doch schnell stand der Verdacht einer illegalen Parteispende im Raum. Denn Dingler hatte zuvor 2,6 Millionen Euro eines AfD-nahen Unternehmers bekommen. Die AfD zahlte das Geld vorsorglich zurück, wollte es dann wiederhaben, verlor aber im Mai vor Gericht. Der Fall ist nur ein Beispiel für hohe Parteispenden, wie ein Blick in die Daten des Deutschen Bundestags zeigt.

Alice Weidel, Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Sahra Wagenknecht im Deutschen Bundestag (Parteienspenden)

Deutsche Parteien bekommen Millionenspenden. Vorne liegen CDU und AfD. Die SPD hat eine ungewöhnliche Medienspende bekommen, das BSW profitiert von einem Privatgönner. © picture alliance/dpa | Michael Kappeler/Bernd von Jutrczenka/Kay Nietfeld/Jan Woitas (Montage)

Die Frankfurter Rundschau von Ippen.Media hat alle Parteispenden über mehr als 35.000 Euro seit Januar 2025 ausgewertet. Ab dieser Grenze müssen Spenden laut Parteiengesetz angezeigt werden. Damit fließen in die Statistik Zahlungen aus 18 Monaten ein. Seitdem ist die beachtliche Summe von 26.286.318 Euro und 16 Cent über solche Spenden an die Parteien geflossen. „Das ist enorm viel“, erklärt der Verein Lobbycontrol dazu auf Anfrage unserer Redaktion. Die große Summe ergebe sich vor allem durch den Bundestagswahlkampf, 2026 sei „bisher eher ein durchschnittliches Spendenjahr“. Im Zuge des Wahlkampfs habe es allerdings „mehr als doppelt so viele Großspenden wie beim letzten Wahlkampf“ gegeben. „Man kann also von einer Eskalation bei den Großspenden sprechen.“

Parteispenden: Drei große Spenden für die AfD – keine Partei bekommt mehr als die CDU

Den Daten zufolge kommt die AfD auf Spendengelder in Höhe von knapp 5,2 Millionen Euro. Insgesamt 1,55 Millionen Euro spendete der ostdeutsche Unternehmer Winfried Stöcker. Er kommt aus der Medizinbranche, entwickelte einen Corona-Impfstoff, den er ohne Zulassung verimpfen ließ, und versuchte sich auch mal als Kommunalpolitiker für die FDP. Nach der Regierungskrise in Thüringen trat er jedoch aus der FDP aus und spendete anschließend an die AfD.

Hinzu kommen 999.990 Euro von Horst Jan Winter. Er saß zum Zeitpunkt der Spende Anfang 2025 im Aufsichtsrat des Versandhandelsunternehmens Böttcher AG. Zuvor hatte Winter von Unternehmenschef Udo Böttcher zwei Millionen Euro „geschenkt“ bekommen. Dass sein Kollege mutmaßlich dieses Geld der AfD spendet, war Böttcher nach eigener Aussage nicht bewusst. Winter ist mittlerweile freigestellt.

Laut Lobbycontrol sticht die AfD bei Großspenden besonders heraus, „da sie seit ihrer Gründung in besonderem Maße von der (oft verschleierten) Finanzierung einzelner Milliardäre abhängt“, heißt es. „Das steht in direktem Widerspruch zu ihrem selbst kreierten Image als ‚Partei der kleinen Leute‘, findet aber durchaus in ihren Forderungen Einschlag. So will die AfD zum Beispiel die Grundsteuer und Erbschaftssteuer komplett abschaffen und ist gegen die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer.“

Außerdem gab es für die AfD kleinere Spenden weiterer Einzelpersonen sowie 50.000 Euro des mittelständischen Unternehmens Vakuum-Härtetechnik Schwer GmbH & Co. KG aus Tuningen in Baden-Württemberg. Bei anderen Parteien tauchen auch namhaftere Unternehmen in der Spendenliste auf. Die Deutsche Vermögensberatung unterstützte gleich fünf Parteien. 50.000 Euro gab es für die Grünen, je 100.000 Euro für FDP, CSU und SPD und 320.000 Euro für die CDU. Der Aktien- und Kryptodienst Bitpanda spendete insgesamt 1,75 Millionen Euro an CDU, SPD, FDP (je 500.000) und CSU (250.000).

Keine Partei bekommt mehr Spenden als die CDU: „politische Einflussnahme“ und „Lobby-Türoffner“

Keine Partei bekommt so viel Geld von externen Unterstützern wie die CDU. Mehr als acht Millionen Euro bekamen die Christdemokraten seit 1. Januar 2025. Genau 8.022.021 Euro erhielt die Partei. Die größte Einzelspende kam von Stephan Schambach, einem Unternehmer aus dem Bereich des Online-Handels. Er überwies im November 2025 eine halbe Million Euro an die CDU, zuvor spendete er auch 100.000 Euro an die FDP. Auch Max Schlereth überwies eine halbe Million Euro. Er betreibt ein Hotel am Münchner Viktualienmarkt. Der Milliardär und BMW-Großaktionär Stefan Quandt und der Investor Carsten Maschmeyer überwiesen je 200.000 Euro.

CDU und auch CSU stünden „dank ihrer politischen Richtung Unternehmen und Vermögenden näher als anderen Parteien“, heißt es von Lobbycontrol. „Deshalb nehmen sie auch meistens mehr Großspenden ein.“ Zudem würden sich vor Wahlen die Spenden zu jenen Parteien hin verschieben, die wahrscheinlich Teil der Regierung sein werden. „Das hat sich gut im Wahlkampf 2021 gezeigt, wo die Spenden bei Grünen und FDP explodierten, während bei SPD und Union verhältnismäßig wenig ankam, eben weil unklar war, ob am Ende die SPD oder die Union zusammen mit Grünen und der FDP die Regierung bilden würden.“ Das spreche dafür, „dass Parteispenden eben doch auch zur politischen Einflussnahme oder als Lobby-Türöffner eingesetzt werden“.

Nicht im Bundestag und trotzdem kassiert: FDP und BSW erhalten Millionen

Auf Platz drei der Spendensumme landet eine Partei, die gar nicht mehr im Bundestag vertreten ist: die FDP. 3,42 Millionen gab es seit Anfang 2025 für die Freien Demokraten. Mit einer halben Million am meisten von Unternehmer Dieter Morszeck, dessen Familie die Firma Rimowa gründete; ein Kofferhersteller, der mittlerweile mehrheitlich Louis Vuitton gehört. Quandt und Maschmeyer tauchen auch bei der FDP auf, überwiesen 75.000 beziehungsweise 200.000 Euro.

Auf Platz vier folgt ebenfalls eine Partei ohne Bundestagsmandat: das Bündnis Sahra Wagenknecht. 3,15 Millionen Euro erhielt das BSW seit Januar 2025. Und das fast ausschließlich von Thomas Stanger. 2025 spendete er erst 2,05 Millionen, dann 35.000, 2026 folgten weitere 1,02 Millionen Euro. Stanger ist der BSW-Gönner schlechthin, schon 2024 machte er fünf Millionen Euro für die Wagenknecht-Partei locker. Stanger stammt aus Würzburg und lebt mit seiner Frau an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. Reich geworden sein soll er nach Medienberichten durch eine Elektronikfirma, die mit Beleuchtungs-Hightech für Veranstaltungen erfolgreich wurde. Fürs BSW entschied er sich nach eigenen Angaben wegen der Friedenspolitik.

Besondere Spende für die SPD – vergleichsweise wenig für die Linke

2,54 Millionen Euro erhielt die SPD. 1,5 Millionen Euro davon gehen auf eine eher ungewöhnliche Parteispende zurück: Videoclips auf Social Media. Die Agentur Media Force, die sich selbst als „Kampagnenagentur für eine wehrhafte Demokratie“ bezeichnet, wollte so im Bundestagswahlkampf für die SPD mobilmachen. „Wieso die SPD?“, fragte Geschäftsführer Maximilian Oehl in einem Post auf der Berufsplattform Linkedin und antwortete sich selbst: „Weil es gerade hier Mobilisierungspotenzial bei verloren gegangenen und teils extremistischen Parteien zuneigenden Wähler*innen gibt.“

Die Grünen sind mit 1,37 Millionen Euro seit Jahresbeginn 2025 mit dabei. Top-Sponsor ist die Kajo Neukirchen GmbH beziehungsweise Gründer-Sohn Ralph Neukirchen. Das Unternehmen aus dem hessischen Eschborn bezeichnet sich selbst als Familienbetrieb, der sich „auf Investitionen in Unternehmen, Immobilien und Wald spezialisiert hat“. 530.000 Euro gab es seit Januar 2025 für die Ökopartei.

Über einer Million Euro liegt auch die CSU, die in der Spendenstatistik des Bundestags gesondert von der CDU aufgeführt wird. Neben den 250.000 Euro von Bitpanda und den 100.000 Euro der Deutschen Vermögensberatung gab es unter anderem 408.000 Euro vom Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Vergleichsweise wenig bekam die Linke. 350.000 erhielt sie, aufgeteilt auf zwei Spenden einer einzelnen Person: Nikolaos Fostiropoulos, Unternehmer aus Baden-Württemberg und einst Mitglied im Bundesvorstand der PDS, Vorgängerpartei der Linken.

Komplettiert wird das Parteieranking von 350.000 Euro für Volt, 318.500 für die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), 116.000 fürs Team Todenhöfer und 112.000 Euro für die Freien Wähler. Mit 60.000 Euro kam mehr als die Hälfte davon überraschend von Parteichef Hubert Aiwanger. So möchte er unabhängig von externen Großspenden bleiben, sagte er dazu. Spendengelder in Höhe von 40.000 Euro erhielt die Deutsche Kommunistische Partei DKP. Die dänische Minderheitspartei Südschleswigscher Wählerverband (SSW) erhält regelmäßige und gerichtlich festgelegte Unterstützungszahlungen aus Dänemark. Sie fließen nicht in die Statistik mit ein.