„Unterkühlung eines der größten Risiken“: Extremschwimmer wagt verrückten Weltrekordversuch
Rosenheimer Extremschwimmer macht aus Servietten-Satz verrückten Weltrekordversuch
Stand: 25.07.2026, 07:00 Uhr
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Die Zahlen lesen sich unglaublich: 350 Kilometer schwimmen in lediglich 72 Stunden. Extremathlet Marinus Obermair im exklusiven Interview.
Passau – Marinus Obermair hat schon mehrfach die gefühlten Grenzen des Machbaren überschritten. Nun will der 23-Jährige in nur 72 Stunden insgesamt 350 Kilometer schwimmen – von Passau bis nach Bratislava. Im Interview mit Home of Sports verrät der Rosenheimer, was ihn dazu bewogen hat, warum Sophia Thomalla ihn anspornt und was er nach dem Mammutprojekt als Erstes machen möchte.

350 Kilometer schwimmen (!), quasi am Stück: Wie kommt man auf so eine Idee?
Ich war damals drei Jahre alt. Mein Vater hat an der Donau ein Papierboot aus einer Serviette gefaltet, ins Wasser gesetzt, und ich habe gefragt, wo das wohl hinschwimmt. Seine Antwort: „Einmal ganz durch Österreich.“ Der Satz hat sich bei mir festgesetzt. Fast 20 Jahre später mache ich daraus jetzt meinen Weltrekordversuch, zusammen mit yfood. Manche Ideen muss man einfach zu Ende denken.
Sind Sie der Arda Saatci des Wassers? Hatten Sie mal Kontakt?
Puh, das müssen andere beurteilen, aber auf jeden Fall ein schmeichelhafter Vergleich. Diese Energie, einfach loszulegen und durchzuziehen, verbindet uns bestimmt. Kontakt hatten wir bisher noch keinen, aber vielleicht ergibt sich da mal was. Ich würde mich auf jeden Fall freuen.
Wie bereitet man sich auf diese Mammut-Strecke samt Strömungen oder aber Sogwirkungen vor?
Monate im Wasser. Ausdauer aufbauen, Kälte gewöhnen und mit Leuten trainieren, die die Donau und ihre Tücken kennen. Die mentale Vorbereitung auf Schlafmangel und Co. ist natürlich genauso wichtig.
Was stellt die größte Herausforderung dar?
Das Weitermachen, wenn Körper und Kopf eigentlich schon aufhören wollen. Schlafentzug, Schmerzen, der ganze Kram im Kopf. Das ist die eigentliche Strecke.
Nachts könnte es sehr kalt werden, besonders zum Start rund um Passau: Haben Sie dafür besondere Vorkehrungen getroffen?
Definitiv. Der Neoprenanzug ist Pflicht, dazu Kälteanpassung im Training über Monate. Und auf dem Begleitboot warten Decken und Verpflegung für die Pausen. Unterkühlung ist eines der größten Risiken dabei.
Was bedeuten Ihnen die prominenten Kilometer-Paten an der Seite? Sophia Thomalla wird dabei sein, auch Joey Kelly übernimmt einen Abschnitt und hat in der Vorbereitung geholfen.
Extrem viel. Ich schwimme die Strecke allein, aber ich bin auf keinem einzigen Kilometer wirklich allein. Sophia und Joey stehen beide für einen eigenen Abschnitt und Joey hat mich sogar aktiv in der Vorbereitung unterstützt. Das sind Leute, die genau das gleiche „Make-a-Move“-Mindset wie ich haben – und genau das brauche ich an den Tagen, an denen ich vielleicht selbst nicht mehr daran glaube.
Freiwasserschwimmer Christof Wandratsch schwärmte einst von „Schiffswracks auf dem Meeresgrund“, als er durch den Atlantik schwamm: Erwarten Sie ähnliche „Sehenswürdigkeiten“ auf Ihrer Strecke?
Die Donau hat sicher ihre eigenen Geheimnisse, aber ich rechne eher mit Sandbänken, Buhnenfeldern und ganz viel trübem Wasser als mit spektakulären Wracks.
Kann man das überhaupt wahrnehmen, geschweige denn genießen?
Ehrlich – eher nein. Bei der Sicht in der Donau und dem Tempo, in dem ich unterwegs bin, ist Sightseeing nicht wirklich drin. Was ich wahrnehme, ist eher Kälte, Atmung, nächster Meter.
Apropos genießen: Welche Belohnung wartet im Ziel auf Sie? Erst einmal eine Pizza?
Erstmal ein richtig langer Schlaf. Nach 72 Stunden im Wasser freue ich mich darauf vermutlich am meisten.
Mit Ihrem Rekordversuch werden Spenden für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gesammelt. Was bedeutet Ihnen dieses Projekt?
Richtig viel. Ich weiß selbst, wie sehr mentale Stärke am Ende über alles entscheidet – bei mir im Wasser genauso wie im echten Leben. Wenn mein Rekordversuch dazu beiträgt, dass Kids und Jugendliche die Unterstützung bekommen, die sie für ihre psychische Gesundheit benötigen, dann macht es das Ganze noch einmal bedeutender für mich. (rele)