Söder beim CSU‑Parteitag: Versöhnung statt Scherbengericht


Stand: 23.10.2026, 19:44 Uhr

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23.10.2026, Bayern, München: Markus Söder, CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, nimmt am CSU-Parteitag in der Messehalle teil. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ernster Ton: Parteichef Markus Söder spricht in der Münchner Messehalle zur CSU. © Sven Hoppe/dpa

CSU-Chef Markus Söder lobt zum Start in den Parteitag seine Kritiker. Klare Grenzen zieht er hingegen zur AfD – und auch die Grünen sollen sich bloß nichts einbilden.

München – Markus Söders Auftritt beginnt bedrohlich. Als der CSU-Chef schon angesagt ist, läuft zunächst ein Film über die riesige Leinwand hinter der Bühne. Schwere, düstere Musik, Szenen aus Frankreich und Italien, Krawalle, Palästina-Demos in Berlin, Trump und Putin sind auch im Bild. Dann plötzlich positive Musik, der Schwenk nach Bayern, zu „Stabilität und Sicherheit“.

„Dieser ist ein besonderer Parteitag“, ruft Söder in den Saal. Man befinde sich mitten im Orkan. „Die blaue Welle rollt, die rote Front kommt“. Auf dem Spiel steht, so Söder, „die Existenz der Volkspartei“. Doch: „Geschichte ist kein Schicksal, Geschichte wird gemacht.“

CSU-Parteitag: Bei der Mütterrente wird Söder angriffslustig

Der Ton ist damit gesetzt. Abgesehen von einigen eingestreuten Witzchen, hält Söder am Freitag eine ernsthafte Parteitagsrede. Er verzichtet sogar auf größeres Triumphgeheul angesichts der jüngsten Umfragen, die zumindest im Vergleich mit der CDU überraschend stark aussehen. 36 und 37 Prozent – selbst in der CSU-Spitze hatten manche weit Schlimmeres befürchtet. Söder geht nur kurz noch darauf ein. Den kleinen Seitenhieb in Richtung Berlin trägt er in ruhiger Tonlage vor: „Vielleicht sind wir tatsächlich der stärkste Teil in der Union“, sagt er fast beiläufig. Regelrecht angriffslustig wird er hingegen, als es um den CSU‑Dauerbrenner Mütterrente geht. „Es war ein Versprechen, das ich gegeben habe.“ Die CSU sei „Schutzpatron der Mütter“. Obwohl er da wohl nicht alle im Saal uneingeschränkt auf seiner Seite hat, gibt es viel Applaus.

Ob ruhig, ob laut – klar spürbar ist: Der Abgesang ist erst mal abgesagt.

Zur Erinnerung: Vor rund einem Jahr begann an selber Stelle in den Münchner Messehallen das, was nicht wenige schon als Söder-Dämmerung auslegten. Mit nur 83,6 Prozent wurde der Parteichef damals bestätigt – kein gutes Ergebnis. Im März folgte eine missglückte Kommunalwahl, anschließend ein kritischer Pfingstbrief aus Brüssel. Söders Kritiker in und um die Partei scharrten schon mit den Hufen, doch das Schreiben von Europapolitiker und Parteivize Manfred Weber leitete keine Revolution ein. Über den Sommer verschoben sich dann die Problemlagen hin nach Berlin, Söder änderte konsequent Stil und Auftreten und sitzt nun wieder fest im Sattel – wird sogar als möglicher Ersatzkanzler gehandelt.

Söder lobt seine Kritiker: „Diese Kritik war richtig“

Der Parteitag, der ein Scherbengericht hätte werden können, wirkt nun eher wie eine Versöhnung. Auch weil Söder selbst nicht nur auf die an ihm geübte Kritik eingeht, sondern sie ausdrücklich lobt. „Diese Kritik war richtig“, sagt er wortwörtlich. Er habe sie angenommen und versucht, sie umzusetzen. Ob das allerdings uneingeschränkt auch für Briefschreiber Weber gilt? Daran darf es zumindest noch Restzweifel geben.

Nach außen lässt Söder hingegen keine Missverständnisse aufkommen, wo die CSU und insbesondere er selbst ihre Grenzen ziehen.

CSU-Chef Söder adressiert AfD-Chefin Weidel: „Schmeißen Sie die Nazis raus“

Zur AfD: In teils harten Worten macht Söder die Rechtspartei einmal mehr als „Hauptfeind“ aus. Als Parteichef: „Die wollen uns im Kern erschüttern und zerstören“, ruft er. „Die wollen uns ersetzen.“ Und auch persönlich: „Sie haben mir die Empfehlung gegeben, ich solle meine Töchter nach Marokko zu den Messermännern bringen.“ Eine Zusammenarbeit mit dieser Partei sei nicht denkbar, bevor sich die AfD grundlegend ändere. „Reinigen Sie Ihre Partei, schmeißen Sie die Nazis raus“, adressiert er Alice Weidel. Dennoch stellt sich Söder einmal mehr deutlich gegen ein AfD-Verbot. „Wir müssen uns demokratisch wehren und demokratisch bewähren“, sagt er.

Zu den Grünen: Trotz Olympia-Zusammenarbeit samt Achterbahnfahrt mit dem grünen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause soll kein falscher Eindruck entstehen, sagt Söder. Bayerns Grüne „schweigen dröhnend“ zu den Koalitionsplänen ihrer Berliner Parteifreunde mit der Linkspartei. „Ich will keine Linken in der bayerischen Staatsregierung haben“, beugt er kreativen Koalitionsideen vor.

Auch die Freien Wähler sollen sich nicht zu sicher fühlen – und vor allem nicht versuchen, sich auf Kosten der CSU zu profilieren. Eine Fortsetzung der Zusammenarbeit sei denkbar, doch aktuelle Umfragen zeigten „kein grelles Orange“, spottet Söder – fast wie früher.