Saisongärten in Babenhausen laufen trotz Tegut-Rückzug weiter
Stand: 01.08.2026, 06:00 Uhr
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Tegut beendet nach der laufenden Saison deutschlandweit alle 20 Kooperationen mit Saisongärten. In Babenhausen führt Landwirtin Kirsten Kummetat-Rottstedt ihr Projekt trotzdem fort.
Babenhausen – Wer auf 42 Quadratmetern wohnt, lebt relativ beengt. Wer auf 42 Quadratmetern gärtnert, schätzt dieselbe Fläche ganz anders ein. Vor allem dann, wenn die Ernte ansteht. Denn 42 Quadratmeter Gemüsegarten können eine sehr große Menge an Feldfrüchten hervorbringen.

Auch die Saisongärtner in Babenhausen haben diese Erfahrung gemacht. Als sie auf dem Gelände von Bio-Landwirtin Kirsten Kummetat-Rottstedt vor vier Jahren die erste Gartenparzelle mieteten, ertranken sie fast in der reichen Fülle an verschiedensten Gemüsesorten. Obendrein wurde vieles zur gleichen Zeit reif. „Wir haben deshalb die Parzellen verkleinert. Heute können Gärtnerinnen und Gärtner Flächen von 18 oder 27 Quadratmetern bewirtschaften“, sagt Kirsten Kummetat-Rottstedt.
Anbau praktisch vor der eigenen Haustür
Im vierten Saisongartenjahr hat sie acht Parzellen vermietet. Nach dem Tag des offenen Gartens am vergangenen Wochenende konnte Kummetat-Rottstedt bereits einige neue Gartenfreunde für die nächste Saison willkommen heißen. Das Konzept funktioniert, die Gartenanteile sind gefragt und inzwischen hat sich eine Gemeinschaft entwickelt, die sich hilft, Rezepte austauscht und die Freude des Gärtnerns und Erntens gemeinsam erlebt.
In Saisongärten sollen Menschen, die zu Hause keine entsprechende Möglichkeit haben, ihr eigenes Gemüse ziehen können. Dazu mieten sie für eine Saison, von April bis Oktober, eine Gartenparzelle, die Kirsten Kummetat-Rottstedt vorbereitet. Jede Parzelle hat eine Art Grundsortiment an Gemüsesorten und Kräutern. Nach den Wünschen der Gärtner kann das Sortiment ergänzt werden.
Wöchentliche Ackersprechstunden helfen vorwiegend den noch unerfahrenen Gärtnern dabei, Probleme zu bewältigen, die naturgemäß auftauchen. Denn nicht nur dem Menschen schmecken die Biogemüse. Auch Schädlinge haben Gefallen an Bohnen und Tomaten, Gurken und Zucchini. Da die Saisongärten ökologisch bewirtschaftet werden, sind mineralische Kunstdünger und chemische Schädlingsbekämpfung ausgeschlossen. Das hatte Tegut als Ideengeber und Kooperationspartner für die Landwirte und ihre Gärten von Anfang an zur Bedingung gemacht.
Moment – Tegut. War da nicht was? Richtig: Der Tegut-Eigentümer, das Schweizer Unternehmen Migros, wird bis Ende dieses Jahres alle Tegut-Märkte in Deutschland aufgeben. Die großen Supermärkte in attraktiver Lage wollen Edeka und Rewe übernehmen, kleinere Märkte auf dem Land werden teilweise von der Genossenschaft Tante Enso weitergeführt. Doch was wird aus den Saisongärten?
„Aktuell bestehen deutschlandweit 20 Kooperationen. Wir haben unsere Partnerinnen und Partner bereits darüber informiert, dass wir das Programm nach der laufenden Saison beenden werden“, antwortet die Pressestelle des Unternehmens auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die aktuelle Gartensaison können die Teilnehmenden selbstverständlich wie gewohnt zu Ende bringen.“

Weiter heißt es: „Seit 2009 bauen wir mit den Saisongärten eine Brücke zwischen den Menschen, unseren Kundinnen und Kunden und der Landwirtschaft – gestartet als Projekt ,GemüseSelbstErnte‘. Über Kooperationsverträge mit den Landwirtinnen und Landwirten sowie den Anbietern der einzelnen Standorte schaffen wir Verbindlichkeit zwischen allen Beteiligten. Für alle Standorte gilt verbindlich die Einhaltung der EU-Öko-Verordnungen (834/2007 und 889/2008); biozertifizierte Standorte werden regelmäßig von ihren Bio-Kontrollstellen geprüft. 2013/2014 wurde die Initiative zudem als offizielles Projekt der UN-Weltdekade ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung‘ ausgezeichnet.“
Auch Kirsten Kummetat-Rottstedt ist Kooperationspartnerin. Sie habe die Zusammenarbeit und die Unterstützung durch Tegut sehr geschätzt, primär in der Anfangsphase. „Inzwischen stehen wir auf eigenen Füßen und werden die Saisongärten auch ohne Kooperation mit Tegut weiterführen.“ Ihr Saisongartenangebot in Babenhausen bleibt also bestehen, sodass Hobbygärtner auch in Zukunft gesundes und schmackhaftes Gemüse praktisch vor der Haustür anbauen können.