Schuhladen „Stilecht" schließt nach 17 Jahren – Wehmütiger Abschied
Stand: 05.09.2026, 07:30 Uhr
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Petra Wagenknecht gibt ihr Schuhgeschäft in der Gottfried-Ziegler-Straße auf. Nach langem Kampf muss sie die Reißleine ziehen, mit viel Wehmut.
Ismaning – „Meine Stammkunden haben mich lange durchhalten lassen, sonst hätte ich schon viel früher die Reißleine gezogen“, sagt Petra Wagenknecht. Nach 17 Jahren muss die Inhaberin von „Stilecht Schuhe & Co.“ ihr Schuhgeschäft in der Gottfried-Ziegler-Straße 11 in Ismaning schließen. Leicht gemacht hat sie sich die Entscheidung nicht. „Es fühlt sich an wie ein langer Kampf gegen große Konzerne, Politik und Entwicklungen, die es kleinen, unabhängigen Läden immer schwerer machen, zu bestehen“, sagt Wagenknecht.

2009 eröffnete die Ismaningerin das Geschäft im ehemaligen Schuhhaus Pizzato. Wagenknecht kam aus dem Marketing und betreute Kunden aus der Modebranche. „Wenn ich etwas mache, dann bin ich mit ganzem Herzen dabei“, sagt sie. Vor der Geschäftseröffnung besuchte sie Schulungen und schaute sich die Schuhproduktion an. Von Anfang an war ihr wichtig, ihre Kunden persönlich beraten zu können und sich Zeit für sie zu nehmen. Anfangs führte sie Schuhe für Damen, Herren und Kinder. Die Kinderschuhe nahm sie nach ein paar Jahren aus dem Sortiment, dafür kam vor rund fünf Jahren Damenoberbekleidung hinzu. „Ich verkaufe das, was ich selber trage“, sagt Petra Wagenknecht. Kleidung macht etwa 20 bis 30 Prozent ihres Umsatzes aus.
Stammkunden kennt sie beim Namen und oft auch deren Schuhgeschmack
Ihre Stammkunden kennt sie beim Namen und oft auch deren Schuhgeschmack. „Ich weiß, wer schlichte Schuhe sucht und wem ich direkt die Glitzerschuhe bringen kann.“ Vor allem Kunden, die Wert auf persönliche Beratung legen, schätzen das Einkaufserlebnis vor Ort. Doch diese Kundschaft wird immer kleiner. Während der Corona-Pandemie seien viele zum Onlinehandel abgewandelt. „Die kriegst du nicht wieder. Vor Corona war unser Umsatz etwa doppelt so hoch wie heute“, sagt Wagenknecht. Damals beschäftigte sie zwei Festangestellte, inzwischen unterstützen sie zwei Aushilfen. Mittlerweile gebe es sogar Tage ganz ohne Umsatz.
Strom, Versicherungen, Miete und Löhne müssen bezahlt werden, auch wenn weniger Kunden kommen. „In der Politik wird aktuell viel Angst geschürt. Da halten die Menschen ihr Geld zusammen“, sagt Wagenknecht. Sie beobachte, dass viele Kunden nur noch das kaufen, was sie unbedingt brauchen – nicht mehr das zusätzliche Paar Schuhe oder die hübsche Tasche. Zunehmende Bürokratie und fehlende Unterstützung durch Behörden empfindet Wagenknecht als Belastung für kleine Geschäfte. „Ein Laden nach dem anderen kann nicht mehr überleben.“ Als Beispiel nennt sie das Radgeschäft auf dem Grundstück nebenan, das inzwischen geschlossen hat. Dort klafft heute eine Baulücke.
Petra Wagenknecht soll rund 27.000 Euro der Corona-Soforthilfe zurückzahlen
Seit Jahren schießt Wagenknecht nach eigenen Angaben Monat für Monat privates Geld in ihr Geschäft. Sie nahm Kredite auf in der Hoffnung, dass sich die Situation wieder bessert. „Es ist zermürbend“, sagt sie. Als sie ihren Laden während des Lockdowns schließen musste, war die Ware bereits bezahlt, nur verkaufen konnte sie diese nicht. „Gott sei Dank haben mir meine Eltern Geld vorgeschossen“, sagt sie. Nun kommt eine weitere Belastung hinzu: Wagenknecht soll rund 27.000 Euro der Corona-Soforthilfe zurückzahlen. Voraussetzung für die Hilfe war ein pandemiebedingter Liquiditätsengpass. Bei dessen Berechnung werden in Bayern nur Sach- und Finanzaufwand, nicht aber Personalkosten berücksichtigt. Für Wagenknecht ist das bitter: „Bei der Auszahlung war für mich nicht absehbar, dass Personalkosten später nicht berücksichtigt werden“, kritisiert sie.
Auch privat ist die Belastung für Wagenknecht in den vergangenen Jahren gewachsen. Seit ihre Eltern vor rund zweieinhalb Jahren erkrankten, ist Wagenknecht verstärkt für sie da. Die Öffnungszeiten ihres Geschäfts verkürzte sie deshalb bereits. „Viel Arbeit und viel Emotion“, beschreibt Wagenknecht die vergangenen Jahre. Lange habe sie die Belastung weggesteckt. Inzwischen merke sie, dass sie an ihre Grenzen komme. Gleichzeitig blickt sie nach vorne. Für die Zeit nach „Stilecht“ möchte Wagenknecht sich mit einer kleinen Agentur selbstständig machen, die Verkaufsaktionen für den Einzelhandel organisiert. Die Erfahrung dafür bringt sie aus 17 Jahren „Stilecht“ mit.
Räumungsverkauf bis 31. Oktober
Bevor das neue Kapitel beginnt, steht der Räumungsverkauf an: Bis zum 31. Oktober sollen möglichst viele der Damen- und Herrenschuhpaare neue Besitzer finden. Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. Zum Abschied denkt Wagenknecht vor allem an ihre Stammkunden: „Ich möchte mich für die langjährige Treue bei meinen Kunden von Herzen bedanken.“