Schweizer auf Bali zu einem Jahr Haft verurteilt – wegen Instagram-Video


Schweizer Tourist auf Bali wegen Video auf Social Media zu einem Jahr Haft verurteilt

Ein Schweizer hielt sich während eines religiösen Feiertags nicht an die Regeln und filmte sich dabei. Geltungssüchtige Touristen treffen in Südostasien zunehmend auf eine empörungswillige Bevölkerung.

21.08.2026, 13.20 Uhr

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Der junge Schweizer (rechts) musste diese Woche in Bali vor Gericht erscheinen.

Der junge Schweizer (rechts) musste diese Woche in Bali vor Gericht erscheinen.

AP

Am Donnerstag hat ein Gericht auf der indonesischen Insel Bali einen Schweizer zu einem Jahr Haft verurteilt. Grund war ein Video auf Instagram, das der 26-Jährige im März während des hinduistischen Feiertages Nyepi erstellt hatte.

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Nyepi ist auf Bali ein wichtiger religiöser Feiertag, auch bekannt als Tag der Stille. Während des Feiertags bleiben die Bewohner daheim, Touristen dürfen ihre Unterkunft nicht verlassen. Der Internetzugang wird eingeschränkt, elektrische Lichter auf der Insel sollen gelöscht werden. Laut lokalen Medien hat das Hotel den Schweizer über die Regeln aufgeklärt. Aber weil er Hunger hatte, ging er trotzdem auf die Strasse und filmte sich dabei. Er beschrieb die totale Dunkelheit auf der Insel und nutzte Kraftausdrücke, weil nichts offen hatte. Das Video löschte er später wieder.

Schweizer entschuldigt sich

«Was der Angeklagte tat, beleidigte die balinesische Bevölkerung, verletzte ihren Glauben und provozierte öffentliche Empörung», begründete der zuständige Richter das Urteil. Schon früher waren Touristen wegen Verletzungen der Nyepi-Restriktionen des Landes verwiesen worden. Es ist unklar, ob der Schweizer seine gesamte Strafe absitzen muss. Die fünf Monate in Untersuchungshaft werden vom Strafmass abgezogen. Er entschuldigte sich vor Gericht und sagte, ihm tue das alles leid. Er habe nicht verstanden, wie umfassend die Restriktionen während des Feiertags seien.

Schon länger fallen Touristen in Südostasien mit Videos auf, in denen die lokale Bevölkerung nur Staffage ist für den eigenen Geltungsdrang. Auf Social Media treffen sie nun allerdings auf eine neue Bereitschaft zur Empörung: Vor allem junge, englischsprechende Südostasiaten scheinen genug zu haben von den Ausländern, die ihre Heimat nur als Kulisse betrachten. Auf dem Instagram-Kanal des Schweizers häuften sich nach dem Video im März Tausende Kommentare. Der Tenor: Er solle aus dem Land verschwinden. Irgendwann finden solche Videos und die Empörung darüber dann den Weg in die lokalen Medien, und die Behörden müssen intervenieren.

Zuletzt traf es eine Laufgruppe auf Bali. Die von Niederländern betriebene Gruppe weigerte sich angeblich, eine Indonesierin aufzunehmen – die Gruppe richtete sich an Expats und digitale Nomaden auf der Insel. Die Indonesierin schrieb darüber auf Social Media. Die Empörung endete damit, dass die Niederländer des Landes verwiesen wurden.

In Thailand musste eine Gruppe junger Italiener kürzlich eine Busse zahlen und sich öffentlich entschuldigen. Sie waren in der Schwebebahn in Bangkok ziemlich laut, eine thailändische Passagierin wies sie darauf hin, dass andere sich gestört fühlten. Jemand in der italienischen Gruppe sagte: «Entschuldige, dass wir Geld in dein Land bringen.» Das Wortgefecht landete als Video auf Social Media, wo sich Bangkoker über die Arroganz der jungen Ausländer enervierten.

Volkswirtschaft braucht Touristen

Alle Vorfälle offenbaren einen Grundkonflikt in Ländern wie Indonesien und Thailand: Sie brauchen Touristen. Die Touristenzahlen sind relativ stabil, und die Besucher spülen Devisen in Volkswirtschaften, die derzeit nur langsam wachsen. Ständig haben Touristiker im Auftrag der Regierungen neue Ideen, um Ausländer anzulocken.

Gleichzeitig scheint bei der lokalen Bevölkerung mittlerweile eine Schmerzgrenze erreicht, gerade bei jenen, die nicht direkt an den Touristen mitverdienen. Sowohl Indonesien als auch Thailand hat eine junge, gut ausgebildete Bevölkerung, die allerdings Mühe hat, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten – in beiden Ländern kam es in den vergangenen Jahren zu Jugendprotesten.

Die harten Strafen gegen Touristen sollen wohl auch den Unmut jener besänftigen, die keine Lust mehr haben, Staffage zu sein in den Videos gleichaltriger Ausländer.

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