„Sie sollten sich was schämen": Seniorenbeirat attackiert Hofheimer Politiker
Stand: 02.10.2026, 08:00 Uhr
Kommentare

Der ärztliche Bereitschaftsdienst am Hofheimer Krankenhaus ist seit dem 27. September geschlossen. Die Vorsitzende des Seniorenbeirats wirft Stadtparlament und Kreistag vor, zu wenig für den Erhalt getan zu haben.
Hofheim – Die FDP-Fraktionsvorsitzende Michaela Schwarz glaubt nicht daran, dass es irgendeinen Handlungs- oder Verhandlungsspielraum gab. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) könne sich nicht gegen die Gesetzgebung des Bundes wenden, erklärte sie am Mittwoch in der Stadtverordnetenversammlung. Wenn das so ist, lautet die zwingende Schlussfolgerung, dann wären auch alle Versuche vergeblich gewesen, die Zentrale des ärztlichen Bereitschaftsdienstes am Hofheimer Krankenhaus zu erhalten. Andere Parteien sehen das anders, weshalb es im Parlament zu einer Diskussion zu dem Thema kam.
Seit 27. September geschlossen
Angestoßen worden war die Diskussion durch einen gemeinsamen Antrag von CDU, BfH, Grünen, SPD, Linken und FDP. Demnach soll der Magistrat einen Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung in den Haupt- und Finanzausschuss einladen, um die Hintergründe der Schließung des Bereitschaftsdienstes in Hofheim zu erläutern. Der Antrag wurde am 3. August geschrieben, wurde bei der Sitzung im August aber aus Zeitgründen nicht mehr aufgerufen. Jetzt kam es zur Beratung, allerdings erst nach der Schließung des Notdienstes am 27. September.
„Einen toten Gaul zu reiten, macht keinen Sinn“, kommentierte der FWG-Fraktionsvorsitzende Andreas Nickel daher. Sein SPD-Amtskollege Aaron Kowacs dagegen kann durchaus einen Nutzen in einem solchen Gespräch erkennen. Erstens wolle man wissen, wie es mit der Notfallversorgung in Bad Soden und Höchst funktioniere, so Kowacs. Erfahren möchte man außerdem, welche Alternativen geprüft wurden. Der Antrag wurde schließlich auch angenommen – dass die Kassenärztliche Vereinigung tatsächlich jemand in die Hofheimer Gremien schickt, wurde aber bezweifelt.
Bad Soden und Höchst: Dort sind die beiden Krankenhäuser, die ebenfalls zum Varisano-Konzern gehören und die jetzt Anlaufstellen für diejenigen sind, die bisher zum ärztlichen Notdienst in Hofheim fuhren. Beide Einrichtungen seien darauf eingestellt, die zusätzlichen Patienten zu versorgen, hatte die Kassenärztliche Vereinigung argumentiert. Die Zahl der Patienten in Hofheim im Jahre 2025 war mit 3.700 angegeben worden, aus Sicht der KV kein besonders hoher Wert. Die Versorgung sei gesichert, hieß es, und der Gesetzgeber mache nun einmal die Vorgabe einer sogenannten Strukturverdichtung.
Für Baris Agus (Linke) ist der Fall nur ein Beispiel dafür, wie der in Berlin angestoßene Abbau im Sozialbereich das Land verändere. Auf eine so weitreichende Debatte wollten sich aber weder die Parlamentarier einlassen noch Ingrid Schulz, die als Vorsitzende des Seniorenbeirats Rederecht im Stadtparlament hat. Sie wies einerseits darauf hin, dass mit der Schließung einem Gesetz Rechnung getragen werden soll, das noch gar nicht in Kraft getreten ist.
Schulz sieht aber auch Versäumnisse in Hofheim und im Main-Taunus-Kreis. In der Stadtverordnetenversammlung seien nur wenige bereit gewesen, sich um das Thema zu kümmern, kritisierte sie, ohne auf nennenswerten Widerspruch zu stoßen. Und auch im Kreistag habe sie für das Anliegen, den Bereitschaftsdienst zu erhalten, zu wenig Unterstützung gefunden. „Sie sollten sich was schämen“, rief sie den Parlamentariern auf beiden Ebenen zu.
Sie ärgert sich umso mehr über die Entwicklung, als es nicht nur Ideen sogar zum Ausbau des Bereitschaftsdienstes gab, sondern es standen auch die Räume zur Verfügung. Die Zusage unter den Ärzten sei ebenfalls vorhanden gewesen. FWG-Mann Nickel bestätigte sie ein wenig: Es sei nicht gelungen, auf breiter Basis ausreichend gesellschaftlichen Druck aufzubauen. Dies wäre aber Voraussetzung gewesen, um etwas bewegen zu können.