Gründer der Ultras war selbst im Krieg: Fans von Riera-Klub feiern Völkermörder Ratko Mladic


Riera-Klub feiert Völkermörder Ratko Mladic – Verfahren eröffnet

Stand: 29.08.2026, 17:09 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Fans von Roter Stern Belgrad gedenken Kriegsverbrecher Ratko Mladic. Die UEFA ermittelt. Mladics Verbrechen werden oft unzureichend dargestellt.

Belgrad – Ein Vorfall, der leider zu erwarten war. Die Fans von Roter Stern Belgrad glorifizieren den serbisch-bosnischen Kriegsverbrecher Ratko Mladic. Der starb am 27. August im UN-Gefängnis in Den Haag, wo er wegen seiner Verbrechen lebenslang in Haft saß. Während des Auswärtsspiels in der Europa-League-Qualifikation bei Viktoria Pilsen zeigten die Belgrader Fans zwei Banner für den von ihnen glorifizierten „General“, dem sie „ewigen Ruhm und Dankbarkeit“ aussprachen.

Fans von Roter Stern Belgrad feiern beim Spiel gegen Viktoria Pilsen Kriegsverbrecher Mladic.

Fans von Roter Stern Belgrad feiern beim Spiel gegen Viktoria Pilsen Kriegsverbrecher Mladic. © Screenshot: X/FK Crvena zvezda

Doch damit war das Ende der Fahnenstange an Geschmacklosigkeiten noch nicht erreicht. Der offizielle X-Account von Roter Stern postete ein Bild der Banner und versah den Eintrag mit einem salutierenden Emoji. Bis jetzt (29. August, 17 Uhr) ist der Eintrag immer noch sichtbar. Das alles fügt sich ein in eine Reihe nationalistischer und rassistischer Gedenkakte nach Mladics Tod, an dessen Ende das angekündigte Staatsbegräbnis in Serbien stehen wird.

Fußballverein feiert Kriegsverbrecher Mladic

Bezogen auf die Verbrechen von Mladic nimmt ein Großteil des serbischen Staates eine revisionistische bis verherrlichende Haltung ein, die auch in Teilen der Bevölkerung weitergetragen wird. Es ist aber auch kein Zufall, dass ausgerechnet die Ultras von Roter Stern Belgrad jetzt in diesem Zusammenhang in Erscheinung getreten sind.

Jetzt lostippen und gewinnen!

Machen Sie mit bei großen WM-Tippspiel

Jetzt mitmachen beim großen Bundesliga-Tippspiel © IPPEN.MEDIA

Beim großen Bundesliga-Tippspiel haben Sie die Chance, sich tolle Preise zu sichern. Melden Sie sich jetzt kostenlos an und geben Sie Ihre Tipps für die Spiele der Saison 2026/27 ab. Alle Infos gibt es hier.

Jetzt lostippen und gewinnen!

Die Delije, die Ultras von Roter Stern, wurden von Zeljko Raznatovic (Rufname: Arkan) gegründet. Als die postjugoslawischen Kriege vom Zaun gebrochen wurden, gründete Raznatovic eine Freiwilligengarde: Arkans Tiger. Die agierten zwar zum Großteil unabhängig vom Mladic, dem Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Armee, doch beide verfolgten mit der geplanten Errichtung Großserbiens und anti-muslimischer ethnischer Säuberung gleiche Ziele – und wurden wegen Völkermordes angeklagt.

Während Mladic verurteilt wurde, kam es gegen Raznatovic nie zu einem Urteil, da dieser zuvor im Januar 2000 in Belgrad erschossen wurde. Beim Genozid an Bosniakinnen und Bosniaken werden, gerade bei Mladic, oftmals in erster Linie die Verbrechen von Srebrenica erwähnt. Doch wie dort nicht, wie oft postuliert, nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder von den serbischen Truppen ermordet wurden, reichen die Kriegsverbrechen von Mladic weit über Srebrenica hinaus.

Im Angriffskrieg Serbiens gegen Bosnien wurden mehrere Städte, unter anderem Sarajevo, monate- bis jahrelang belagert, ausgehungert und gezielt beschossen. Dazu zeichnete sich Mladic für ein Netzwerk an Todes- und Vergewaltigungslagern verantwortlich, in denen bosnische Muslime gezielt vernichtet und gefoltert wurden. All dies spielte sich von 1992 bis 1995 ab, und ist die organisierte Spitze eines Krieges, der viele weitere Massaker an Menschen und Zerstörungen bosnischer Infrastruktur sah.

All das wird auch die UEFA wissen, die nun ein Disziplinarverfahren gegen den Verein von Ex-Eintracht-Coach Albert Riera eröffnet hat. Die Vorwürfe werden in drei Teile aufgeteilt: rassistisches Verhalten, Verbreitung einer für Sportveranstaltungen ungeeigneten Botschaft, unangemessenes Verhalten der Mannschaft. Das Gedenkzentrum in Srebrenica hat sich inzwischen an die UEFA gewandt und erklärt, dass die Banner nicht allein „auf das Verhalten der Fans reduziert werden“ dürften. (sch)