SPD-Bezirk aus Bayern will Altkanzler Schröder loswerden
Putin-Besuch sorgt für Aufruhr: SPD-Bezirk aus Bayern will Schröder loswerden – „Schande für das ganze Land“
Stand: 10.10.2026, 19:36 Uhr

Die Empörung in der SPD wächst: Nach dem Besuch bei Kremlchef Putin fordern mehrere Landesverbände den Parteiausschluss von Gerhard Schröder.
Amberg – Innerhalb der SPD brodelt es gewaltig. Auslöser ist der jüngste Affront von Altkanzler Gerhard Schröder: Sein Besuch bei Kremlchef Wladimir Putin anlässlich dessen Geburtstags stieß auf harte Kritik. Auf dem Bezirksparteitag in der Oberpfalz stimmten die Delegierten geschlossen für einen Antrag, der den Rauswurf des 80-Jährigen aus der Partei zum Ziel hat.
Bayerns SPD macht Front gegen Schröder
Bezirksvorsitzende Carolin Wagner machte deutlich, was die Genossen in der Region so aufbringt: Die demonstrative Nähe des früheren Regierungschefs zum „Kriegstreiber Putin“ sei nicht länger hinnehmbar. Zuvor hatte bereits der „Tagesspiegel“ über die wachsende Kritik berichtet. Neben dem bayerischen Bezirk positionierten sich auch die SPD-Landesvorsitzenden aus Baden-Württemberg und Bayern unmissverständlich.
Robin Mesarosch, Co-Vorsitzender der baden-württembergischen Sozialdemokraten, fand drastische Worte: „Ein Altkanzler, der auf Geburtstagspartys von Kriegsverbrechern geht, macht sich nicht nur für die SPD unmöglich.“ Noch schärfer formulierte er: „Schröder ist eine einzige Schande für das ganze Land.“
Bayerns Co-Landeschef: „Wenn es eine Chance gibt, sollte es versucht werden“
Zurückhaltender, aber dennoch klar äußerte sich Sebastian Roloff, Co-Landeschef der Bayern-SPD. Zwar sei der Erfolg eines erneuten Parteiordnungsverfahrens ungewiss. Dennoch betonte er: „Wenn es eine Chance gibt, sollte es versucht werden.“
Der Antrag aus der Oberpfalz, dessen Wortlaut der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, richtet sich direkt an den SPD-Parteivorstand. Dieser solle „auf Grundlage der neu bekannt gewordenen Vorgänge unverzüglich ein erneutes Parteiordnungsverfahren gegen Gerhard Schröder mit dem Ziel seines Ausschlusses aus der SPD beantragen“. Konkret geht es um zwei Punkte: Schröders Aufsichtsratsmandat bei der russischen Handelskette Hyperglobus sowie den Geburtstagsbesuch beim Kremlchef.
„Schwerwiegender Widerspruch zu den Grundwerten der Sozialdemokratie“
Die öffentlich zur Schau gestellte Verbundenheit mit Putin stehe „in einem schwerwiegenden Widerspruch zu den Grundwerten der Sozialdemokratie“, heißt es in dem Beschluss. Die Glaubwürdigkeit der gesamten Partei nehme dadurch Schaden.
Bundestagsabgeordnete Wagner verwies auf die verheerenden Folgen des russischen Angriffskriegs: „Tausende Tote, verschleppte Kinder und Kriegsverbrechen.“ Während die SPD alles daran setze, diesen Konflikt zu beenden, stelle der Altkanzler „diese Innigkeit zur Schau“. Bei den Genossen in der Oberpfalz verstehe das „keiner mehr“.
Erstes Ausschlussverfahren scheiterte 2023
Die Freundschaft zwischen Schröder und Putin reicht bis in dessen Kanzlerzeit von 1998 bis 2005 zurück. Den russischen Überfall auf die Ukraine bezeichnete der Altkanzler zwar als Fehler – von seinem Vertrauten im Kreml will er sich trotzdem nicht distanzieren. Ein erstes Parteiausschlussverfahren gegen ihn war im Jahr 2023 gescheitert.
Auch Putin hält offenbar noch viel von seinem ehemaligen Amtskollegen. Im Sommer 2026 schlug der Kreml-Chef den Altkanzler als Vermittler im festgefahrenen Ukraine-Krieg vor. Damals war die SPD zumindest nicht abgeneigt und sprach davon, dass es „fahrlässig“ wäre, dieses Angebot auszuschlagen.