Dominanz: So will Marie-Louise Eta die Saison mit Union Berlin angehen
Lang ist es noch nicht her, da rettete Marie-Louise Eta dem 1. FC Union Berlin die Saison. Von Steffen Baumgart hatte sie eine Mannschaft übernommen, die in der Rückrunde nur zweimal gewonnen hatte. Eta, die nur in den letzten fünf Spielen an der Seitenlinie stand, verdoppelte die Anzahl der Rückrundensiege und begeisterte plötzlich mit Offensivfußball, den die Fans ihrer Mannschaft so vermutlich gar nicht zugetraut hätten.
„Ich bin schon bekannt für offensiven Fußball, für mutigen Fußball“, sagte die Dresdnerin, die nun Trainerin der Frauen von Union ist, und als solche erstmals in einer Runde mit den Journalisten sprach.
Eine ganz neue Situation
Derzeit lernt sie ihren neuen Kader während des Trainingslagers in Neuruppin genauer kennen. Es ist eine Mannschaft, der im Vergleich zum jeweiligen Rest der Liga deutlich besser abschneidet als der im Männerbereich. So könnte es ihr bei den Frauen noch leichter fallen, ihre Spielidee auf den Platz zu bringen.
Eta selbst wollte diesen Vergleich nicht zulassen. „Es ist eine ganz andere Situation“, sagte sie und blickte auf das Saisonende mit der Männermannschaft. „Es gab diese fünf Spiele und es ging darum, jetzt die Klasse zu sichern.“ Trotzdem sei es auch bei den Männern die Idee gewesen, nach vorne zu spielen. Spätestens ab ihrem dritten Spiel war diese auch den meisten Fans aufgefallen.
Mit den Frauen haben sie und die Spielerinnen aber deutlich mehr Zeit, sich aneinander zu gewöhnen und den Fußball zu spielen, den Eta sich vorstellt. Damit das gelingt, gibt es aber noch einiges zu tun. „Wir sind ja erst seit ein paar Wochen dabei, hatten jetzt die ersten Testspiele und haben ein paar Neuzugänge mit dabei und ein paar junge Spielerinnen, aus der U23. Es ist völlig normal, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht alles funktionieren kann.“
Die Neuzugänge sind schon integriert
Ihre Aufgabe aber mache ihr Spaß, sagt Eta. Dazu gehört es auch, die fünf neuen Spielerinnen zu integrieren. Aus Frankfurt sind die beiden Nationalspielerinnen Lisanne Gräwe und Jella Veit gekommen. Jill Janssens kam dazu aus Hoffenheim, Nelly Smolarczyk vom VfL Wolfsburg und Leela Eegli vom SC Freiburg.
Lange scheinen die fünf aber nicht zu brauchen, um sich bei Union einzuleben. „Ich glaube, sie sind schon sehr gut integriert. Sie kennen sich aus der Bundesliga oder haben teilweise in anderen Vereinen oder in den Nationalmannschaften schon zusammengespielt“, sagte Eta.
Trainerin Marie-Louise Eta (l.) mit Nationalspielerin und Union-Neuzugang Lisanne Gräwe
© IMAGO/Matthias Koch
So kann sich ihre Trainerin auf andere Themen fokussieren. Zum Beispiel? „Das Spiel mit dem Ball, gegen den Ball, die Athletik“, zählte Eta auf.
Als Ziel für die neue Saison hatte Geschäftsführerin Jennifer Zietz das obere Tabellendrittel angegeben. Die Spielerinnen machten im Trainingslager den Eindruck, dass sie sich das durchaus zutrauen. Eta wollte aber keine Platzierung nennen, die sie sich zum Ausgang der neuen Saison wünscht. Dafür sei es ohnehin zu früh.
Wir wollen Power-Fußball spielen.
Eta über ihr Ziel für die neue Saison
Trotzdem schien Eta selbstbewusst auf die neue Saison zu blicken. „Wir müssen jetzt auch nicht zu tief stapeln“, sagte sie. „Grundsätzlich wollen wir eine Haltung entwickeln, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen und dafür halt einfach auch viel tun.“
Und wie könnte das dann auf dem Platz aussehen? „Wir wollen Power-Fußball spielen“, sagte Eta. Was sie damit meint? „Dominanz mit dem Ball und Kombinationsfußball.“ Dadurch wolle sie „die Fans, die Zuschauer, die dann auch im Stadion sind, mitreißen, sie begeistern können mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen“.
Dabei würde es helfen, wenn die Eisernen mehr Tore als in der vergangenen Saison schießen. Dazu fehlte in der vergangenen Saison eine Stürmerin, die verlässlich das Tor getroffen hat. Kapitänin Lisa Heiseler war mit acht Treffern beste Schützin bei Union.
Eta will Spielerinnen besser machen
Braucht es im Angriff also noch eine Verstärkung? „Grundsätzlich gucken wir schon aktuell. Es geht ja noch bis Ende August“, sagte Eta. Zwingend müsse die aber nicht kommen. „Erst mal wollen wir immer die Spielerinnen, die da sind, möglichst verbessern.“
Kandidatinnen, die in der kommenden Saison noch mal einen Schritt machen könnten, hat sie bereits im Kopf: „Lisa Heiseler steht für Tore. Trotzdem war es auch ihre erste Bundesliga-Saison. Manchen Spielerinnen muss man Zeit geben. Sophie Weidauer kam gerade neu zum Verein, Eileen Campbell kam neu. Dann geht auch vieles nicht von heute auf morgen.“
Frauen-Bundesliga
FC Bayern zum Start: Marie-Louise Eta kämpft mit 1. FC Union um Bundesligarekord
Ihr sei es außerdem nicht unlieb, wenn statt einer Spielerin, die für die Tore sorgt, mehrere Akteurinnen diese Last unter sich verteilen. Und die Anzahl der Tore hänge, so Eta, nicht nur davon ab, wer ganz vorne spielt. „Wie kommen wir überhaupt dahin und wie bringen wir dann auch die Spielerinnen in die Position, die eine hohe Qualität haben, was Torabschlüsse angeht? Wir arbeiten jetzt Tag für Tag daran, wie wir die Torquote noch mal erhöhen können.“
Bis zum Start der neuen Saison, am 21. August zu Hause im Stadion An der Alten Försterei gegen den FC Bayern, hat sie noch reichlich Zeit, um ihre Vorstellungen umzusetzen.
Lesen Sie mehr zum Thema