Rat stimmt Trägerwechsel zu – trotz ungeklärter Mehrkosten von 155.000 Euro
Stand: 02.10.2026, 20:09 Uhr
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Die sieben evangelischen Kindergärten in Großenkneten wechseln zum 1. Januar 2027 in einen kirchlichen Kita-Verbund. Die Gemeinde übernimmt zunächst die umstrittene Verwaltungskostenumlage – muss aber nach einem Jahr Rechenschaft einfordern.
Großenkneten – Die sieben evangelischen Kindergärten in der Gemeinde Großenkneten (in Großenkneten, Ahlhorn und Huntlosen) sollen in die Trägerschaft des evangelisch-lutherischen Kita-Verbunds Delmenhorst/Oldenburg-Land („evkita doll“) übergehen. Dafür hat sich der Rat der Gemeinde Großenkneten während seiner letzten planmäßigen Sitzung der auslaufenden Wahlperiode ausgesprochen. Die Entscheidung fiel lediglich mehrheitlich. Eine kontroverse Diskussion der Ratsmitglieder war dem Beschluss vorausgegangen. Die Verwaltung hatte insbesondere finanzielle Bedenken, dem Antrag der Kitas wie gewünscht zu folgen.
Ziel der Übertragung zum 1. Januar 2027 soll insbesondere eine Verbesserung und Entlastung auf organisatorischer Ebene der Einrichtungen sein. Dies stellt die Gemeinde grundsätzlich nicht infrage. „Personalplanung und Koordinierung, haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verdichtet und erfordern zunehmend eine professionelle und gebündelte Struktur“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Und weiter: „Die damit verbundene Geschäftsführung wird als sachgerecht und für die zukünftige Wahrnehmung der Trägeraufgaben als vorteilhaft angesehen.“ Daher akzeptiert die Gemeinde auch, sich mit 1,5 Prozent der anrechenbaren jährlichen Personalkosten beziehungsweise des Haushaltsvolumens (bei kirchlichem Gebäudeeigentum) zu beteiligen. Das ergibt auf der Grundlage der aktuellen Haushaltsansätze einen Betrag von rund 75.740 Euro.
Anders sieht es allerdings bei der zusätzlich geforderten Verwaltungskostenumlage aus: Hier stand eine kommunale Beteiligung von fünf Prozent der besagten anrechenbaren Kosten im Raum. Hochgerechnet auf das laufende Jahr bedeutet dies eine Steigerung für die Kommune um immerhin 155.395 Euro auf 252.475 Euro jährlich. Die Krux dabei: Auch auf mehrfache Aufforderung der Gemeindeverwaltung sei seitens der Kirche nicht eindeutig erklärt worden, was für diesen zusätzlich geforderten Betrag seitens „evkita doll“ genau erbracht werden soll. Die gemachten Angaben seitens des Verbundes seien zu pauschal und nicht ausreichend begründet. Heikel zudem: Die Kirchengemeinden Ahlhorn und Großenkneten hatten vorsorglich ihre bestehenden Trägerschaftsverträge zum 31. Juli 2027 gekündigt, falls der Trägerwechsel auf den Kita-Verbund nicht wirksam zustande kommt.
Bürgermeister Thorsten Schmidtke (parteilos) kritisierte das uneindeutige Auftreten der Kirche in diesem Fall. Politisch könne er sich dem Antrag so nicht anschließen. Gleichwohl präsentierte er einen Kompromissvorschlag, der auch vom Verwaltungsausschuss der Gemeinde begrüßt worden war: Die Kommune werde die besagten Kosten übernehmen, die Kirche müsse aber nach spätestens einem Jahr nachvollziehbare Gründe für die geforderten Beteiligungen nennen.
Bei diesem Punkt sei seine Gruppe gespalten, sagte Eduard Hüsers (Grüne/KA/Lahrmann) in der anschließenden Aussprache. Er könne die Argumentation der Verwaltung nachvollziehen. Jetzt den Forderungen der Kirche ohne entsprechende Belege zuzustimmen, sei finanzpolitisch der falsche Weg. Es stelle sich gar die Frage, ob die Gemeinde für eine Summe von insgesamt 320.000 Euro nicht sogar eigene Verwaltung der Kitas organisieren könnte. Die Kostensteigerung sei durchaus nachvollziehbar, befand hingegen Bastian Lahrmann. Er verwies darauf, dass die aktuelle Verwaltungsarbeit der Kitas im Wesentlichen ehrenamtlich erfolge und dann hauptamtlich übernommen werde. Dass die Kosten nach einem Jahr überprüft werden müssen, sei aber auch für ihn „ein klarer Auftrag“.
Seine Fraktion könne sich dem Antrag nicht anschließen, sagte Harm Rykena (AfD). Zwar sei der Wunsch nach einer gemeinsamen Trägerschaft nachvollziehbar. Doch in diesem Falle stelle die Kirche die Gemeinde vor vollendete Tatsachen, das sei – insbesondere im Hinblick auf die Kita-Mitarbeiter – quasi „Erpressung“. Dem wollte sich Ralf Martens (CDU) nicht anschließen. Die CDU werde zustimmen, weil sie den Trägerwechsel für richtig halte – auch wenn die Kommune diese Rolle selbst einnehmen könnte. Eine Erpressung könne er nicht feststellen, immerhin sei die Diskussion über den Wechsel seit Jahren ohne Ergebnisse geführt worden. „Wir wollen das genau so begleiten“, stimmte Heike Frommhold (SPD) für ihre Fraktion zu.
„Wir brauchen Verlässlichkeit und Plausibilität“, meinte die künftige Bürgermeisterin Imke Haake für die FDP‑Fraktion. Bei den genannten Zahlen habe auch sie „Bauchschmerzen“. Eine Professionalisierung der Kita-Verwaltung sei gleichwohl sinnvoll. Sie hoffe, dass die Beträge nach der genannten Jahresfrist nachjustiert werden können, und dass sich dann Einsparungspotenzial ergebe.