Sonnenstoren abgebaut: Mieter wehren sich gegen Verwaltung


Publiziert6. August 2026, 08:19

GenfSchimmel und Kakerlaken – dann werden auch noch Storen abgebaut

Schimmel, Gestank und Ungeziefer belasten Mieter in einem Wohnblock in Genf seit Jahren. Kurz vor der Hitzewelle liess die Verwaltung zudem die Sonnenstoren abbauen.

Milena Michoud

Darum gehts

Schimmel an den Wänden, Kakerlaken und ein beissender Gestank: Die Bewohner eines Wohnhauses im Genfer Quartier Acacias berichten von unhaltbaren Zuständen. Und ausgerechnet kurz vor der Hitzewelle liess die Verwaltung zudem die Sonnenstoren auf den Balkonen abbauen. Einige Mieter vermuten inzwischen sogar, sie sollten damit aus dem Gebäude gedrängt werden.

«Es passiert so viel, dass man irgendwann den Überblick verliert», sagt ein Mieter. Ein Problem reihe sich an das nächste. In mehreren Wohnungen lösten sich Wandverkleidungen. Küchen und Badezimmer riechen laut den Bewohnern regelmässig nach Abwasser. Verstopfte Leitungen und schlechte Belüftung gehörten seit Jahren zum Alltag im Wohnblock. Ungeziefer wie Kakerlaken breiteten sich aus.

Schimmel breitet sich aus

Hinzu komme die Feuchtigkeit. Wegen der mangelhaften Isolation bilde sich Schimmel, der sich teilweise bis ins Wohn- oder Schlafzimmer ausbreite.

Auch die Balkone bereiten Ärger. Die Netze gegen Tauben seien vielerorts beschädigt. Eine Mieterin sagt, sie habe die Verwaltung darauf hingewiesen. Diese habe ihr geantwortet, die Netze seien bei der Wohnungsübergabe nicht Teil des Mietobjekts gewesen. Deshalb würden sie nicht ersetzt.

Nicht besser sieht es in den Gemeinschaftsbereichen aus. Die Treppen seien stellenweise so stark abgenutzt, dass die Eisenarmierung sichtbar werde. Der Lift falle laut den Bewohnern alle zwei bis drei Monate aus. Und wenn er fährt, befinde sich darin immer wieder Abfall, Urin oder sogar Exkremente.

«Ohne Storen kann man Balkone nicht nutzen»

Samira lebt in einem 23 Quadratmeter grossen Studio und bezahlt dafür nach eigenen Angaben 1163 Franken pro Monat. «Wenn ich die Wahl gehabt hätte, wäre ich nie hier eingezogen», sagt sie.

Kurz vor der Hitzewelle dann der nächste Ärger. Ende Mai kündigte die Verwaltung an, sämtliche Sonnenstoren auf den Balkonen abzubauen. Einige Bewohner widersetzten sich. Andere spannten provisorische Sonnenschutze auf. «Ohne die Storen kann man den Balkon nicht mehr nutzen», sagen sie. Inzwischen haben sich mehrere Mieter zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie ihren Forderungen mehr Gewicht verleihen.

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Ja, ich hatte nie Probleme.

Könnte besser sein.

Nein, überhaupt nicht.

Ich lebe in keinem Mietverhältnis.

Keine der Antworten passt für mich.

34 Grad in der Wohnung

Die Folgen treffen vor allem ältere Bewohner. David brachte seinen 78 Jahre alten Vater für einige Wochen nach Portugal. Dessen Wohnung werde nach einem Bettwanzenbefall saniert. Parkett, Tapeten, Sockelleisten und Vorhänge wurden entfernt und seien bis heute nicht ersetzt worden. Während der Arbeiten habe der Mann im Wohnzimmer leben müssen. Ohne Sonnenstoren stieg die Temperatur dort laut seinem Sohn auf 34 Grad.

Das Gebäude wurde 1957 von den Genfer Architekten Pierre Bussat und Jean Marc Lamunière gebaut und gilt als schützenswert. Einige Bewohner vermuten, dass notwendige Renovationen deshalb immer wieder hinausgeschoben werden. Christian Dandrès vom Mieterverband Asloca widerspricht. Der Schutzstatus erschwere Arbeiten zwar. Für Eigentümer gebe es in solchen Fällen aber Fördergelder.

Verwaltung will sich nicht äussern

Die Immobilienverwaltung Privera wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Sie beruft sich auf interne Kommunikationsrichtlinien, wonach sie sich ohne Zustimmung ihrer Auftraggeberin, der Grundeigentümerin Investis Properties, nicht gegenüber den Medien äussern dürfe. Investis Properties hat innerhalb der gesetzten Frist nicht auf eine Anfrage reagiert.

Mehrere Mieter wehren sich

Mehrere Mieter haben inzwischen Mängel gerügt oder ihren Mietzins hinterlegt. Einige fragen sich, ob das Haus bewusst vernachlässigt wird, damit die Bewohner ausziehen und später teurere Wohnungen gebaut werden können.

Der Mieterverband hält fest, dass Sonnenstoren Teil der Mietsache seien. Eigentümer müssten sie unterhalten und bei Bedarf ersetzen. Mieter könnten deshalb verlangen, dass sie wieder montiert werden. Für überhitzte Wohnungen sei die Rechtslage dagegen schwieriger. Anders als im Winter gebe es keine klaren Höchstwerte. Zudem dauerten entsprechende Verfahren oft länger als eine Hitzewelle.

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