Schauspieler Johannes Krisch 59-jährig gestorben


1966–2026

Schauspieler Johannes Krisch 59-jährig gestorben

Krisch kennt man unter anderem aus "SOKO Wien" und dem Film "Der Trafikant". Der Wiener war jahrelang Ensemblemitglied am Burgtheater und am Theater in der Josefstadt

Ein Mann mit Glatze und weißem Hemd stützt nachdenklich sein Gesicht mit der Hand. Der Hintergrund ist unscharf und zeigt Grünpflanzen.
Johannes Krisch war in zahlreichen Fernseh- und Filmproduktionen sowie auf großen Theaterbühnen zu sehen. Von 2021 bis 2023 leitete er die Raimundspiele Gutenstein.

Der Schauspieler Johannes Krisch ist am Montagfrüh in einem Wiener Spital im Alter von 59 Jahren gestorben. Das gab das Theater in der Josefstadt gegenüber der APA bekannt. Mit seinem markanten Auftreten und Gesicht hatte sich Krisch den Ruf als wesentlicher Charakterdarsteller des Landes erarbeitet, der sowohl auf der Bühne als auch im Film seine Wirkung entfalten konnte. Der Wiener war langjähriges Ensemblemitglied am Burgtheater und am Theater in der Josefstadt.

Erstmaliges Aufsehen erregte der am 8. Dezember 1966 in Wien geborene Krisch, der zunächst eine Tischlerlehre absolvierte, am damaligen Ensembletheater am Wiener Petersplatz. Claus Peymann holte den Schauspieler in der Folge 1989 an das Burgtheater, wo er viele Jahre erfolgreich tätig war. Es folgte der Wechsel zur Konkurrenz, dem Theater in der Josefstadt, wo er Erfolge feierte und zuletzt etwa als Karl Bockerer für eine Nestroy-Auszeichnung als bester Schauspieler nominiert war.

Theater, TV bis Netflix

Verloren gegangen ist an Krisch eine genuin voralpenländische Begabung – und man muss im selben Atemzug hinzufügen, dass er meisterhaft Landwirte zu verkörpern verstand, alpine Unruhegeister, die mit dem spröden Leder ihrer Hosen um die Wette knirschten. Mit jedem Auftritt Krischs bemächtigte sich im Handumdrehen eine Stimmung des Umsturzes der Szene. Dieser Schauspieler gehörte in die rare, kostbare Reihe heimischer Aufrührer, die jeder Herrlichkeit auf Erden – ob sie nun von William Shakespeare oder bloß von einem untröstlichen Träumer wie Ferdinand Raimund gestiftet worden sei – ihr Misstrauen aussprechen, und zwar ihr entschiedenes. Der Darsteller Krisch war nie auf Versöhnung aus.

Noch der "späte" Krisch, der als Theaterschauspieler in der Josefstadt so etwas wie Heimat gefunden hatte, wusste einem aufrechten Gemütsmenschen wie dem Wiener Bockerer ein Hängen und Würgen mit auf den Weg zu geben: ein grämliches Nicht-Einverständnis mit einer Welt, die so etwas abgrundtief Infames wie den Hitler-Faschismus überhaupt möglich gemacht hat und ihn zulässt. Die Sprache der Büttel und Leuteschinder, die er zumeist auf der Burgtheater-Bühne darzustellen hatte, trug er auf der Zungenspitze: Mit der Zunge ging er gleichsam gegen die gefletschten Zähne vor. Dann überwand er deren Doppelspalier. Mit aller Macht spie er seine Verachtung aus und strafte Verhältnisse, die kummervoll schlecht eingerichtet sind, mit Hohn und Verachtung.

Zärtlicher Humanist

Johannes Krisch war wie alle "Harten" ein die Menschen zärtlich liebender Humanist. Er konnte den vor Lebenslust Überschäumenden geben, und blieb doch selbstverständlich der Anwalt all der Gedemütigten und Gepeinigten, deren die Theaterliteratur voll ist. Krisch konnte köstlichstes Liebesglück mimen und im selben Augenblick die Pein zu wissen, dass dies alles im nächsten Augenblick aus und perdu ist. Krisch, der ebenso zu schnarren verstand wie zu schnurren, hat viel zu wenig Nestroy gespielt. Peymann hatte ihn in den 1990ern entdeckt, und er war sofort ein Romeo, der seiner Liebe wie der Atemluft zu bedürfen schien, und dem sie doch nicht geheuer war. Ein zäher Widerständler, ein Trotzkopf, ein auf Erlösung erpichter (Vor-)Alpengeist.

Zugleich gehörte Krisch zur raren Kategorie jener Darsteller, deren Charisma auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ebenso zum Tragen kam wie auf der Kinoleinwand. In Götz Spielmanns oscarnominiertem Revanche brillierte er 2008 ebenso wie in Adrian Goigingers Epos Märzengrund (2022). Er war in Peter Patzaks Kottan-Revival Kottan ermittelt: Rien ne va plus 2010 der Paul Schremser und in Nikolaus Leytners Seethaler-Verfilmung Der Trafikant die aufrechte Titelfigur. Auch in Elisabeth Scharangs Literaturadaption Wald war Krisch zu erleben.

Schwarz-Weiß-Porträt eines Mannes auf der Bühne. Er trägt einen Anzug und hält ein Mikrofon in der rechten Hand. Mit der linken Hand hält er seine Ohrmuschel, als ob er den Klang besser hören möchte. Hintergrund dunkel gehalten.
Johannes Krisch beim "Falco Tribute"-Konzert 2025 im Rahmen des Wienliebe-Festival am Rathausplatz Wien.

Aber auch im Fernsehen war der Schauspieler erfolgreich und in David Schalkos Serie Braunschlag 2012 ebenso mit von der Partie wie regelmäßiger Gast im Tatort, bei Soko Donau, den Toten vom Bodensee oder in den Netflix-Koproduktionen Vienna Blood und Freud. Und schließlich war der umtriebige Künstler auch als Sänger tätig, der 2003 mit Mirrors eine Lou-Reed-Hommage veröffentlichte.

Nie bequem gemacht

Zutrefrend umschrieb die Diagonale-Jury 2017 Krischs Ingenium: Er lote "die Grenzen als Künstler aus und ist bereit, sie zu übertreten – mit Liebe, mit Leidenschaft und mit einer großen Vielfalt an schauspielerischem Können", hieß es in der Begründung damals.

Die Diagonale war dabei beileibe nicht die einzige Institution, die Krisch für seine Arbeit würdigte. Beim Österreichischen Filmpreis 2016 wurde er für seine Deutung von Jack Unterweger in Elisabeth Scharangs Jack als bester männlicher Darsteller ausgezeichnet. Und 2017 wurde Johannes Krisch der Berufstitel des Kammerschauspielers verliehen.

Zugleich war der gebürtige Wiener schon länger von gesundheitlichen Problemen geplagt. So hatte er 2012 bei einer Premiere in Berlin einen Bühnenunfall erlitten, als er aufgrund einer fehlenden Treppe knapp zwei Meter in die Tiefe stürzte und sich eine Wirbelverletzung sowie einen Riss im Zwerchfell zuzog. Und 2023 hatte Johannes Krisch sowohl seine Hauptrolle in Peter Turrinis Uraufführung Es muss geschieden sein als auch die Intendanz bei den Raimundspielen Gutenstein zurücklegen müssen. Nun hat einer der großen Schauspieler des Landes im Alter von 59 Jahren die Bühne für immer verlassen.

Herbert Föttinger, langjähriger Direktor des Theaters in der Josefstadt, würdigte Krisch als "einen der deutendsten Schauspieler seiner Generation". Krisch habe das Josefstadt-Ensemble "mit seiner unverwechselbaren Persönlichkeit, seiner Intensität und seiner Wahrhaftigkeit geprägt. (APA, poh, 27.07.2026)

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