Putins „Schattenflotte“ auf Arktismission: Russischer Konvoi bahnt sich seinen Weg durch das Eis
Stand: 12.08.2026, 14:31 Uhr
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Ein gewaltiger Schiffskonvoi durchquert offenbar die Arktis Richtung China. Russland nutzt die Nordostpassage, um Öl und Gas sicher zu transportieren.
Fernab von Kriegsschauplätzen und ukrainischen Drohnen hat sich Russland Anfang August offenbar einen Weg durch das Eis der Arktis: Ein ungewöhnlich großer Schiffskonvoi bewegt sich laut Berichten entlang der Nordostpassage in Richtung China. An Bord: Rohöl und Flüssigerdgas. Die Route gilt als strategischer Trumpf Moskaus, um westliche Sanktionen und militärische Risiken zu umgehen.

Wie das dänische Magazin Maritime Danmark berichtet, versammelten sich insgesamt rund neun Tankschiffe nördlich der Taimyr-Halbinsel im nördlichen Sibirien, um dort auf Eisbrecher zu warten, die ihnen die Weiterfahrt nach Osten ermöglichen sollten. Das Fachmagazin Barents Observer stuft diese Ansammlung als einen der möglicherweise größten Konvois ein, die jemals diese arktische Route befahren haben. Inzwischen haben die Schiffe das Laptewmeer erreicht und damit bereits einen beträchtlichen Abschnitt der gefährlichen Arktispassage hinter sich gebracht. Der russische Arktis-Konvoi zeigt, wie Moskau trotz internationaler Isolation seine Energieexporte nach China aufrechterhält. Die Informationen der Magazine lassen sich nicht unabhängig prüfen, sie bilden nur den Stand der Sichtung der Schiffe von Anfang August ab.
Die Nordostpassage: Putins Weg zu neuer Macht?
Die Nordostpassage ist eine anspruchsvolle Route. Wechselnde Eisverhältnisse und extreme Witterungsbedingungen machen jeden Konvoi zu einem logistischen Kraftakt. Dennoch setzt Russland immer stärker auf diese nördliche Verbindung, um seine Exporte sicher und außerhalb westlicher Einflussnahme abzuwickeln.
Im Oktober 2025 durchfuhr erstmals ein Containerschiff die Nordostpassage von China nach Europa und erreichte dabei Großbritannien. Das zeigt, dass Russland durch diese Route zum ernsthaften Knotenpunkt im globalen Warenverkehr werden könnte. Experten sehen darin auch eine wachsende wirtschaftliche Verflechtung zwischen Moskau und Peking. Unter anderem deshalb hat US-Präsident Donald Trump derart großes Interesse an Grönland.
Putin setzt auf Russlands „Schattenflotte“
Als Schattenflotte werden die oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffe bezeichnet, mit denen Russland Sanktionen umgeht, unter anderem das Öl-Embargo. Seit Februar hat die EU bereits mehr als 400 dieser Schiffe auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Nach französischen Angaben zählen 800 bis 1000 Schiffe zur Schattenflotte. Erst kürzlich stoppte Frankreich erneut einen Öltanker.
Die militärische Dimension der Arktis gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Die NATO warnt ausdrücklich vor Russlands wachsenden Ambitionen im hohen Norden: Moskau treibt die Aufrüstung in der Region ebenso voran wie die Erschließung arktischer Rohstoffvorkommen, während der Ukraine-Krieg westliche Kapazitäten bindet.
NATO alarmiert: Putin und China rüsten den hohen Norden strategisch auf
Bereits im Jahr 2023 gab es Warnungen davor, was Russland gemeinsam mit China plant. China verfolgt dabei eigene Interessen: Mit russischer Unterstützung strebt Peking nach dem Status einer „polaren Großmacht". Der Klimawandel macht neue Schiffswege und bislang unzugängliche Rohstofflager in der Arktis erschließbar und zieht damit immer mehr Großmächte in die entlegene Region. (Quellen: Barents Observer, Archiv, Maritime Denmark, dpa) (tu)