Router aus China: Warum Fritz! ein Verbot fordert
In jeder Minute schließt der Marktführer Deutsche Telekom sieben deutsche Haushalte an das Glasfasernetz an. Wer auf der Datenautobahn rasch vorankommen will, muss sich zusätzlich um einiges kümmern. Unter anderem ist ein neuer Router zu beschaffen, sonst herrscht zu Hause Funkstille. Viele Menschen sind bequem und bestellen mit dem Anschluss auch das dafür notwendige Gerät. Die Router freilich baut die Telekom genauso wenig selbst wie die Deutsche Post früher die Telefone mit Wählscheibe. Nur kamen Letztere von Siemens, die Router hingegen zu einem guten Teil aus China.
In einer idealen Welt, sprich einer friedlichen, wäre das kein Problem, sondern die klügste Entscheidung, denn selbst der wichtigste Wettbewerber in Deutschland gibt zu, dass die Herstellkosten in China um fünf Euro je Gerät geringer ausfallen.
Mehr Transparenz würde schon helfen
Und doch: Es hinterlässt zumindest ein mulmiges Gefühl, den kompletten Datenverkehr zu Hause über chinesische Technik abzuwickeln. Überdies können Router nicht nur gekapert werden, um Informationen abzusaugen, sondern auch, um Netzwerke für Cyberangriffe zu bilden. Ob Krankenhäuser oder Stromversorger einer koordinierten Attacke Hunderttausender Router gewachsen wären? Die Vereinigten Staaten haben schon entschieden. Im Ausland produzierte Router sind dort vom Markt ausgeschlossen worden. Europäische Anbieter, allen voran Fritz, fordern die EU-Kommission auf, ähnlich zu handeln.
Uneigennützig sind Rufe nach protektionistischen Maßnahmen nie, deshalb sollte man nicht angesichts jedes Schreckensbildes zusammenzucken. Wie hoch die Gefahr genau ist und wie sie sich am besten abwehren lässt, können ohnehin nur Experten beurteilen. Zudem kann niemand seriös beantworten, ob die Fähigkeit, Sicherheitslücken durch Künstlichen Intelligenz rasch aufzudecken, eher dem Angreifer oder dem Verteidiger hilft. Wer für sich oder sein Unternehmen auf maximale Sicherheit setzt, greift im Zweifelsfall zu einem in Europa gefertigten Gerät. Nur ist das leider nicht immer zu erkennen. Wer im Internet einen glasfasertauglichen Router bestellt, bekommt vorgegaukelt, der Hersteller hieße Deutsche Telekom und säße in Bonn. Hier für mehr Transparenz zu sorgen, wäre auf jeden Fall eine Aufgabe der Politik.