Schwimmen - Seidel und Kammann triumphieren im Stadionbad von Hannover
Stand: 23.07.2026 • 18:00 Uhr
Bei den Schwimm-Finals setzte sich am ersten Tag der Entscheidungen die Favoritin durch: Lise Seidel ließ der Konkurrenz im Rücken-Sprint keine Chance. Björn Kammann gelang eine Überraschung.
Im Stadionbad von Hannover lag vom ersten Startschuss an höchste Spannung in der Luft. Deutschlands schnellste Schwimmer und Schwimmerinnen waren gekommen - und haben 14 Tage vor Beginn der Europameisterschaften in Paris die Muskeln spielen lassen.
Die ersten Medaillen holten sich die schnellsten Sprinterinnen und Sprinter im Rückenschwimmen. Über 50 Meter der Frauen triumphierte die Chemnitzerin Lise Seidel vor Viktoria Hoffmann aus Lübeck und Lina Kröger (Essen). Bei den Männern lag nach kräftezehrenden drei Starts überraschend der Hamburger Björn Kammann vor Favorit Ole Braunschweig. Dritter wurde der Ulmer Maurice Grabowski.
Viel Spannung durch neues Format
Eigens für die Finals waren ganz neue Formate entwickelt worden, die enorm Spannung versprechen. So werden die Sprint-Finals in einem Eliminationsformat mit drei eng nacheinander geschwommenen Rennen bestritten. Das Prinzip dabei ist einfach. Zunächst treten alle acht qualifizierten Aktiven gegeneinander an. Nach dem ersten Lauf scheiden die zwei Langsamsten aus, nach dem zweiten Lauf folgen drei weitere Eliminierungen. Und im dritten Lauf kämpfen schließlich die verbleibenden drei Aktiven um den Titel. Die Pausen zwischen den Rennen betragen lediglich wenige Minuten.
Die Frauen begannen - acht Athletinnen starteten, Seidel, Hoffmann und Kröger waren es, die sich für das Finale qualifizierten. Letztlich ließ Seidel, die im April auch schon den deutschen Meistertitel über die 100 Meter geholt hatte, nichts anbrennen und lag vorn.
Kammann setzt sich gegen Braunschweig durch
Bei den Männern schaffte Kammann im finalen Dreier-Rennen die große Überraschung. In Abwesenheit des kurzfristig verhinderten Vincent Passek setzte sich der Hamburger im dritten Lauf gegen Ole Braunschweig durch, der die beiden ersten Rennen des Tages noch dominiert hatte. Dritter: Maurice Grabowski.
Björn Kammann
Lise Seidel zeigt der Konkurrenz die Grenzen
Ein anderes Format gilt für die sogenannten Kombiwertungen, bei denen die Rückenschwimmerinnen den Tag begannen. Und auch hier schmiss Lise Seidel über 200 Meter Rücken direkt den Turbo an. Die ersten 100 Meter ging die 19-Jährige superschnell an, ließ auf der zweiten Hälfte etwas nach, gewann in 2:12:32 Minuten aber überaus deutlich das erste Rennen vor der fünf Sekunden weniger schnellen Noelle Benkler.
Das war aber eben nur der erste Teil zum gewünschten Titelgewinn. Denn für die Lagen führte der DSV Meisterschaften ein, bei denen jeweils 100 und 200-Meter-Leistungen einer Schwimmart in die Wertungen einfließen. Die Zeiten werden mithilfe der Punktetabelle des Weltverbandes World Aquatics ins Verhältnis zum aktuellen Weltrekord gesetzt und anschließend zu einer Gesamtwertung der jeweiligen Lage addiert. Die höchste Punktzahl gewinnt. Und so wird der Titel über die 100-/200-Meter-Distanzen erst vergeben, wenn die jeweils zweiten Rennen absolviert sind.
200 Meter Freistil - Roth und Tobehn begeistern
Die Aktiven präsentierten sich zwei Wochen vor Beginn der Europameisterschaften in Paris in starker Form. Vor allem das 200-Meter-Freistilrennen der Frauen bot hohes Niveau. Die frischgebackene Junioren-Europameisterin Linda Roth vom SC Magdeburg gewann in 1:58:56 Minuten hauchdünn vor Maya Tobehn, die nach einer Burnout-Erkrankung ein starkes Comeback feierte. Dritte Maya Werner, die ebenfalls unter 1:59 Minuten blieben. Es waren international absolut zu beachtende Leistungen.
Märtens dominiert die Kurzstreckler
Im Rennen darauf der erste Auftritt von Lukas Märtens: Der Olympiasieger und Weltrekordhalter über 400 Meter Freistil stellte sich dem Lagenduell über 100/200 Freistil und zeigte den passionierten Kurzstrecklern die Hacken. Märtens gewann Part eins - das 200-Meter-Rennen - in 1:47:09 Minuten, eine solide Zeit. Sprintmeister Timo Sorgius wird am Freitag bei der Entscheidung im 100-Meter-Rennen alles raushauen müssen, um Märtens den Titel noch streitig zu machen.
Elendt legt den Grundstein zum Titel
Gutes Niveau war auch über die Brust-Strecke der Frauen zu sehen. Keine Geringere als Anna Elendt, ihres Zeichens Welt- und Europameisterin, stieg ins Becken. Ihre Konkurrenz war beinahe zu bedauern - die 24-Jährige aus dem hessischen Dreieich zog über die 100 Meter unwiderstehlich davon - sie wird sich den Titel am morgigen Freitag im 200-Meter-Rennen kaum nehmen lassen.
Anna Elendt
Starke Besetzung auch im Brustwettbewerb der Männer: Mit Lucas Matzerath aus Weinheim und Melvin Imoudu (Schwdt/Oder) waren zwei Weltklasseleute am Start. Doch auch der Potsdamer Jan-Malte Gräfe wollte mitmischen. Imoudu gewann die 100 Meter schließlich recht deutlich vor Matzerath und Gräfe - doch er wird auch im zweiten Teil - den 200 Metern - am Freitag alles geben müssen, um gesamt vorn zu bleiben.