SMA: Verantwortliche sprechen über Lage des Unternehmens und neue Fabrik


Stand: 18.09.2026, 18:20 Uhr

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Bei der Eröffnung der Gigawatt-Fabrik von SMA: Finanzvorstand Kaveh Rouhi. © Daniel Seeger

SMA hat in Niestetal eine Großanlagen-Fabrik mit 60 Gigawatt Kapazität eröffnet– und setzt erst 20 ab. Im Pressegespräch erläutert der Vorstand die Strategie.

Niestetal – Die neue Gigawatt-Fabrik von SMA in Niestetal ist für deutlich mehr Produktion ausgelegt, als der Solartechnikhersteller derzeit benötigt. Bei voller Auslastung soll das Werk eine jährliche Produktionskapazität von mehr als 60 Gigawatt erreichen. Neue Arbeitsplätze entstehen zunächst nicht, sagte SMA-Finanzvorstand Kaveh Rouhi bei einem Pressegespräch mit der HNA.

SMA bündelt in der neuen Halle künftig die Produktion für Großanlagen. Beschäftigte aus dem Großanlagenbereich aus einer benachbarten Halle wechseln in das Werk. Die Produktion von Heimanlagen hat der Konzern nach Polen verlagert. Die Entwicklung für diesen Geschäftsbereich bleibt nach Unternehmensangaben in Deutschland.

„Wir konnten quasi die Arbeitsplätze retten“, sagte Rouhi. Ob später zusätzliche Stellen entstehen, hänge von der Nachfrage ab. Konkrete Pläne dafür gebe es bislang nicht.

In der Gigawatt-Fabrik fertigt SMA Zentralwechselrichter und Energiemanagementsysteme für große Energieanlagen. Die Technik wird unter anderem in Solarparks, Batterieparks, Rechenzentren und Wasserstoffanlagen eingesetzt.

Im Großanlagengeschäft setzte SMA im vergangenen Jahr nach Angaben Rouhis rund 20 Gigawatt ab. Um die mögliche Kapazität von mehr als 60 Gigawatt auszuschöpfen, müsste das Unternehmen weitere Maschinen aufstellen und Personal einstellen.

Die Entscheidung für die Fabrik fiel, als das Großanlagengeschäft bei etwa sechs Gigawatt lag, sagte Florian Bechtold, Leiter des Large-Scale-Geschäfts. „Die Entscheidung war damals, als wir sie getroffen haben, also noch viel größer“, so Bechtold. Man liege derzeit auf der damals erwarteten Wachstumskurve.

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Die Fabrik sei auf die kommenden zwei Jahrzehnte ausgelegt, sagte Bechtold. SMA will die Produktion je nach Auftragseingang und Marktentwicklung ausbauen. Im Großanlagengeschäft hat das Unternehmen dafür nach eigenen Angaben einen Planungsvorlauf von bis zu einem Jahr. In dieser Zeit könne SMA zusätzliche Kapazitäten aufbauen oder bei schwächerer Nachfrage gegensteuern.

Während das Geschäft mit Großanlagen nach Angaben von SMA in den vergangenen Jahren gewachsen und profitabel war, schreibt das Heimgeschäft weiter Verluste. Dort brach der Absatz laut Rouhi infolge veränderter politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ein.

Im vergangenen Jahr machte der Bereich noch hohe Verluste. In diesem Jahr soll das Minus deutlich kleiner ausfallen. Für 2027 peilt SMA die schwarze Null an. Danach soll der Geschäftsbereich wieder Gewinne erwirtschaften.

SMA hat dafür Arbeitsplätze abgebaut und Kosten gesenkt. Das Unternehmen veränderte zudem seine Entwicklungsstrukturen, baute eine eigene Softwareentwicklung in Indien auf und trennte sich von teuren externen Dienstleistern.

Der geringere Verlust gehe allerdings nicht allein auf diese Maßnahmen zurück, sagte Rouhi. Auch die Marktbedingungen hätten sich in diesem Jahr verbessert.

Ein wichtiger Markt für SMA sind die Vereinigten Staaten. Rund 40 Prozent des Großanlagengeschäfts entfallen nach Angaben des Unternehmens auf die USA. Das Geschäft ist deshalb von politischen Entscheidungen, Zöllen und regulatorischen Vorgaben abhängig.

Bechtold sieht jedoch kein grundlegendes Risiko, dass der US-Markt künftig keine Solar- und Speichertechnik mehr benötigt. Der Energiebedarf der USA wachse stark. Treiber seien unter anderem Rechenzentren und Anwendungen der künstlichen Intelligenz. Bis 2035 könne der Energiebedarf jährlich um etwa drei Prozent steigen.

Solarenergie sei die günstigste Form der zusätzlichen Stromerzeugung, sagte Bechtold. Batterien würden gebraucht, um Stromnetze auszugleichen. Deshalb werde sich der Markt unabhängig von der jeweiligen politischen Richtung weiterentwickeln. Regierungen könnten den Ausbau bremsen oder beschleunigen, den langfristigen Trend würden sie aber nicht stoppen.

Derzeit könne SMA aus Kassel in die USA liefern. Die geltende Zollregelung zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten ermögliche das. Zugleich räumte Bechtold ein, dass sich die Bedingungen jederzeit ändern könnten. Rouhi bezeichnete die Produktion in Niestetal zudem als strategischen Vorteil für Europa. Der Kontinent müsse bei zentraler Energietechnik unabhängiger von asiatischen Anbietern werden. Wechselrichter seien ein Herzstück großer Solar- und Speicheranlagen.