Zuerst die gute oder die schlechte Nachricht?
Saisoneröffnung bei Hertha BSC
Zuerst die gute oder die schlechte Nachricht?
Von
Antonia Hennigs
Es ist heiß im Olympiapark am Sonntagvormittag. Richtig heiß. Und es dauert nur wenige Minuten, bis es auch richtig voll ist. Hunderte Fans strömen auf das Gelände an der Hanns-Braun-Straße und machen es sich auf Bierbänken gemütlich oder schlendern entlang der vielen Buden.
Kulinarische Angebote, wohin das Auge reicht, Stände voller Fan-Artikel, Hertha-Sticker, Jutebeutel, die besprayt werden. Auch um einen Blick in den Mannschaftsbus zu werfen, stehen die Fans bereits an.
Saisoneröffnung als Stimmungaufheller
Die Stimmung wirkt gelöst, die Gesichter frei von den Sorgen über die nächste Saison, die noch so viele Fragezeichen aufwirft. Das sommerliche Fest erfüllt damit genau seinen Zweck, findet Fan Vincent: "Hier schöpft man neue Hoffnung", verrät er, denn der Schein der Unbekümmertheit trügt. "Ich hab' keine Ansprüche mehr", sagt er nüchtern. An den Aufstieg sowieso nicht, aber auch an Hertha insgesamt nicht.
Alles anders nach einem Jahr
Vor genau einem Jahr rief Präsident Fabian Drescher hier das Ziel Doppelaufstieg aus. Die Frauen hielten sich dran, die Männer hatten am Ende nichts mit dem Aufstieg zu tun. Heute fehlt Drescher bei der Saisoneröffnung, aber Geschäftsführer Peter Görlich betritt um kurz vor 11 Uhr die kleine Bühne auf dem Rasen vor der Friedrich-Friesen-Allee.
Er spricht von einer gemeinsamen Reise von Fans und Verein, einer Reise, die länger als ein Jahr dauert, einer Reise, auf der es auch mal regnet. "Wir müssen daran glauben, dass die Strategie greift", spricht er ins Mikrofon, und verspricht: "Wir haben einen klaren Plan."
Aber mit dem Glauben ist das so eine Sache, findet Hertha-Anhänger Dirk. "Es ist schwer zu vertrauen, weil wir in den letzten Jahren immer weiter die Treppe runtergegangen sind, anstatt hoch." Deshalb empfindet er – anders als in den letzten Jahren - heute auch keinen "Hype". Seine Prognose für die Saison? "Wir werden definitiv hinten reinrutschen."
Viele neue Gesichter
Nach knapp drei Minuten sind die Reise-Metaphern von Görlich langsam ausgeschöpft und die Spieler nähern sich der Bühne. Fans jubeln, applaudieren und rufen "HaHoHe". Ein Spieler nach dem anderen betritt die Bühne, winkt in die Menge und springt auf der anderen Seite schnell wieder runter, um in Richtung Autogramm-Bereich zu verschwinden.
Die Menge wird am lautesten als Deyovaisio Zeefuik begrüßt wird, es bleibt unangenehm leise als Jugendspieler wie Niklas Hildebrandt, Janne Berner oder Jelani Ndi auf die Bühne gerufen werden. Namen und Gesichter, die viele Fans noch nicht verinnerlicht haben, auf die aber gesetzt wird.
Ist der "Berliner Weg" genug?
"Die erzählen uns ja immer, dass der Nachwuchs gut ist", zuckt Hertha-Anhängerin Christa mit den Schultern. Und es spare ja auch Geld, sie findet den Ansatz also gut. Fan Daniel wiederum ist besorgt: "Nur mit der Jugend geht’s auch nicht. 'Berliner Weg' hin oder her."
Offenbar auch nicht ganz frei von Sorge ist Mittelfeldspieler Paul Seguin. "Wir werden versuchen, alle ruhig zu bleiben", sagt er im kurzen Gespräch auf der Bühne. Die aktuell kleine Gruppe habe natürlich auch Vorteile im Training, aber "eine Achse" brauche man schon.
Auch Seguin setzt sich daraufhin an seinen zugewiesenen Tisch im Autogramm-Bereich und beginnt, Fan-Artikel und Trikots zu unterschreiben, Fotos zu machen und mit den Herthanern zu quatschen. Die Schlange zum Autogramm-Bereich scheint kein Ende zu nehmen, liegt aber zumindest größtenteils im Schatten.
Ohne Erwartungen auch keine Enttäuschung
Hertha hat als einziger deutscher Profiklub noch immer keinen Neuzugang präsentiert und Trainer Stefan Leitl sprach vor wenigen Tagen von Positionen im Kader, bei denen "ein Vakuum" herrscht. Das Ziel sei es, diese zunächst mal zu schließen.
Vielleicht bis zur Abreise ins Trainingslager am Freitag, denn hier auf dem Olympiagelände ist nun zumindest auch klar: Heute wird kein Vakuum geschlossen. Ein Neuzugang hätte eine elektrisierende Überraschung sein können, doch sie bleibt aus.
Der Duft von Bratwurst in der Luft macht vieles wett, aber die Frage, unter welchem Motto diese Saison jetzt eigentlich steht, stellt sich weiterhin. Die Erwartungen wurden jedenfalls zurückgeschraubt, das wird ganz deutlich: "Ich hoffe, wir bleiben einfach in der 2. Liga", sagt Lotta. Und Freundin Marika ist "optimistisch, dass wir die Klasse halten."
Ein Tag, der besänftigt?
Die gute Nachricht ist also: Für Tausende Menschen ist die Saisoneröffnung ein Highlight, um sich Hertha nahezufühlen, um das Gefühl von Gemeinschaft aufzusaugen und der sich zurückhaltenden Vorfreude einen kleinen Schubs zu geben.
Die schlechte Nachricht ist: Auch heute gibt es keine neue Erkenntnis. Nichts, an das sich die Fans klammern können.
Mit jedem Tag, der vergeht, wird es schwieriger für die Mannschaft, eine Einheit zu bilden und sich einzuspielen. Zumal es ja nicht unwahrscheinlich ist, dass auch noch weitere Spieler den Verein verlassen werden. Und bei der Rückkehr aus dem Trainingslager in Kitzbühel sind es dann nur noch weniger als zwei Wochen bis zum ersten Saisonspiel in Bochum.
Sendung: rbb|24, 12.07.2026, 17:41 Uhr
Audio: rbb|24, 12.07.2026, Antonia Hennigs
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