Räte sagen Nein zum Kita-Haushalt: 314.000 Euro Defizit und viele offene Fragen


Stand: 23.09.2026, 19:00 Uhr

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Kindergarten St. Kilian Bad Heilbrunn (Foto: Arndt Pröhl)

Hat 2025 ein Rekord-Defizit erwirtschaftet: der katholische Kindergarten St. Kilian in Bad Heilbrunn. © arp

Die Kindertagesstätte St. Kilian in Bad Heilbrunn schrieb 2025 ein Defizit von 314.000 Euro. Im Gemeinderat sorgte zudem ein Zahlen-Durcheinander mit zwei Abrechnungen für Verwirrung.

Bad Heilbrunn – Die Abstimmung über den Haushalt der katholischen Kindertagesstätte St. Kilian entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Im Juni konnten die Räte nicht abstimmen, weil das Zahlenwerk von der Kirche noch nicht freigegeben war. Im zweiten Anlauf genehmigten die Räte zwar den Haushalt für 2025. Beim Haushaltsplan für 2026 vertagten sie ihre Zustimmung jedoch – nach einer höchst ungewöhnlichen Diskussion.

Personalkosten stark gestiegen

Kassenverwalter Armin Wahner hatte schon in der Sitzung im Juni angedeutet, dass das Defizit des Kindergartens im Jahr 2025 eine Rekordhöhe erreicht hat. Schrieb die Einrichtung 2023 noch ein Defizit von 76.000 Euro, waren es 2024 schon 156.000 Euro. Im vergangenen Jahr verdoppelte sich das Minus noch einmal auf 314.000 Euro. Als Grund nannte der Kassenverwalter die rasant steigenden Personalkosten: „Es hat einige Mitarbeiterveränderungen gegeben, auch die Leitung hat sich verändert.“ Das Defizit steige aber nicht nur in Bad Heilbrunn, sondern in allen Gemeinden: „Ich habe mit Kämmerern und Bürgermeistern gesprochen – es ist überall das Gleiche.“

Zwei unterschiedliche Abrechnungen

Nach zwei, drei Sätzen musste Wahner seinen Vortrag jedoch unterbrechen. „Warum gibt es von Kita-Zentrum St. Simpert und von Ihnen getrennte Abrechnungen mit unterschiedlichen Ergebnissen?“, erkundigte sich Bürgermeister Michael Herrmann. Wahner verwies auf unterschiedliche Arten der Abrechnung. Er selbst erstelle eine Liquiditätsrechnung, während das Kita-Zentrum St. Simpert in Augsburg seit 2025 eine Buchhaltung „wie ein Konzern“ führe. Wahner habe den Jahresabschluss 2025 schon Ende Februar erstellt. Die bischöfliche Finanzkammer habe dagegen bis heute keine entsprechenden Zahlen vorgelegt: „Und wenn ich keine Zahlen des Vorjahres habe, kann ich keine Planung machen fürs laufende Jahr oder das Folgejahr.“

„Das läuft alles ein bisschen durcheinander“

Bahnmüller verwunderte diese Aussage. Sie blickte auf den Bildschirm ihres Tablets und sagte mit Blick auf die Sitzungsunterlagen: „Aber die Gewinn- und Verlustrechnung von 2025 ist doch da?“ Wahner zeigte sich überrascht: „Von wem?“ Bahnmüller: „Von wem die Zahlen sind, weiß ich auch nicht.“ Wahner konnte es nicht glauben. „Die Abrechnung von Augsburg hab‘ ich noch nie gesehen. Sie sind reingegrätscht und haben eine eigene Buchführung aufgebaut. Das läuft alles ein bisschen durcheinander.“

„Ich habe Bauchweh damit“

Anschließend drehte sich die Diskussion um die Frage, ob die Räte nun über Wahners Zahlen oder die des Kita-Zentrums abstimmen sollen. „Ich habe Bauchweh damit“, sagte Michael Herrmann. „Die Ergebnisse gehen nicht unerheblich auseinander.“ Matthias Schröfl (Freie Wähler) machte das Durcheinander zornig: „So kommen wir nicht weiter.“ Seiner Ansicht nach müsse man die Abstimmung verschieben, „weil von der katholischen Kirche niemand fähig ist, unsere Fragen zu beantworten“. Es müsse ein Mitarbeiter der Kirchenverwaltung anwesend sein. „Wir können nicht alles auf Herrn Wahner abschieben.“

Möchten bei Haushaltsansätzen ein bisserl mitreden“

Dieser Einschätzung schloss sich auch Michael Herrmann an. Der ehemalige Dritte Bürgermeister Bernd Rosenberger, der für die Abrechnung des Kindergartens zuständig ist, sei derzeit bedauerlicherweise im Urlaub. Wahner sei der Controller, „der schaut, dass der Träger ein bisserl im Zaum gehalten wird – ohne jemanden Böses zu unterstellen“. Herrmann erwartet vom Vertragspartner belastbare Zahlen – „und zwar nicht erst im September, wenn das Haushaltsjahr zu drei Vierteln rum ist“. Die Gemeinde trage 80 Prozent des Defizits, könne über die konkreten Ausgaben aber erst im Nachhinein entscheiden. „Das stört mich. Wenn wir für 80 Prozent des Defizits aufkommen, möchte ich bei den Haushaltsansätzen schon ein bisserl mitreden.“

Vorschlag: Ausgaben deckeln

Lisa Bahnmüller (CSU) forderte, die Ausgaben zu deckeln. Überschreiten die Ausgaben einen festgelegten Betrag, müsse die Kirche die darüber hinausgehenden Kosten vollständig übernehmen. Stefan Rieker (BVH) hielt diesen Vorschlag für sinnvoll: „Solange ich jemanden habe, der mir 80 Prozent der Last abnimmt, habe ich nicht das Ziel, zu sparen.“

Heuer deutlich geringeres Defizit

Für 2026 rechnet Wahner mit einem Defizit von nur noch 50.000 Euro. Mittlerweile seien die staatlichen Zuschüsse für die Personalkosten geflossen. Zudem würden nun mehr Krippen- und Integrationskinder betreut, wofür es mehr staatliche Zuschüsse gibt. Nicht zuletzt sei auch die Gesamtzahl der betreuten Kinder von 98 auf 105 gestiegen. Gleichwohl verweigerten die Räte dem Haushaltsplan 2026 ihre Zustimmung. Sie wollen vor der Zustimmung erst überprüfen, ob die Haushaltsansätze wirklich notwendig sind.