So gut ist der neue „Tatort“: Und das soll der letzte Mensch von Köln sein?


Chaos in einer deutschen Großstadt. Die Russen haben eine Atombombe über Düsseldorf abgeworfen. In Köln haben sich die letzten Überlebenden in einem Schutzbunker verschanzt. Mittendrin müssen die Kommissare Ballauf und Schenk in einem Mordfall ermitteln: „Tatort – Die letzten Menschen von Köln“ (Sonntag, ARD, 20:25 Uhr, ab Freitag in der ARD Mediathek).

Keine Sorge, so schlimm ist die Weltenlage nicht, noch nicht mal im TV-Krimi. Der Atombombenabwurf gehört zum Workshop-Szenario des Preppers Moritz Zechmann (Florian Stetter), der in einem geheim gehaltenen, ehemaligen Bunker unterhalb von Kölns City „Überleben in feindlicher Umgebung“ üben lässt, während draußen auf der Straße die Leiche eines Berufsschullehrers gefunden wird, der irgendwie mit Zechmann in Verbindung zu stehen scheint.

Ja, irgendwie. Es ist nun auch schon der 96. „Tatort“ mit den wackeren Kollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Und so langsam muss man sich auch hier, ähnlich wie in München, die Frage stellen, ob es nicht langsam Zeit wird, zu gehen.

Das Russland-Szenario mit der Atombombe, das Prepper-Thema, ein erfahrenes Ermittler-Duo, preisgekrönte Autoren wie Eva und Volker Zahn, gute Darsteller wie Stetter, Katharina Schüttler (als Schwester des Mordopfers) und Ann-Kathrin Kramer (ihre Cousine) – da sollte eigentlich nichts schiefgehen, denkt man.

Der Mensch will ewig leben. Und überleben. Auch jede Art von Weltkatastrophe. Seit 2020 sollten alle begriffen haben, dass man sich nirgendwo auf der Welt vor nichts auf der Welt verstecken kann.

„Tatort“-Ermittler Dietmar Bär kann einem Überlebenstraining wenig abgewinnen

Dieser „Tatort“ liefert tatsächlich aber eine Apokalypse zum Einschlafen, anders als die Berliner „Tatort“-Ausgabe zuletzt zum Prepper-Thema.

Zu hemdsärmelig die Kommissare, zu krude das Apokalypse-Szenario in der Domstadt, das noch durch die reale Bergung einer Weltkriegsbombe verschärft wird, zu eindimensional und bieder die verdächtigen Charaktere rund um die Familie Zechmann.

Die interessante Grundlage des Krimis, eine Gruppe von zwielichtigen Preppern (Menschen, die sich intensiv auf mögliche Krisen, Notfälle oder Katastrophen vorbereiten) in den Mittelpunkt des Kriminalfalles zu rücken, zerfasert zum Familiendrama.

Da reicht die Story mit der Russland-Angst, der Prepper-Worst Case, nicht, da wird den Zechmanns, vor allem Vater und Sohn, noch ein schweres Trauma infolge eines tragischen Vorfalls bei der Flutkatastrophe hinzugedichtet.

Katastrophen also, wohin man schaut, und am Ende ein recht spannungsloser, gemächlicher „Tatort“, der noch wegen der Fragen interessiert, wie viele Prepper es in Deutschland wohl geben mag (Schätzungen gehen von 10.000 bis zu 200.000 Personen aus), wie lange wir es in so einem Schutzbunker aushalten würden und ob es überhaupt genug davon gibt.

Letzter Mensch von Köln möchte man jedenfalls nicht sein.