Archäologen finden römisches Fort in Wales – und könnten damit eine jahrhundertealte Legende beweisen
Römisches Militärlager in Wales entdeckt – Mittelalterliche Legende könnte wahr sein
Stand: 13.10.2026, 14:22 Uhr
Kommentare

Archäologen haben in Pembrokeshire die Überreste eines römischen Forts gefunden, das Platz für etwa 500 Soldaten bot.
Pembrokeshire – Archäologen haben in Wales ein bislang unbekanntes römisches Militärlager entdeckt. Die Überreste liegen in der Nähe des Hügels Frenni Fawr in Pembrokeshire, etwa dreieinhalb Kilometer südwestlich des 395 Meter hohen Gipfels. Der Fund könnte eine mittelalterliche Überlieferung bestätigen, nach der Kaiser Magnus Maximus dort mit seiner Armee lagerte, berichtet The Guardian.
Entdeckt wurde die Anlage von Dr. Mark Merrony von der Universität Oxford. Der Archäologe erkannte zunächst auf Satellitenbildern die Umrisse einer Befestigung in einem überwucherten Feld. Bei einer anschließenden Begehung fand er eine römische Ziegelplatte. Daraufhin begannen gezielte Ausgrabungen, die von der Universität Oxford und durch Crowdfunding finanziert wurden.
Spuren römischer Soldaten
Das Fort ist etwa 180 Meter lang und 150 Meter breit. Es liegt auf einem Hangvorsprung mit weitem Blick über die umliegende Landschaft. Nach Einschätzung der Forscher könnte dort eine Garnison von rund 500 Soldaten stationiert gewesen sein, so 20 Minuten.
Bei den Ausgrabungen entdeckte das Team unter anderem einen ungewöhnlichen Eisenstift, zahlreiche Keramikfragmente und große Mengen römischer Ziegel. Hinzu kommen ausgedehnte, verdichtete Lehmböden, wie sie für römische Militäranlagen typisch sind. Erhaltene Wagenspuren deuten darauf hin, dass Versorgungskarren regelmäßig das Lager erreichten und wieder verließen. Auch die freigelegten Fundamente und Bodenschichten sprechen eher für einen länger genutzten Militärposten als für ein vorübergehendes Marschlager.
Münzen aus dem vierten Jahrhundert
Besonders bedeutsam sind Münzen aus dem späten vierten Jahrhundert. Sie liefern Hinweise darauf, wann die Anlage genutzt wurde, und könnten das Fort mit der Zeit von Magnus Maximus verbinden. Merrony, der auf die römisch-britische Geschichte spezialisiert ist, begann 2024 mit den Untersuchungen. Bereits die ersten Sondierungen lieferten Funde, die auf einen römischen Militärstandort hindeuteten.
„Wenn Magnus Maximus dort war, muss dort eine Armee gewesen sein“, sagte der Archäologe laut Guardian. Der Fund könnte helfen, ein seit Jahrhunderten bestehendes Rätsel um den Schauplatz einer walisischen Legende zu lösen.
Kaiser in walisischer Legende
Die Geschichte stammt aus dem Mabinogion, einer Sammlung mittelalterlicher walisischer Erzählungen. Darin findet sich die Geschichte Der Traum von Macsen Wledig. Macsen Wledig ist der walisische Name für Kaiser Magnus Maximus. Der Überlieferung zufolge schlug der Kaiser unterhalb des Frenni Fawr sein Lager auf. Während einer Jagd bestieg er den Gipfel und träumte von einer Frau aus Wales, in die er sich verliebte. Nach einer langen Suche fand er sie und heiratete sie.
Maximus blieb der Erzählung nach so lange bei seiner Frau, dass er seine kaiserliche Herrschaft verlor. Später gewann er sie mithilfe ihrer Brüder zurück. Als Dank soll er ihnen ermöglicht haben, in Nordfrankreich Ländereien an sich zu bringen.
Legende und Wirklichkeit
Die Entdeckung des Forts kann nicht bestätigen, dass sich alle Ereignisse der mittelalterlichen Erzählung tatsächlich zugetragen haben. Insbesondere die späteren Teile der Geschichte lassen sich durch den Fund nicht überprüfen. Die Ausgrabungen liefern jedoch erstmals konkrete archäologische Hinweise auf ein römisches Militärlager in genau jener Gegend, die in der Überlieferung genannt wird.
Für Merrony ist dies ein wichtiger Ansatzpunkt, um den historischen Hintergrund der Legende zu untersuchen. Die Kombination aus baulichen Überresten und datierbaren Fundstücken ermöglicht es, die geografischen Angaben der mittelalterlichen Erzählung mit archäologischen Befunden zu vergleichen. (Redaktion)