Regenfäule beim Menschen: Was ist das? Symptome, Behandlung, Übertragung


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Eitrige Pickel, schuppige Haut und Juckreiz: Eine ungewöhnliche bakterielle Hautinfektion sorgt derzeit in Europa für Aufmerksamkeit. „Der Erreger ist vor allem aus der Tiermedizin bekannt und kommt insbesondere bei Pferden und Schafen vor“, sagt Prof. Dr. med. Norbert Brockmeyer unserer Redaktion. Brockmeyer ist Dermatologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit e. V. (DSTIG). Beim Menschen sei die Regenfäule bislang sehr selten, sagt er.

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Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für Deutschland 17 Fälle dokumentiert. Die Infektionen wurden zwischen Dezember 2025 und Juni 2026 in einem Berliner Labor festgestellt. Betroffen waren Männer aus Berlin und dem angrenzenden Brandenburg mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren.

Auch europaweit nimmt die Zahl der Nachweise zu. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden bis zum 20. August insgesamt 126 Fälle in zehn europäischen Ländern gemeldet. Gleichzeitig betont die Behörde: Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung ist sehr niedrig.

Man with many blisters on body some drying and forming crusts typical signs of adult chickenpox infection

Die Regenfäule sorgt für entzündliche Hautveränderungen (Symbolfoto).© iStock | istock

Symptome von Regenfäule: So zeigt sich die Infektion

Typische Regenfäule-Symptome sind entzündliche Hautveränderungen, die sich unter anderem als kleine Knötchen, Pickel oder Pusteln zeigen können. Teilweise enthalten die Pusteln Eiter. „Typischerweise befällt das Bakterium die oberste Hautschicht“, so Brockmeyer weiter.

Weitere mögliche Regenfäule-Symptome sind:

Nach bisherigen Erkenntnissen treten die Veränderungen unter anderem im Genitalbereich, an den Oberschenkeln, in der Leistengegend und im Gesicht auf. Das ECDC beschreibt die bislang beobachteten Erkrankungen überwiegend als milde Hautinfektionen ohne systemische Symptome.

Was ist Regenfäule?

Verursacht wird die Erkrankung durch das Bakterium Dermatophilus congolensis. Der Erreger ist aus der Veterinärmedizin seit Langem bekannt und verursacht insbesondere bei Pferden, Rindern und anderen Tieren Hautinfektionen.

Der ungewöhnliche Name „Regenfäule“ kommt daher, dass Feuchtigkeit und hohe Luftfeuchtigkeit die Erkrankung bei Tieren begünstigen können. Mit einer Fäulnis im eigentlichen Sinne hat die Krankheit allerdings nichts zu tun.

Beim Menschen sind Infektionen mit dem Bakterium äußerst selten. Die aktuellen Fälle in Europa sind deshalb auch aus epidemiologischer Sicht ungewöhnlich.

Wie wird Regenfäule übertragen?

Lange Zeit wurden menschliche Infektionen vor allem mit einem direkten Kontakt zu infizierten Tieren in Verbindung gebracht. In den aktuellen europäischen Fällen gibt es jedoch zunehmend Hinweise auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Das ECDC hält engen Haut- und Körperkontakt derzeit für den wahrscheinlichsten Übertragungsweg. Eine Übertragung über verunreinigte Oberflächen oder Gegenstände kann nach aktuellem Wissensstand allerdings nicht ausgeschlossen werden. Aber: „Aber auch Feuchtigkeit scheint die Übertragung zusätzlich zu begünstigen“, sagte Brockmeyer. Deshalb sei ein Handtuch als Unterlage in der Sauna Pflicht, um Infektionen vorzubeugen, so die Empfehlung des Mediziners.

In Deutschland und anderen europäischen Ländern wurden mehrere Fälle bei Männern festgestellt, die sogenannte sexpositive Saunen besucht hatten. Dort können enge Hautkontakte in einer feuchtwarmen Umgebung die Übertragung begünstigen. Ob der Erreger tatsächlich vor allem durch sexuelle Kontakte weitergegeben wird oder ob auch gemeinsam genutzte Oberflächen eine Rolle spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. Auch andere Übertragungswege wurden beobachtet. So wurden in Norwegen Fälle im Zusammenhang mit Kampfsport bekannt. Außerdem gibt es Fälle mit Bezug zu Reisen nach Südostasien, wo ein feuchtwarmes Klima herrscht.

Wer hat ein erhöhtes Infektions-Risiko?

Fine red itchy rash on a mans body after viral infection with irritated and inflamed skin visible in video.

Die Regenfäule ist keine Erkrankung, vor der die Allgemeinbevölkerung derzeit alarmiert sein muss.© iStock | istock

Das ECDC schätzt das Risiko für die Allgemeinbevölkerung weiterhin als sehr niedrig ein. Für Menschen mit mehreren Sexualpartnern, die Sex mit Männern haben, wird das Risiko als niedrig bewertet. Bei Personen aus dieser Gruppe, die Einrichtungen besuchen, in denen sexuelle Kontakte vor Ort stattfinden, stuft das ECDC die Wahrscheinlichkeit einer Infektion als höher ein.

Das Gesamtrisiko bleibt wegen des meist milden Krankheitsverlaufs jedoch niedrig. Das bedeutet zugleich: Die Regenfäule ist keine Erkrankung, vor der die Allgemeinbevölkerung derzeit alarmiert sein muss. „Es besteht also kein Grund zur Sorge oder gar zu einer allgemeinen Verunsicherung“, sagte Dermatologe Brockmeyer weiter.

Was tun bei verdächtigen Hautveränderungen?

Wer ungewöhnliche, juckende, schuppige oder verkrustete Hautveränderungen feststellt, sollte diese ärztlich abklären lassen. Das gilt insbesondere dann, wenn sich die Veränderungen ausbreiten, nässen oder offene Stellen entstehen.

Bis zur medizinischen Abklärung kann es sinnvoll sein, engen Hautkontakt zu vermeiden. Eine Diagnose allein anhand der Regenfäule-Symptome ist allerdings nicht möglich, da verschiedene Hauterkrankungen ähnliche Veränderungen verursachen können.

Wie wird Regenfäule behandelt?

Die Dermatophilose lässt sich mit Antibiotika behandeln. Nach den bislang vorliegenden Daten sprechen die Erkrankungen gut auf eine Therapie an. Das ECDC berichtet, dass die bisher bekannten Fälle mit oralen oder örtlich angewendeten Antibiotika erfolgreich behandelt werden konnten. Teilweise verschwanden die Hautveränderungen auch ohne Behandlung von selbst. Schwere Komplikationen wurden bislang nicht berichtet.

Die aktuellen Fälle werden von den Gesundheitsbehörden dennoch genau beobachtet. Denn erstmals gibt es in Europa Hinweise darauf, dass sich Dermatophilus congolensis über längere Übertragungsketten auch zwischen Menschen verbreiten kann. Wie weit sich diese Entwicklung fortsetzt und welche Übertragungswege dabei tatsächlich die größte Rolle spielen, ist noch Gegenstand der Untersuchungen.

mkx