Munitionslager mitten im Wohngebiet: Selenskyj macht Rüstungsmanager für Tote in Wyschnewe verantwortlich


Selenskyj wütet: Missachtung von wichtiger Regel kostete Menschenleben – Konsequenzen angekündigt

Stand: 11.07.2026, 22:18 Uhr

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Selenskyj macht Rüstungsmanager für Tote in Wyschnewe verantwortlich – Munitionslager illegal in Wohngebiet gelagert. Ermittlungen laufen.

Kiew, Ukraine – Ein weiteres blutiges Kapitel im Ukraine-Krieg kam wohl auch durch die Unachtsamkeit von beheimateten Rüstungsfirmen zustande: Die Zerstörung und Auswirkungen eines russischen Angriffs in der Nähe der Hauptstadt Kiew wurden offenbar durch die Missachtung von Sicherheitsvorkehrungen verschlimmert. Es kam zu zahlreichen Todesfällen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Samstag (11. Juli) führende Manager des staatlichen Rüstungskonzerns Ukroboronprom für den illegalen Betrieb eines Munitionslagers im Kiewer Vorort Wyschnewe verantwortlich gemacht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Zerstörung in Kiew

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist noch immer mit den Nachwirkungen eines russischen Angriffs auf Kiew und Umgebung beschäftigt. © Danylo Antoniuk/dpa(2)/Montage

Die Lagerung von Waffen und Munition in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten sei ausdrücklich verboten gewesen, betonte Selenskyj. Der Inlandsgeheimdienst SBU habe die Hauptverantwortlichen bereits identifiziert – darunter die Leiter zweier staatlicher Unternehmen, die dem Konglomerat angehören. Auch deren Stellvertreter und weitere Führungskräfte stehen unter Ermittlung.

Ukraine-Krieg wütet im Hauptstadtgebiet: Zerstörung in Stadt nahe Kiew wohl durch Regelverstoß verschlimmert

Selenskyj hatte bereits am 9. Juli angekündigt, dass ein Strafverfahren eingeleitet und personelle Konsequenzen bei Ukroboronprom folgen würden. Am 11. Juli präzisierte er: „Es gibt in der Ukraine festgelegte Standorte für die Lagerung von Waffen und Munition – und alle sehen vor, dass diese Standorte abseits von Wohngebäuden liegen müssen.“ Die Namen der betroffenen Verantwortlichen wurden bislang nicht öffentlich genannt. „Die konkreten Beamten sind bekannt, und die Position des Staates ist, dass jeder von ihnen fair zur Rechenschaft gezogen werden muss“, sagte Selenskyj.

Auslöser der Affäre ist der massive russische Angriff in der Nacht zum 6. Juli. Wyschnewe, eine Kleinstadt am westlichen Stadtrand von Kiew, wurde dabei von Drohnen und Raketen getroffen. Ein Munitionsdepot von Ukroboronprom geriet in Brand und löste eine Kette verheerender Sekundärexplosionen aus. Nach Behördenangaben kamen dabei neun Menschen ums Leben, 29 weitere wurden verletzt. Wohnhäuser brannten, die Stromversorgung brach zusammen und Hunderte Anwohner mussten evakuiert werden. Noch Tage nach dem Angriff waren rund 300 Einsatzkräfte des staatlichen Katastrophenschutzes rund um die Uhr im Einsatz.

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Der Angriff auf Wyschnewe war Teil einer größeren russischen Bombennacht, bei der allein in der Stadt Kiew 19 Menschen getötet und 90 weitere verletzt wurden. Ukroboronprom – auch bekannt als Ukrainian Defense Industry – ist Ukraines größter staatlicher Rüstungsverbund und vereint rund 100 Unternehmen, die Waffen, Militärausrüstung und Munition produzieren, darunter Raketen, Drohnen und gepanzerte Fahrzeuge. Seit Beginn der russischen Vollinvasion hat der Konzern erstmals den Sprung unter die 50 weltweit größten Rüstungsunternehmen geschafft.

Selenskyj räumte ein, dass die schiere Größe des Konglomerats interne Kontrollprobleme begünstige. „Es ist eine große Organisation, die Dutzende von Unternehmen umfasst, von denen eines dieses Lager in Wyschnewe betrieben hat“, sagte er. Die internen Aufsichtsprozesse des Konzerns müssten dringend gestärkt werden. Zugleich forderte er eine breitere staatliche Reaktion: Der SBU solle gemeinsam mit anderen Strafverfolgungsbehörden ähnliche Betriebe überprüfen, um weitere Tragödien zu verhindern. „Jeder Unternehmensleiter auf seiner jeweiligen Ebene muss sicherstellen, dass sich solche Tragödien nicht wiederholen“, betonte der Präsident. (Verwendete Quellen: Kyiv Independent, dpa, Ukrinform)(stma)