Geburtstagsparty: Scharfe Kritik nach Schröders Putin-Besuch
Geburtstagsparty
Der ehemalige deutsche Kanzler Gerhard Schröder hat diese Woche Russlands Präsidenten Wladimir Putin anlässlich dessen Geburtstages besucht. Die Kritik daran fällt scharf aus: Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich „zutiefst empört“, die Grünen und die FDP bezeichneten den Besuch als „Schande“. Aus den eigenen Reihen gab es neben Kritik auch Rückendeckung für den SPD-Altkanzler.
Online seit heute, 14.08 Uhr
(Update: 14.39 Uhr)
Putin hatte an seinem 74. Geburtstag am Mittwoch Schröder, der als sein persönlicher Freund gilt, bei sich zu Hause empfangen. Wie der Kreml mitteilte, habe Putin aus den Medien erfahren, dass sich Schröder „geschäftlich in Moskau aufhielt“, und „seinen alten Freund“ eingeladen. Der Kreml veröffentlichte Fotos, auf denen die beiden Männer einander lächelnd die Hände schütteln.
Merz habe mit scharfer Kritik auf das Treffen reagiert, sagte Vizeregierungssprecher Steffen Meyer am Freitag in Berlin. „Putin allein“ sei für den Krieg in der Ukraine verantwortlich, und seine Befehle sorgten täglich für „unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete“.
Klingbeil: „Völlig inakzeptabel“
Merz empfinde es vor diesem Hintergrund „als geradezu unmoralisch“, dass Schröder gemeinsam mit Putin feiere. Den Angaben der jeweiligen Ministerien zufolge waren im Vorfeld des Besuchs weder das Auswärtige Amt noch die deutsche Botschaft in Russland noch das Innenministerium über den Besuch informiert.
Dieser Besuch sei „völlig inakzeptabel“, sagte auch SPD-Parteichef Lars Klingbeil der „Süddeutschen Zeitung“. „Russland führt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine und hat unermessliches Leid über die Menschen dort gebracht“, fügte der Finanzminister hinzu.
„Verrat an Europa“
Die grüne Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichneten den Besuch als Schande. Göring-Eckardt schrieb zu Schröders Besuch bei Putin auf der Plattform X: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“
Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands „frechsten Rentner“. „Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.“ 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung „Nord Stream 2“ mehrfach wegen einer Burn-out-Erkrankung abgesagt.
Russische Medien hatten in der vergangenen Woche berichtet, dass der 82-jährige Schröder, der seit Langem Verbindungen zu Putin pflegt, in den Aufsichtsrat von Hyperglobus berufen worden sei. Die russische Supermarktkette gehörte früher zum deutschen Globus-Konzern.
SPD-Politiker verteidigt Schröder
Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner sagte hingegen dem „Tagesspiegel“, man müsse „in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen.“ Stegner fügte hinzu: „Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg."
Schröder sei einer der wenigen Menschen, die Zugang zu Putin hätten. Diesen Zugang müsse man nutzen, sagte der Bundestagsabgeordnete. "Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: ‚Mach weiter mit dem Krieg!‘“, sagte Stegner weiter.
Kritik an möglicher Rolle als Vermittler
Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung waren Putins Äußerungen aber auf deutliche Skepsis gestoßen. Der russische Präsident hatte die großangelegte Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 befohlen – und hat seine Kriegsziele bisher nicht erreicht.
Schröder war von 1998 bis 2005 deutscher Bundeskanzler. Er war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange für russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gasprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb; die Bundesregierung unter dem damaligen deutschen Kanzler Olaf Scholz (SPD) gab keine Betriebsgenehmigung.
Selenskyj: Russischer Angriff als „Geburtstagsgeschenk“
Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, hatte Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten allein an dem Tag und bezeichnete den Angriff als ein „Geburtstagsgeschenk für Putin“.