Rückgang von Arktis-Meereis schreitet doch weiter voran


Eisbär läuft auf länglicher Eisscholle mit einer Art Pfütze in der Mitte, auf blauem Wasser

AUDIO: Arktisches Meereis: Wieder deutlicher Rückgang (1 Min)

Klimawandel in der Arktis

Stand: 20.07.2026 21:00 Uhr

Die Arktis ist die Region auf der Erde, die sich am schnellsten erwärmt – trotzdem sah es fast so aus, als hätte sich der Rückgang des Meereises in diesem Jahrzehnt verlangsamt. Dem ist wohl doch nicht so.

von MDR WISSEN/flo

Das zarte Aufatmen war nur von kurzer Dauer: In der Arktis kann von einer Pause beim winterlichen Meereisrückgang keine Rede mehr sein. Zu diesem Ergebnis kommen britische Forschende in einer neuen Analyse im Fachblatt PNAS, insbesondere mit Blick auf die Meereisausdehnung in den Wintern 2025 und 2026.

Durch die in diesen Jahren niedrigste und zweitniedrigste Meereisausdehnung seit Beginn der Satellitenmessungen würde sich der jahrzehntelange Rückgang des Meereises in der Nordpolarregion fortsetzen, erklären die Forschenden. Allein der Rückgang der Ausdehnung zwischen 2024 und 2025 – immerhin fast sechs Prozent – sei der größte jemals gemessene.

Meereis-Rückgang: Verschnaufpause in den 2020ern Teil der natürlichen Schwankungen

Die zwischenzeitliche Pause vom langjährigen Rückgang Anfang der 2020er sei damit Teil der natürlichen Schwankungen, erklären die Forschenden. Klimamodelle würden zudem zeigen, dass der starke Rückgang in der Saison 2025 durchaus ungewöhnlich war, jedoch nach wie vor im erwartbaren Rahmen lag.

Der Rückgang der winterlichen Meereis-Ausdehnung geht nicht mit einem steigenden Meeresspiegel einher, führt jedoch dazu, dass sich die Region abermals stärker erwärmt, da die Reflexion der Sonnenstrahlung auf der hellen Eisoberfläche weniger umfangreich ausfällt. In Europa steht fehlendes Meereis zudem mit Extremwetter wie starken Schneefällen in Verbindung. Durch die fehlende Meereisabdeckung entsteht eine höhere Verdunstung und mehr Feuchtigkeit, die mit den Luftmassen nach Süden transportiert werden kann.