Frankfurter Buchmesse 2026: Erinnerung einer F.A.Z.-Sekretärin
In all den 47 Jahren meiner Tätigkeit in der Literaturredaktion der F.A.Z. war ich nur relativ selten auf der Buchmesse und kann mich auch nicht an ein ganz besonderes Vorkommnis erinnern. Das Fernbleiben hatte mehrere Gründe: Erstens hatte ich meistens „Stallwache“, wenn alle anderen ausgeflogen waren. Zweitens hatte ich mit vielen Menschen, die ich dort hätte treffen können, das ganze Jahr über telefonischen Kontakt, und bei gelegentlichen Versuchen, persönlich Guten Tag zu sagen, habe ich schnell festgestellt, dass die Presse-Damen und -Herren für so etwas eigentlich keine Zeit hatten. Drittens musste ich nicht auf die Messe gehen, um mir Bücher anzuschauen. Und außerdem war die allseits zu beobachtende Wichtigtuerei nicht meine Sache. Das steht in etwa auch in dem Interview, von dem hier die Rede sein wird.
Denn ein Buchmessen-Ereignis ist mir bis heute in starker Erinnerung geblieben: das Interview in der Buchmessen-Zeitung vom 12. Oktober 2011 mit der Überschrift „Die Legende lebt: Monika Kunz packt aus“. Damals brachten wir eine täglich erscheinende „Zeitung zur Buchmesse“ heraus, die sehr witzig und erfolgreich war. Und außerdem sehr arbeitsintensiv. Für diese Ausgaben war jedes Jahr ein „Spezial-Team“ eingestellt, bestehend aus „speziellen“ freien Mitarbeitern.

Zwei von diesen Mitarbeitern wollten unbedingt ein Interview mit mir machen und ließen nicht locker, obwohl ich sie mehrmals wie lästige Fliegen weggescheucht habe. Irgendwann beantwortete ich genervt ihre Fragen, während ich Bücherpakete auspackte. Das Angebot, den fertigen Text zu lesen und eventuell zu korrigieren, habe ich abgelehnt, da ich sowieso nicht wusste, wozu dieses Interview gut sein sollte. So ist es Wort für Wort in meinem Tonfall erschienen.
Und was ich bis heute nicht ganz fassen kann: Das Interview war das Messe-Gespräch. Ich kann mich erinnern, dass die damalige F.A.Z.-Literaturchefin Felicitas von Lovenberg von der Messe in die Redaktion zurückkam und sagte: „Ich kann hingehen, wohin ich will, überall reden sie über das Interview von Frau Kunz.“ Und ein bisschen gerührt war ich, zwei Jahre später in dem tagebuchartigen Band „Arbeit und Struktur“ des damals schon todkranken Wolfgang Herrndorf mit Datum vom 12.10.2011 zu lesen: „Unglaublich gelacht beim F.A.Z.-Interview. Monika Kunz? Wer ist Monika Kunz?“ Jetzt, beim Wiederlesen nach fünfzehn Jahren, musste ich doch auch etwas lächeln. Zu verdanken habe ich das der „nervenden“ Wiebke Porombka und dem „Staubsaugervertreter“ Oliver Jungen.
Monika Kunz war 47 Jahre lang Sekretärin in der Literaturredaktion der F.A.Z.