Ripke tritt ab und bekommt stehende Ovationen: NGW wählt erstmals eine Vorsitzende


Stand: 26.10.2026, 19:00 Uhr

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Verdienstorden des Landes Niedersachsen verliehen: Franz-Otto Ripke, scheidender Vorsitzender des Landesverbands der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, und Ministerpräsident Olaf Lies (SPD, r.).

Verdienstorden des Landes Niedersachsen verliehen: Franz-Otto Ripke, scheidender Vorsitzender des Landesverbands der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, und Ministerpräsident Olaf Lies (SPD, r.). © FRA

Angela Wegener führt künftig den Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft mit 1.600 Mitgliedern. Ministerpräsident Lies zeichnete den scheidenden Vorsitzenden Friedrich-Otto Ripke mit dem Niedersächsischen Verdienstorden aus.

Altona/Landkreis – Dass sich der Landesverband der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW, mit Sitz in Vechta) im Landkreis Oldenburg und insbesondere im Hotel Gut Altona zu seiner Hauptversammlung trifft, ist nichts Neues. Dass ein niedersächsischer Ministerpräsident zu den Gästen der Veranstaltung zählt, ebenfalls nicht. Beides war am Montag wieder der Fall – doch markierte der Tag einen Umbruch für den Verband mit seinen 1.600 Mitgliedern: Der langjährige Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke (73) hat sein Amt abgegeben. Die Versammlung wählte Angela Wegener zu seiner Nachfolgerin. Die 50‑jährige studierte Agrarökonomin bewirtschaftet einen Familienbetrieb in Hassel (Samtgemeinde Grafschaft Hoya). Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. Drei ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister hatten Ripke an diesem Tag mit ihrer Anwesenheit ebenfalls ihre Reverenz erwiesen: Karl-Heinz Funke (parteilos), Uwe Bartels (SPD) und Hans-Heinrich Ehlen (CDU).

Frisch gewählt: Angela Wegener (l.) ist die neue Vorsitzende des Branchenverbands. Sie tritt die Nachfolge von Friedrich-Otto Ripke (r.) an.

Frisch gewählt: Angela Wegener (l.) ist die neue Vorsitzende des Branchenverbands. Sie tritt die Nachfolge von Friedrich-Otto Ripke (r.) an. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten. © FRA

Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) würdigte eingangs den Wert und die Wichtigkeit der Branche für Niedersachsen. Die Geflügelwirtschaft erlebe gerade einen „Boom“. Deren Mitglieder zeichneten sich nicht zuletzt dadurch aus, dass sie vor Ort investierten. Kommunen und Land müssten nach Vorbild des „Niedersächsischen Weges“ ermöglichen, dass nicht nur dieser Teil des Agrarsektors wachsen könne. Um die Betriebe voranzubringen, sollten die Chancen der Künstlichen Intelligenz und Robotik genutzt sowie eine geeignete Impfung gegen die Geflügelpest erforscht werden.

Der Ministerpräsident dankte Ripke für dessen Einsatz für die Geflügelwirtschaft in Land und Bund. „Doch ist das keine Abschiedsrede“, verriet der Sozialdemokrat. Der 73-Jährige wolle sein über Jahrzehnte erworbenes Wissen weiterhin nutzen. Der scheidende Vorsitzende zeichne sich durch seine lange (kommunal-)politische Erfahrung aus: vom Sitz im Rat seiner Heimatgemeinde, über Kreis- und Landtag bis zum Amt des Staatssekretärs im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium aus.

„Es ist unglaublich, was Du geleistet hast“, sagte Lies. Ripkes Handeln sei von ebensolcher Kontinuität geprägt. Er habe sich seit 2013 intensiv für die Zukunftsentwicklung der Branche eingesetzt – auf Landes-, Bundes- und der europäischen Ebene. Dabei habe der scheidende Vorsitzende das Tierwohl im Blick gehabt. Als Beispiele nannte der Ministerpräsident das Verbot des Schnabelkürzens, das Töten von Küken oder die Herkunftskennzeichnung. Über all die Jahre habe der Geehrte „mit tiefer Überzeugung für die Sache“ agiert und auf „Transparenz, Vertrauen und Dialog“ gesetzt. Dabei habe er stets Verantwortung übernommen und als „Motivator für andere“ gewirkt. Lies verlieh Ripke in Anerkennung seiner Leistungen den „Niedersächsischen Verdienstorden“.

Und auch die NGW-Mitglieder ließen Ripke nicht ohne eine Würdigung ihrerseits gehen: Sie ernannten ihn zu ihrem Ehrenvorsitzenden. Ihn dafür vorzuschlagen, sei für das Präsidium „eine Selbstverständlichkeit“ gewesen, betonte Thomas Korte, einer der drei stellvertretenden Verbands-Vorsitzenden. Er charakterisierte Ripke als herzlich, sympathisch, intelligent und von „Kampfgeist“ beseelt. Er zeichne sich „durch Herz und Biss“ aus.

„Ich bin selten sprachlos“, sagte Ripke sichtlich berührt in seinen kurzen Dankesworten: „Das geht ganz schön rein.“ Die Auszeichnung durch „das Land Niedersachsen, das ich liebe“, sei etwas „ganz Großes“. Die Energie für die Erledigung seiner Aufgaben habe er aus deren „Sinn und Zweck“ geschöpft. Doch ohne andere Menschen wäre all dies so nicht möglich gewesen. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer habe Glück als die Fähigkeit zur Dankbarkeit definiert, so Ripke abschließend. „Danke, ich freue mir einen Ast!“, sagte der Geehrte an das Publikum gewandt, das sich daraufhin von den Plätzen erhob und ihm applaudierte.