Schüsse in Berlin-Kreuzberg: 22-Jähriger wird an einem Café im Graefekiez niedergeschossen


Erneut ist in Berlin geschossen worden – und wieder in Kreuzberg. Ein bislang Unbekannter feuerte am Freitag um 20.40 Uhr auf einen 22-Jährigen im Graefekiez. Nach Tagesspiegel-Informationen saß das Opfer vor einem Café an der Ecke Graefestraße/Böckhstraße und wurde von mehreren Kugeln getroffen.

Ein Rettungsdienst versorgte den Mann; Lebensgefahr bestand nicht. Ein Polizeisprecher bestätigte den Fall auf Nachfrage. Nun würden mehrere Zeugen vernommen, am Tatort wurden einige Quadratmeter mit weiß-rotem Flatterband abgesperrt.

Unklar ist, ob die Tat zu jenem Konflikt gehört, den Ermittler zuletzt nur noch „Graefekiez-Krieg“ nannten. Die Fehde wird zwischen einem Zweig der Großfamilie Remmo und einer Bande von Mittzwanzigern aus der Werner-Düttmann-Siedlung ausgetragen. Beide Seiten sind bewaffnet, ihre Akteure oft vielfach aktenkundig, darunter wegen Eigentums-, Drogen- und Gewaltdelikten.

In den vergangenen Jahren war es zwischen den Lagern immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen. Erst im Mai schossen Männer von einem Motorroller aus auf ein voll besetztes Auto – mitten im Straßenverkehr. Anschließend flüchteten sie. In dem Wagen, den wohl fünf Kugeln trafen, saßen Angehörige der Familie Remmo. Mitglieder des Clans waren in der Vergangenheit immer wieder in Straftaten verwickelt, darunter aufsehenerregende Einbrüche wie jene im Bode-Museum in Berlin 2017 und im Grünen Gewölbe in Dresden 2019.

Die meisten Schüsse in diesem und im vergangenen Jahr führen Ermittler allerdings auf Erpresser aus der Türkei zurück. Die türkischstämmigen Netzwerke – insbesondere die „Daltons“ und deren aktivste Abspaltung, die „Ezgins“ – fordern demnach Schutzgeld von Gewerbetreibenden mit türkischen Wurzeln. Zudem soll es Streit mit anderen Drogen- und Waffenhändlern geben.

Wegen der Serie an Schüssen war im Landeskriminalamt letztes Jahr die Sondertruppe „BAO Ferrum“ eingerichtet worden. Bis Mitte Juli 2026 verzeichnete sie 263 vorläufige Freiheitsentziehungen und 61 Haftbefehle. Insgesamt stellte „Ferrum“ nach Angaben der Senatsinnenverwaltung 56 scharfe Schusswaffen und 21 Schreckschuss- und Gaspistolen sicher, überdies Munition und Fahrzeuge. Bislang haben die „Ferrum“-Fahnder 514 Ermittlungsverfahren eingeleitet. In neun Verfahren wurden Strafbefehle erlassen oder Anklagen erhoben.