Schwangere und Kind in Lebensgefahr: „Ich habe einfach gehandelt“ – wie Jens Kleine plötzlich zum Lebensretter wurde
Schwangere und Kind in Lebensgefahr „Ich habe einfach gehandelt“ – wie Jens Kleine plötzlich zum Lebensretter wurde
Winterbach · Ein warmer Tag in Winterbach, ein lauter Knall und plötzlich Hilferufe aus einem brennenden Haus: Als Jens Kleine Rauch über den Dächern bemerkt, zögert er nicht lange. Gemeinsam mit zwei jungen Nachbarn organisiert er die Rettung einer schwangeren Frau und deren Tochter.
13.10.2026 , 14:00 Uhr
Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:
13.10.2026
Was an diesem Tag – dem 27. Mai – geschah, zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Zivilcourage und Zusammenhalt sind. Jens Kleine ist 48 Jahre alt, lebt in Winterbach und arbeitet seit fast 25 Jahren bei der Firma Fresenius in St. Wendel. Dass er eines Tages in eine Situation geraten würde, in der das Leben anderer Menschen von seinem schnellen Handeln abhängen könnte, hätte er sich wohl nie vorstellen können.
Brand in Winterbach: Explosionsartiger Knall und dichter Rauch über den Häusern
An jenem Tag war zunächst alles wie immer. „Das Wetter war schön, die Temperaturen angenehm. Ich war im Garten mit dem Rasenmähen beschäftigt“, erinnert sich Jens Kleine. Ein ganz gewöhnlicher Tag also, der sich innerhalb weniger Augenblicke grundlegend verändern sollte. „Meine Lebensgefährtin, die auf der Terrasse unseres Hauses arbeitete, hat als erste Rauch über den Häusern in der Nachbarschaft bemerkt und gerufen: ‚Es brennt.’ Zu diesem Zeitpunkt konnte ich zunächst noch nichts davon sehen. Sofort rannte ich hoch zu ihr, um nachzusehen, was da los ist. Ich dachte, es brennt bei uns. Dort angekommen habe auch ich sehr viel weißen Rauch gesehen“, beschreibt Jens Kleine den Moment, als er den Brand wahrnahm.
Im selben Moment sei ein explosionsartiger Knall ertönt. Der Rauch verfärbte sich schwarz. Für Kleine war sofort klar, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Feuer handeln konnte. „Bei dem Brandgeruch war klar: Das ist kein Schwenkerfeuer“, erinnert er sich und reagierte sofort. Er forderte seine Tochter auf, den Notruf zu wählen. Anschließend machte er sich auf den Weg in Richtung des Brandes. „Sofort kam mir der Gedanke: Vielleicht sind da Nachbarn in Gefahr und ich kann helfen.“ Auf halbem Weg traf Kleine auf zwei Jungs aus der Nachbarschaft, die den Rauch ebenfalls bemerkt hatten.
Während des Ehrenabends Zivilcourage 2026 hat Innenminister Reinhold Jost (ganz rechts) auch Jens Kleine (ganz links) für sein beherztes Eingreifen bei einem Hausbrand in Winterbach geehrt.
Foto: Christine Funk/Innenministerium
Rettung über die Leiter: Schwangere Frau und Tochter aus brennendem Haus gerettet
Plötzlich hörten sie Hilferufe aus dem benachbarten Haus. An der Vorderseite waren zunächst weder Flammen noch Rauch zu erkennen. Doch am Fenster im zweiten Stock standen eine Frau und ein Kind. Verzweifelt riefen sie um Hilfe. Die Lage wurde innerhalb kürzester Zeit immer bedrohlicher. Zunächst überlegten die Helfer, ob sie die beiden über das Treppenhaus erreichen könnten. Doch noch während sie nach einer Möglichkeit suchten, drang bereits schwarzer Rauch aus der Haustür. Damit war klar, dass dieser Weg nicht mehr infrage kam. Es musste eine andere Lösung her.
In der Nachbarschaft fanden sie eine Leiter, die sie an die Hauswand stellten. Die Gefahr war groß, doch der die Helfer konzentrierten sich auf das, was jetzt getan werden musste. Schließlich konnten sie die schwangere Frau und deren Tochter über die Leiter aus dem brennenden Haus retten. Für Jens Kleine war dies der entscheidende Moment des Einsatzes. „Die Bergung der beiden Personen über die Leiter, nachdem der Zeitdruck und die Gefahr immer größer wurden“, beschreibt er rückblickend als den schwierigsten und gefährlichsten Teil der Rettungsaktion.
Brand in Winterbach: Ausgebrannte Häuserzeile einen Tag nach dem Feuer.
Foto: B&K/B&K- Josef Bonenberger
Jens Kleine aus Winterbach handelte, ohne lange zu überlegen
Ob er Angst um sein eigenes Leben gehabt habe oder zwischendurch daran dachte, was er dort eigentlich mache? Auf beide Fragen antwortet Kleine mit einem klaren Nein. Er habe nicht gezögert und auch nicht über seine eigene Sicherheit nachgedacht. Dabei versteht sich Jens Kleine keineswegs als jemand, der ständig außergewöhnliche Situationen erlebt oder sich schon früher als Lebensretter bewiesen hätte. Zivilcourage in einer solchen Form habe er bislang nicht zeigen müssen.
Dass er an diesem Tag ohne langes Überlegen handelte, passt dennoch zu einem Lebensumfeld, in dem Verantwortung keine fremde Rolle spielt. Er wuchs mit zwei Geschwistern auf und sagt, dass Verantwortung in seiner Familie schon früh eine Rolle gespielt habe. Auch abseits des dramatischen Brandereignisses engagiert sich Kleine für andere Menschen. Gemeinsam mit Freunden organisiert er seit einigen Jahren in Winterbach ehrenamtliche Koch- und Grillevents mit dem sogenannten Bruttschelteam. Die Erlöse kommen gemeinnützigen Einrichtungen in der Region zugute.
Zivilcourage im Alltag: Rettermedaille für Jens Kleine aus dem Saarland
Es sind andere Formen der Hilfe, die jedoch denselben Gedanken verfolgen: etwas für andere zu tun und die Gemeinschaft zu stärken. Jens Kleines Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie wichtig Aufmerksamkeit und Zusammenhalt im Alltag sind.
Zivilcourage muss nicht mit großen Worten beginnen. Sie zeigt sich oft in einem einfachen Entschluss: nicht wegzusehen, sondern zu helfen. Man muss kein Held sein, um im entscheidenden Moment das Richtige zu tun. So sieht es auch das saarländische Innenministerium und hat Jens Kleine im September mit der Rettermedaille ausgezeichnet. (nbo/lwg)