Stadtbücherei Hofheim zeigt Ausstellung über Zensur und Meinungsfreiheit
Stand: 26.10.2026, 19:00 Uhr
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Die Wanderausstellung „Freie Medien – freie Menschen" ist bis zum 3. November in der Stadtbücherei Hofheim zu sehen. Sie zeigt, wie Bücher in den USA, Ungarn und Russland verbannt werden – und was das mit Deutschland zu tun hat.
Hofheim – „Bibliotheken sollten Gesprächsräume sein“, steht in krakeliger Handschrift auf einem gelben Klebezettel. Gleich daneben wünscht sich jemand mehr Veranstaltungen zur politischen Weiterbildung, ein anderer regt an, mit Kindern über Meinungsfreiheit zu sprechen.

Die kleinen Post-its an der Wand der Stadtbücherei Hofheim zeigen: Die Besucher haben durchaus etwas zu sagen. Darum geht es bei der Wanderausstellung „Freie Medien – freie Menschen“. Derzeit ist sie im Erdgeschoss der Stadtbücherei zu sehen. Zwischen den Bücherregalen sind die Roll-ups, die die Besucher zum Stehenbleiben und Lesen ermuntern.
Farbenfrohe Plakate und provokante Sätze
Die Ausstellung beschäftigt sich mit Zensur, Mut und dem Recht auf das freie Wort. Sie lädt ausdrücklich dazu ein, Stellung zu beziehen. „Das muss hier raus, das gehört hier nicht hin! (?)“ – dieser provokante Satz steht gleich auf dem ersten der großformatigen, farbenfrohen Plakate. Doch wer entscheidet eigentlich, welche Bücher in eine Bibliothek gehören und welche nicht? Wo endet die Meinungsfreiheit, wo beginnt Zensur? Und wie selbstverständlich ist es überhaupt, Zugang zu unterschiedlichen Informationen und Meinungen zu haben?
Bis zum 3. November macht die Ausstellung des Deutschen Bibliotheksverbandes in Hofheim Station. Die Fragen sind mehr denn je aktuell. Der Besucher wird von den Grundrechten in Deutschland über die USA bis nach Europa geführt und dabei auch an eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte, die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten im Jahr 1933, erinnert. Eindrücklich sind die Beispiele aus den USA. Dort setzen sich konservative und religiöse Gruppierungen wie „Moms for Liberty“ dafür ein, bestimmte Bücher aus Schul- und öffentlichen Bibliotheken zu entfernen. Häufig geht es dabei um Werke, die sich mit sexueller Identität, Rassismus, gesellschaftlichen Tabus oder psychischer Gesundheit beschäftigen.
Bibliotheken sind Orte der Demokratie
Die Ausstellung erklärt auch den Unterschied zwischen einem Buch, dessen Entfernung gefordert wird, und einem tatsächlich aus dem Bestand verbannten Werk. Eine Besucherin bleibt stehen, liest und schüttelt den Kopf. Weitere Tafeln berichten über Einschränkungen in Ungarn, Russland, Belarus und der Slowakei. Auch Deutschland bleibt nicht ausgespart. So wurden beispielsweise in Bibliotheken in Berlin und Villingen-Schwenningen Bücher aus politischen beziehungsweise weltanschaulichen Gründen mutwillig beschädigt oder zerstört.
Bibliotheken sind wichtige Orte der Demokratie. Sie bieten nicht nur Bücher zum Ausleihen, sondern ermöglichen Zugang zu Wissen, unterschiedlichen Perspektiven und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Ausstellung möchte informieren und zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Helen Seyd vom Team der Stadtbücherei Hofheim macht auf ein ergänzendes Angebot aufmerksam. „Über das Filmportal „filmfriend“ können Inhaber eines gültigen Leseausweises den Dokumentarfilm „The Librarians“ kostenfrei anschauen.
„Der Film passt sehr gut zur Ausstellung“, sagt Seyd und verweist auf die Möglichkeit, sich auch zu Hause intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Dokumentarfilm begleitet Bibliothekarinnen und Bibliothekare in den USA, die sich gegen die Verbannung von Büchern aus ihren Beständen wehren. Dabei geraten sie selbst zunehmend unter politischen und gesellschaftlichen Druck. Stadtbüchereien sind lebendige Orte. In Hofheim gibt es neben der Ausleihe ein vielfältiges Veranstaltungsangebot. Ob Lauschzeit für die Kleinsten von einem bis drei Jahren, Kinderlesungen, offener Stricktreff oder Silent Reading Party. Menschen unterschiedlicher Generationen kommen hier zusammen.
Auch am bundesweiten „Tag der Bibliotheken“, zu dem die Bücherei am Samstag, 24. Oktober, einlädt. Seit 1995 wird er jährlich begangen, um auf die Bedeutung der rund 8.000 Bibliotheken in Deutschland aufmerksam zu machen. Um 11 Uhr beginnt „Hooked on a Book“, von 13.30 bis 16 Uhr heißt es für Familien mit Kindern ab drei Jahren „Total verspielt – Spiele spielen und gestalten“. Von 16.30 bis 18.15 Uhr lädt das Gesprächsformat „Sprechen & Zuhören“ Jugendliche und Erwachsene ein, sich über das Thema Heimat auszutauschen. Die Ausstellung ist ebenfalls zu sehen.