Situation ist nicht mehr schönzureden: Für echte Inklusion fehlt es im Saarland am politischen Willen


Situation ist nicht mehr schönzureden Für echte Inklusion fehlt es im Saarland am politischen Willen

Meinung | Saarbrücken · Inklusionsschulen für lau kann es nicht geben. So lange das Land nicht für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgt, werden Eltern auch weiterhin die Förderschule bevorzugen.

07.08.2026 , 08:00 Uhr

Eltern schauen sich die Schulen meist sehr genau an und kommen offenbar zu der Auffassung, dass ihr Kind in einer Förderschule besser aufgehoben ist.

Eltern schauen sich die Schulen meist sehr genau an und kommen offenbar zu der Auffassung, dass ihr Kind in einer Förderschule besser aufgehoben ist.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Ein Landtagsabgeordneter der SPD-Fraktion träumte in einer Landtagssitzung vor zwei Jahren von einem Saarland mit „weniger Förderschulen“. Debattenthema damals war die in vielen Förderschulen fehlende Nachmittagsbetreuung. Die SPD, die seit 14 Jahren die Bildung im Saarland verantwortet, tat wenig bis nichts, um Förderschulen attraktiv zu machen. Schulische Inklusion, also das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung an Regelschulen, sollte so ausgebaut werden, dass Förderschulen nicht mehr gebraucht würden.

Für echte Inklusion braucht es im Saarland noch mehr

Von diesem Ziel ist man heute weit entfernt. So weit, dass auch die SPD-Bildungsministerin appelliert, man möge doch bitte nicht inklusive Schule und Förderschule gegeneinander ausspielen. Der Zulauf in Förderschulen ist ungebrochen. Warum? Eltern schauen sich die Schulen meist sehr genau an und kommen offenbar zu der Auffassung, dass ihr Kind in einer Förderschule besser aufgehoben ist. Studien zeigen gleichzeitig, dass Eltern Inklusion keinesfalls ablehnen.

Aber im Saarland fehlt es an ausreichend qualifiziertem Personal sowie dem Engagement der politisch Verantwortlichen, die dafür notwendigen Strukturen aufzubauen, und nicht zuletzt am Willen, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Dabei könnte man Inklusion in Regelschulen durchaus zum Erfolgsmodell machen, so, dass das Nebeneinander zweier Schulmodelle irgendwann verzichtbar wäre. Ein Blick in andere europäische Länder bestätigt das. Die Situation in den Inklusionsklassen hierzulande ist nicht mehr schönzureden. Sie ist nicht nur ein Problem für Kinder mit Behinderung und deren Eltern, sondern genauso für viele Lehrkräfte und Sozialpädagogen, die vor Ort ihr Bestes geben. Und sie wird auch den Kindern ohne Förderbedarf nicht gerecht. Hoffnung auf Änderung gibt’s nur, wenn die Landesregierung konsequent neue Prioritäten setzt. Die SPD kann natürlich auch weiter träumen.