Schlechte Plätze, leere Stadien: Warum Lia Wälti Italien den Rücken kehrt


Publiziert22. August 2026, 17:23

Nati-Captain«So schwierig – in der Schweiz haben wir die gleichen Probleme»

Zurück in England spricht Lia Wälti offen über ihr Jahr bei Juventus. Besonders leere Stadien und schlechte Plätze machten ihr zu schaffen. Sie sagt: «In der Schweiz haben wir die gleichen Probleme.»

Nils Hänggi

Hier kamen die Nati-Spielerinnen Anfang Juni in Luzern an. Nun geht für sie die neue Saison los.Nils Hänggi / Daniel Schnuriger

Darum gehts

Seit diesem Sommer spielt Nati-Captain Lia Wälti bei Brighton & Hove Albion. Für sie ist es eine Rückkehr in die englische Women’s Super League nach einem Abstecher zu Juventus Turin, wo sie ein Jahr spielte. Gegenüber der BBC spricht die 33-Jährige, die mit 20 Minuten zuletzt exklusiv über eine Belästigung sprach, über ihre Zeit in Italien – und kritisiert den italienischen Top-Club und die Bedingungen.

Die Professionalisierung sei in der Serie A Femminile nicht annähernd auf dem Niveau, das Wälti aus England gewohnt war. «Der Unterschied ist riesig. Es ist traurig und enttäuschend, dass viele Mädchen im Ausland einfach nicht die gleichen Bedingungen haben», so Wälti, die festhält, dass es wirklich einen riesigen Unterschied gebe.

Mit der Nati will Lia Wälti an die WM 2027 in Brasilien.

Mit der Nati will Lia Wälti an die WM 2027 in Brasilien.IMAGO/STEINSIEK.CH

«Wir hatten absolut keine Fankultur»

Aber: «Es ist immer schwierig, darüber zu sprechen. Ich möchte nicht zu negativ über die italienische Liga sprechen, das ist nicht meine Absicht.» Sie wisse, dass der Fussball in England, in der WSL, einen Standard habe, der mit keiner anderen Liga vergleichbar sei.

Weiter gibt Wälti zu, dass sie es in Italien vermisst habe, vor einem grossen Fussballpublikum zu spielen. «Ich habe das Gefühl vermisst, als Fussballerin wertgeschätzt zu werden, das Gefühl, dass wir die volle Unterstützung bekommen, die wir brauchen», so Wälti. «Wir hatten absolut keine Fankultur – nicht nur bei Juve, sondern generell in ganz Italien.»

Lia Wälti spielte letzte Saison bei Juve – richtig happy war sie nicht.

Lia Wälti spielte letzte Saison bei Juve – richtig happy war sie nicht.IMAGO/LaPresse

Und weiter: «Wenn man diesen Aufschwung in England miterlebt hat, die Fankulturen, die vollen Stadien – selbst die wirklich kleinen Stadien –, dann ist es aufregend, dort zu spielen.» In Italien sei es einfach leer gewesen. «Ich vermisste das Gefühl, das ich früher beim Fussballspielen hatte.»

«Ich glaube, vielen Ländern fehlt das Geld oder die Geduld dafür»

Das grösste Problem in Italien verortet Wälti jedoch bei der Qualität der Plätze, auf denen auch sie mit Juventus habe spielen müssen. «In vielen Ländern spielt man entweder auf den schlechtesten Kunstrasenplätzen oder auf den schlechtesten Naturrasenplätzen», sagt Wälti.

Bei Brighton ist Lia Wälti nun wieder glücklich.

Bei Brighton ist Lia Wälti nun wieder glücklich.IMAGO/Focus Images

«Selbst wenn ein Premier-League-Team dort spielen würde, sähe es wahrscheinlich schrecklich aus, weil es einfach nicht möglich ist, darauf schönen Fussball zu spielen», so die Fussballerin weiter, die weiss: «Es ist so schwierig. In der Schweiz haben wir die gleichen Probleme.»

Sie erklärt: «Man muss den ersten Schritt tun – Geld für all diese Dinge investieren, bevor man etwas zurückbekommt. Ich glaube, vielen Ländern fehlt das Geld oder die Geduld dafür.» Das Gute für den Nati-Captain: Jetzt ist sie zurück auf der Insel – und das bei einem ambitionierten Verein.

Die Südengländer wollen als erster Club in Europa für über 80 Millionen Franken ein Stadion eigens fürs Frauen-Team bauen. Wälti sagt: «Nach meinen ersten Erfahrungen im Verein wurde mir klar, dass ich hier richtig bin – hier kümmert sich jemand um den Frauenfussball, hier wird in den Frauenfussball investiert und hier arbeiten die richtigen Leute.»

Nils Hänggi

Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.

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