Schon bei Zweijährigen: Fehler beim Mittagessen schadet der Sprachentwicklung
Stand: 26.09.2026, 22:45 Uhr
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Viele Eltern machen beim Essen mit ihren Kleinkindern einen Fehler, der die Sprachentwicklung ausbremst. Zwei Expertinnen geben Tipps.
Frankfurt – Mittagessen in einer ganz normalen Familie: Das Kind sitzt im Hochstuhl, vor ihm lehnt ein Tablet am Wasserglas. Auf dem Bildschirm läuft eine bunte Sendung, das Kind löffelt mechanisch seinen Brei. Die Eltern nutzen die Ruhe, um selbst kurz aufs Handy zu schauen. Eine Szene, die sich in Millionen Haushalten täglich wiederholt. Doch was harmlos wirkt, kann die Sprachentwicklung von Kleinkindern nachhaltig bremsen.

Erziehungsexpertin Heike vom Heede berät seit mehr als 20 Jahren Familien. Sie beobachtet das Phänomen mit Sorge. „Wenn Kinder ein Tablet vor sich haben, konzentrieren sie sich nicht wirklich aufs Essen, sondern essen automatisiert, ohne Wahrnehmung“, sagt sie der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Die Kinder seien in diesem Zustand passiv und nicht wirklich ansprechbar. Genau das sei das Problem – denn die gemeinsame Mahlzeit ist eine der wichtigsten Lernsituationen im Alltag.
Bildschirm am Esstisch schadet der Sprachentwicklung von Kindern
Besonders bei Zweijährigen wiegt dieser Fehler schwer. In diesem Alter wächst der Wortschatz ungemein, vorausgesetzt, die Kinder bekommen genug sprachlichen Input. Am Esstisch hören sie normalerweise zu, stellen Fragen, lernen neue Wörter. Fällt diese Interaktion weg, weil ein Bildschirm dazwischensteht, fehlt ein zentraler Baustein.
Kinderärztin und Wissenschaftlerin Silke Schwarz von der Universität Witten/Herdecke bestätigt das. „Kinder sind ein vollwertiger Teilnehmer am Tisch und die Gesprächsinhalte dürfen sich den kleinsten Menschen anpassen und sie dürfen zum Erzählen eingeladen werden“, sagt sie der Frankfurter Rundschau. Wer stattdessen das Tablet aufstelle, nehme Kindern genau diese Gelegenheit. Die Gehirnentwicklung sei in den ersten drei Jahren besonders störanfällig. „Kinder, die als Babys viel vor dem Bildschirm saßen, tun sich als Schüler schwerer, komplexe Aufgaben zu lösen“, warnt Schwarz.
Doch der Fehler liegt nicht immer nur beim Tablet vor dem Kind. Auch das eigene Smartphone-Verhalten der Eltern spielt eine Rolle. „Wie soll ein Kind das verstehen, wenn ihre Eltern selbst ständig auf das Handy schauen und nicht ansprechbar sind?“, fragt vom Heede. Das Phänomen hat einen Namen: Phubbing – das Ignorieren des Gegenübers zugunsten des Smartphones.
Die Studie „Bildschirmfrei bis 3“ der Universität Witten/Herdecke hat problematisches Nutzungsverhalten von Eltern untersucht. „Beziehung baut sich dadurch auf, dass man sich wirklich mit freier Aufmerksamkeit einem Menschen zuwendet“, sagt Schwarz. Wer beim Essen am Handy hänge, verpasse wichtige Momente der Zuwendung. Gerade die Tischsituation sei eine Chance. Kinder lernten dort nicht nur Essen, sondern auch Zuhören, Abwarten und Erzählen – alles Fähigkeiten, die eng mit der Sprachentwicklung zusammenhängen.
Vom Heede rät Eltern, für Restaurantbesuche oder unruhige Mahlzeiten eine Tasche mit besonderem Spielzeug mitzunehmen – Knete, Sticker oder besondere Stifte. Der Überraschungseffekt halte die Aufmerksamkeit. „So fördert man Kreativität und Aufmerksamkeit“, sagt die Expertin. Mit einem Tablet am Tisch seien die Kinder zwar ruhig, lernten aber kaum soziale Kompetenzen.
Auch Schwarz plädiert für Alternativen. „Das können aber auch ein kleines Buch, eine Handpuppe oder Malstifte leisten. Wenn ich gar nichts dabei habe, hilft auch ein einfaches Ratespiel oder Zählreime und ein wenig Fantasie“, sagt sie. Der Bildschirm am Esstisch ist ein Fehler, der sich vermeiden lässt – wenn Eltern die Mahlzeit wieder als gemeinsame Zeit begreifen. (Quelle: eigene Recherche)