(+) Nach 37 Jahren: Was jetzt mit Fische Schmidt passiert


Hamburg

Schluss nach 37 Jahren: Fischgastronom gibt seinen Laden auf

Fische Schmidt am Eppendorfer Baum : Frank „Fischi“ Tamaschke (61) hört auf und übergibt an Hummer Pedersen.
Florian Quandt

Frank „Fischi“ Tamaschke gibt sein Traditionsgeschäft am Eppendorfer Baum ab. Im Gespräch mit der MOPO erzählt er, wie aus einer Scherzfrage ein Verkauf wurde, warum er Hamburg verlässt und was sich für die Kunden ändert.

Eigentlich wollten sie über eine gemeinsame Veranstaltung sprechen. Doch am Ende des Gesprächs stellte Frank „Fischi“ Tamaschke seinem langjährigen Bekannten Karl Niehusen eine ganz andere Frage: „Willst du den Fischladen kaufen?“ Dessen Antwort: Ja, darüber habe er auch schon nachgedacht. So begann im März der Verkauf von Fische Schmidt am Eppendorfer Baum.

Nach 37 Jahren verabschiedet sich Tamaschke (61) zum Jahresende aus seinem Geschäft. Käufer ist der Hamburger Fischhändler Hummer Pedersen, dessen Geschäftsführer Karl Niehusen ist. Über den bevorstehenden Abschied hatte bereits das „Hamburger Abendblatt“ berichtet. Nun haben beide mit der MOPO über die Hintergründe und ihre Pläne gesprochen.

Fische Schmidt: So kam es zum überraschenden Verkauf

Gezielt nach einem Käufer gesucht habe er nicht, erzählt Tamaschke. Gedanken über seine Zukunft habe er sich aber schon seit einiger Zeit gemacht. Schließlich sei das Geschäft auch seine Altersvorsorge. Drei Tage vor dem Treffen mit Niehusen habe er seiner Frau gesagt, dass eigentlich nur Hummer Pedersen als Nachfolger infrage komme.

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Die beiden kennen sich seit rund 20 Jahren. Niehusen habe früher sogar bei Straßenfesten mitgeholfen. Für Tamaschke stand beim Verkauf eine Sache an erster Stelle: „Mir ist wichtig, dass mein Team übernommen wird. Das ist das Hauptwichtigste.“

Und genau das passiert. Die gesamte Belegschaft bleibt, bestätigt Niehusen der MOPO. „Die machen einen super Job“, sagt er. Auch an dem bisherigen Konzept will er zunächst nichts Grundlegendes verändern. Eine Neuerung sollen die Kunden allerdings schon bald bemerken: Das Sortiment wird größer.

Durch seinen Großhandel könne er deutlich mehr Fischsorten anbieten. Was Tamaschke mangels Absatz nicht verkaufen konnte, lässt sich bei Hummer Pedersen künftig auch über andere Vertriebswege nutzen. „Ich denke, dass wir im Hinblick auf Qualität, Verfügbarkeit, Service und Dienstleistung schon noch mal einen drauflegen können“, sagt Niehusen.

Langfristig schwebt ihm ein „Fischhandel 2.0“ vor. Fisch soll auch für jüngere Menschen wieder attraktiv werden – und für unterschiedliche Geldbeutel erschwinglich sein. Wer möchte, soll künftig sowohl preiswerten Fisch für den Alltag als auch besondere Delikatessen kaufen können. Niehusen nennt etwa Steinbutt oder Drachenkopf. Sein Ziel: „Dass Hamburg auch wieder eine Fischstadt wird.“

Neuer Betriebsleiter: „Das wird in Hamburg auch ein Aha auslösen“

Auch am Laden selbst soll sich etwas tun. Laut Niehusen steht eine Erneuerung der Fassade an. Dabei könne er sich kleinere Veränderungen im Geschäft vorstellen. Langfristig müsse der Laden teilweise modernisiert werden. Einen radikalen Umbau plant er aber nicht. Die ersten Anpassungen könnten bereits im kommenden Jahr erfolgen.

Für die bisherige Belegschaft bleibt der Wechsel weitgehend folgenlos. Nur Tamaschkes Platz wird neu besetzt. Wer künftig den Laden leitet, ist allerdings noch geheim. Fest steht laut Niehusen: Es handelt sich um einen langjährigen Bekannten mit großer Fachkenntnis.
Tamaschke deutet an, dass die Personalie für Aufsehen sorgen könnte. „Das wird in Hamburg auch ein Aha auslösen“, sagt er. Ob der neue Mann bereits aus der Hamburger Gastronomieszene bekannt ist? Dazu gibt es von „Fischi“ nur ein knappes: „Kein Kommentar.“

Sein Abschied hat auch gesundheitliche Gründe. Vor sieben Jahren erkrankte Tamaschke nach eigenen Angaben an Zungenkrebs. Die Therapie sei äußerst belastend gewesen. Später kam eine schwere Augenerkrankung hinzu. In diesem Jahr erhielt er erneut eine Krebsdiagnose, diesmal Prostatakrebs.

Nach schweren Erkrankungen: „Fischi“ zieht an den Chiemsee

Die erneute Erkrankung habe ihn in seiner Entscheidung bestärkt, beruflich kürzerzutreten. Gemeinsam mit seiner Frau Anja zieht er im kommenden Jahr an den Chiemsee. Beide sind begeisterte Bergsteiger und Wanderer.

Ganz ohne Fisch geht es trotzdem nicht. Am Chiemsee gründet Tamaschke die „Der Fischi GmbH“. Dort möchte er künftig Catering anbieten, allerdings ohne den bisherigen Arbeitsdruck. „Das Schöne ist, ich kann, ich muss aber nicht“, sagt er.

Der Fischladen am Eppendorfer Baum hat eine lange Geschichte. Bereits 1929 wurde das Geschäft gegründet. Seit 1989 arbeitete Tamaschke dort mit seinen Eltern, 2008 kaufte er den Laden seiner Mutter ab. Nach einem umfangreichen Umbau eröffnete er ihn im März 2009 neu. Den Umsatz habe er seitdem verfünffacht, sagt er.

Am 31. Dezember ist für Tamaschke endgültig Schluss. Die rechtliche Übergabe erfolgt zum 1. Januar 2027. Der erste reguläre Geschäftstag unter neuer Führung soll voraussichtlich der 5. Januar sein. Was er am meisten vermissen wird? Seine Mitarbeiter, die Stammkunden und seine Freunde. Und natürlich seinen FC St. Pauli. Zu dessen Heimspielen will der gebürtige Altonaer weiterhin regelmäßig nach Hamburg kommen.

Einen Wunsch hat er noch: Wenn er in fünf Jahren wieder vor seinem alten Laden steht, sollen seine Mitarbeiter möglichst noch immer dort arbeiten und die Kunden zufrieden sein. Wie das Geschäft dann aussieht, sei ihm dagegen egal. „Ich gehe nicht, weil ich Hamburg satt habe, sondern weil ich einfach was Neues machen möchte.“

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