Ratsbeschluss zu Baumfällungen ist rechtswidrig: Bürger schöpfen Hoffnung
Stand: 11.10.2026, 17:00 Uhr
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Der Oberbürgermeister beanstandet den Beschluss zum Fällen von 20 Bäumen an der Ostwennemarstraße. Die Bäume sind Teil einer geschützten Allee. Eine Befreiung liegt nicht vor, „bislang“.
Uentrop – Der Streit um die umstrittenen Baumfällungen an der Ostwennemarstraße ist überraschenderweise wieder offen. Der Rat hat zwar den Bau eines neuen Fuß- und Radwegs beschlossen, doch Oberbürgermeister Marc Herter ließ die Entscheidung auf Kritik der Bürgergruppe „Natur für Hamm“ nachträglich prüfen: Er beanstandet nun den Beschluss. Er ist „rechtswidrig“, heißt es in der kurzfristig verfassten Vorlage der Verwaltung. So etwas kommt nicht alle Tage vor.

Wie sich herausgestellt hat, sind die Bäume Teil einer geschützten Allee. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 13. Oktober zunächst über die Aufhebung des Beschlusses zu beschließen.
Worum geht der Streit?
Seit Monaten setzt sich die Bürgergruppe gegen den Bau eines rund 250 Meter langen Fuß- und Radwegs auf der Ostseite der Ostwennemarstraße ein. Er ist Teil der Grünen Umweltachse und soll die Lücke zwischen dem Ende des Wegs an der Kita und Kanalbrücke schließen. Für das Vorhaben sollen 18 Linden und zwei Ahorne entfernt werden. Nach Angaben der Stadt weisen sie überwiegend deutliche Schädigungen auf. Den Eindruck fand die Bürgergruppe im Juli bei einem Ortstermin nur teils bestätigt. Sie hält den Weg für unnötig und die Baumfällungen im Sinne des Stadtklimas und Klimaschutzes für falsch. In Zeiten des Klimawandels fordert sie ein Umdenken bei der Stadtplanung. Der Rat hatte den Ausbau aber Anfang Juli beschlossen.
Was fordert die Gruppe und was hat sie schon versucht?
Peter Müller, Sprecher der Gruppe, brachte die Kritik der Bürger in der Einwohnerfragestunde der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Uentrop vor. Er erinnerte daran, dass sie bereits vor der Ratsentscheidung im Juli versucht habe, ihre Bedenken vorzubringen. Alle Ratsmitglieder seien angeschrieben worden – außer von der AfD. Die Argumente der Gruppe seien vorgetragen worden. „Darauf haben wir von niemandem eine Antwort erhalten“, sagte er. Die „Maximalforderung“ der Gruppe ist der Verzicht auf den Radweg. So blieben die Bäume erhalten – solange die Verkehrssicherungspflicht das hergibt. Falls doch ein Radweg gebaut wird, sollten mindestens alle standsicheren Bäume stehen bleiben. Oder, wenn doch alle Bäume weg sollten, dann fordert die Gruppe eine Ersatzpflanzung im Verhältnis 1:5.

Laut Müller hat die Initiative auch die Bezirksregierung Arnsberg eingeschaltet. „Für diese Beschwerde haben wir in der Bevölkerung über 150 Unterschriften erhalten, ohne irgendeinen größeren Aufwand, die alle gegen diese Beschlussvorlage sind“, sagte er. Eine Antwort habe er bis heute nicht.
Erneute Prüfung der Entscheidung zur Ostwennemarstraße in Werries
Wie ist es zur erneuten Prüfung gekommen?
Am 7. September habe die Bürgergruppe den Oberbürgermeister angeschrieben und um eine Überprüfung der Vorlage gebeten. Nach Angaben Müllers habe man zunächst nur eine Eingangsbestätigung erhalten. In der BV-Sitzung am 1. Oktober berichtete er dann von einer neuen Entwicklung. Am selben Tag habe er eine Antwort vom OB erhalten.
Was beanstandet der Oberbürgermeister?
Bei der Prüfung stellte sich heraus, dass die genannten Bäume Teil einer geschützten Allee sind. Sie darf nicht beseitigt oder beschädigt werden. Ein solcher Schritt ist nur mit naturschutzrechtlicher Befreiung möglich, die liege aber „bislang nicht vor“, heißt es in der Vorlage zur Aufhebung des Ratsbeschlusses. Dieser sei zudem rechtswidrig, weil der Rat bei seiner Entscheidung nicht über den Schutzstatus der Allee und die notwendige Befreiung informiert worden sei.
Verfahren zu geplanten Baumfällungen in Werries läuft
Wie geht es weiter?
Ob nun eine Befreiung beantragt wird, steht nicht fest. Über das Bauvorhaben und die Fällung ist also später erneut zu entscheiden. „Das Ergebnis ist natürlich offen“, sagte Müller. Aber für die Bürgerinitiative ist die jüngste Entwicklung ein Grund zu hoffen. „Wir gehen davon aus, dass die Bäume jetzt stehen bleiben.“
Die Stadtverwaltung äußerte sich in der BV-Sitzung nur knapp und verwies auf ein nun laufendes Verfahren. „Der Oberbürgermeister leitet jetzt ein Verfahren ein, was dann entsprechend offen ausgestaltet ist“, sagte René Fischer, Leiter des Amtes für Bezirksangelegenheiten.
Bürgergruppe Natur für Hamm fordert öffentliches Baumkataster
Was wird aus den Fragen der Bürgergruppe?
Die Bürger stellen ihre teils schon in der BV-Sitzung im Juni gestellten Fragen weitgehend zurück. Das lange und bislang vergebliche Warten auf Antworten erklärte Fischer mit der Prüfung und dem vom OB genannten Ergebnis: „Das hängt alles miteinander zusammen.“
Stattdessen konzentriert sich die Gruppe nun auf das Baumkataster der Stadt. Müller verwies darauf, dass solche Verzeichnisse in Städten wie Münster und Köln öffentlich einsehbar seien, und fragte, warum dies in Hamm nicht der Fall sei und ob es geplant sei. Das soll geklärt werden. Im Fall der Ostwennemarstraße hat Müller nach eigenen Angaben einen Auszug aus dem Baumkataster erhalten, wonach nur drei von insgesamt 24 Bäumen als absterbend genannt sein sollen.