Skandalöse Zahlen: Das kostet Berlins jahrelange Beamten-Ungerechtigkeit den Steuerzahler


Stand: 19.08.2026, 06:56 Uhr

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Das Bundesverfassungsgericht zwingt Berlin zur Milliarden-Nachzahlung: Beamte wurden 13 Jahre lang verfassungswidrig bezahlt. Die geheime Geld-Liste zeigt, wer wie viel bekommt.

Das Bundesverfassungsgericht hat Berlin im September 2025 ein vernichtendes Urteil ausgestellt: Die Besoldung von Landesbeamten zwischen 2008 und 2020 war in 95 Prozent der Fälle verfassungswidrig. Jetzt liegt die vertrauliche Nachzahlungs-Liste vor – und die Summen haben es in sich.

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Ein Senator der Besoldungsgruppe B11 erhält bis zu 123.256 Euro brutto nachgezahlt, ein Polizeimeister (A7) immerhin 19.406 Euro. Voraussetzung: rechtzeitiger Widerspruch gegen die zu niedrige Besoldung. Die Rechnung für das Land Berlin liegt laut Medienberichten bei mindestens einer halben Milliarde Euro – im Extremfall, wenn alle Beamten nachgezahlt bekämen, könnten es bis zu 7,2 Milliarden Euro werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat Berlin im September 2025 ein vernichtendes Urteil ausgestellt.

Beamte wurden 13 Jahre lang verfassungswidrig bezahlt. © IMAGO/Zoonar.com/Thomas Fuhrmann

Die Prekariatsschwelle im öffentlichen Dienst

Die Karlsruher Richter stellten fest, dass vor allem die Besoldungsgruppen A2 bis A11 jahrelang unter einer sogenannten Prekariatsschwelle lagen. Manche Beamte verdienten mehr als 1.000 Euro pro Jahr weniger als verfassungsrechtlich geboten.
Das Alimentationsprinzip aus Artikel 33 Absatz 5 Grundgesetz wurde systematisch verletzt. Berlin muss bis spätestens 31. März 2027 ein verfassungskonformes Besoldungsrecht beschließen. Die geplanten Erhöhungen – 3,8 Prozent ab April 2026 und 2,0 Prozent ab März 2027 – gelten unabhängig von den Nachzahlungen für alle Berliner Beamten.

Wer bekommt was?

Die vertrauliche Übersicht der Senatsverwaltung zeigt die konkreten Nachzahlungsbeträge für 13 Dienstjahre: Polizeikommissare (A9) erhalten 22.519 Euro, Kriminaloberkommissare (A10) bekommen 26.729 Euro, Studienräte (A13) können mit 30.646 Euro rechnen.
Bei den höheren Besoldungsgruppen steigen die Summen deutlich: Polizeipräsidenten und Staatssekretäre (B7) erhalten 34.116 Euro, der Präsident des Rechnungshofs (B8) bekommt 35.549 Euro. Universitätsprofessoren der Besoldungsgruppe W3 können mit 39.259 Euro rechnen.

Die Familienzuschlag-Dimension

Einzelne Beamte mit Kindern profitieren besonders stark von den Nachzahlungen beim Familienzuschlag.

Verheiratete mit Kindern erhalten für einzelne Jahre wie 2018, 2019 und 2020 pro Monat deutlich über 1.000 Euro zusätzlich.

Haushaltsnotlage als Rechtfertigung

Der frühere Finanzsenator Thilo Sarrazin verweist auf die damalige Berliner Haushaltsnotlage: Ab 2003 wurden das 13. Monatsgehalt und das Urlaubsgeld gestrichen, stattdessen gab es ein einheitliches Weihnachtsgeld von 640 Euro. Die letzte Besoldungserhöhung erfolgte am 1. August 2004.

Sarrazin betont, dass ohne die Konsolidierungsleistung von 2002 bis 2009 die heutige Finanzlage Berlins katastrophal wäre. Die bereinigten Ausgaben des Berliner Haushalts sind von gut 20 Milliarden Euro Ende der 2000er Jahre auf über 40 Milliarden Euro im Jahr 2025 gestiegen.

Bundesweite Dimension

Der Bund der Steuerzahler Berlin befürchtet, dass das gesamte Besoldungsgefüge bundesweit angehoben werden muss. Der Bund der Steuerzahler Berlin fordert eine radikale Konsequenz: Der Beamtenstatus solle nur noch bei hoheitlichen Kernaufgaben wie Polizei, Justiz und Finanzverwaltung gelten.

Das würde die Zahl der Beamten deutlich verringern und die Kosten für künftige Besoldungsanpassungen begrenzen. Die Besoldungserhöhungen und damit verbundenen Nachzahlungen sollen laut Berliner Finanzverwaltung voraussichtlich mit den Augustbezügen 2026 erstmals ausgezahlt werden – sofern das Reparaturgesetz rechtzeitig verkündet wird.

Business Punk Check

Berlin hat 13 Jahre lang seine Beamten verfassungswidrig bezahlt – und jetzt kommt die Quittung in Milliardenhöhe. Das Bundesverfassungsgericht hat dem Senat bescheinigt, systematisch gegen das Alimentationsprinzip verstoßen zu haben. Die Ironie: Während Berliner Politiker gerne über soziale Gerechtigkeit philosophieren, lagen ihre eigenen Leute jahrelang unter der Prekariatsschwelle. Die geplanten Nachzahlungen sind ein politisches Armutszeugnis – und könnten bundesweit Schule machen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob die Nachzahlungen gerechtfertigt sind (das hat Karlsruhe geklärt), sondern wie Berlin die 1,3 bis 7,2 Milliarden Euro stemmen will.

Bei einem Haushalt, der von gut 20 Milliarden Euro Ende der 2000er Jahre auf über 40 Milliarden Euro gewachsen ist, wird es eng. Der Vorschlag des Steuerzahlerbunds, den Beamtenstatus radikal zu beschränken, ist provokant – aber konsequent. Warum sollten Hallenmeister oder Sportlehrer verbeamtet sein, wenn der Staat dafür verfassungswidrig niedrige Gehälter zahlt? Für andere Bundesländer ist das Urteil ein Weckruf: Wer seine Beamten unter Wert bezahlt, riskiert hohe Nachzahlungen. Für Beamte gilt: Ohne rechtzeitigen Widerspruch gibt es kein Geld – diese Lektion sollte sich jeder öffentlich Bedienstete merken. Die nächste Sparrunde kommt bestimmt.