Sorge um Snookerprofi Mark Allen nach aufwühlendem Interview


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Sorge um Snookerprofi Mark Allen nach aufwühlendem Interview

Der Nordire stellte in Aussicht, seine Karriere zu beenden. Über Monate hatte er mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen. Inzwischen sieht er Licht am Ende des Tunnels

Lukas Zahrer

Ein Snooker-Spieler in einem weißen Hemd und einer schwarzen Weste zielt mit einem Queue auf eine Kugel auf einem grünen Snookertisch. Im Hintergrund unscharf beleuchtete Details.
Mark Allen, wie man ihn seit vielen Jahren kennt: "The Pistol" zählt seit 2005 zur Profitour.

Snookerprofi Mark Allen hat am Dienstag mit einem aufwühlenden Interview in der Szene für Aufsehen gesorgt. In der ersten Runde der Northern Ireland Open unterlag der Nordire seinem Landsmann und guten Freund Jordan Brown mit 2:4. Nach der Partie wurde deutlich, wie schwierig die vergangenen Monate für Allen waren.

Im Interview mit TNT Sports musste Allen bereits bei der ersten Frage bezüglich seines Comebacks nach mehrmonatiger Pause schlucken. "Ich war wirklich überfordert. Wenn ich ehrlich bin, ging es mir nicht gut", sagte Allen, das Sprechen fiel ihm sichtlich schwer. "Ich befinde mich zurzeit an einem schlechten Ort. Nur da rauszugehen und es zu versuchen war schon schwierig." Allen deutete gar an, dass das Match gegen Brown sein letztes als Profi gewesen sein könnte.

Dann sagte er einen Satz, der schwer wog: "Im Moment versuche ich einfach nur zu überleben."

Allen gilt seit vielen Jahren als ein Unvollendeter. Der Nordire war schon einmal die Nummer eins der Welt, gewann insgesamt zwölf Ranglistenturniere und zählte jahrelang zur absoluten Weltspitze. Der große Coup bei der Weltmeisterschaft blieb ihm jedoch verwehrt: Ein WM-Finale erreichte er nie.

So nahe am Endspiel wie heuer war der 40-Jährige noch nie. Im Halbfinale gegen den späteren Turniersieger Wu Yize fehlte Allen nur noch eine vergleichsweise einfache Schwarze zum Sieg. Doch Allen verschoss. Yize glich zum 16:16 in Frames aus und setzte sich durch.

Seit der WM hatte Allen kein einziges Turnier bestritten. Erst am Dienstag gab er nach fünfmonatiger Pause sein Comeback. "Die Probleme liegen im Inneren", sagte er. "Ich sehe einfach keine Zukunft im Snooker. Die letzten Monate waren wirklich schwierig." Allens Aussagen waren alarmierend. Moderatorin Rachel Casey umarmte ihn beim Versuch, die richtigen Worte zu finden.

Etliche Kollegen äußerten sich in der Folge unterstützend, der Schotte Anthony McGill tat dies unaufgefordert in einem TV-Interview nach seiner Zweitrundenpartie und sagte: "Jeder liebt Mark Allen. Ich habe einige Abende mit ihm verbracht. Er ist ein großartiger Typ. Alle denken an dich!"

Allen kämpferisch

Am Mittwoch gab Allen via Social Media Details zu seinem Gesundheitszustand bekannt. Demnach war er zehn Wochen in einer Klinik für mentale Gesundheit in Behandlung gewesen. Vor dem Turnier in Belfast wurde er entlassen. Den Antritt sei er seiner Familie, den Fans und der Snooker-Tour schuldig gewesen, schrieb Allen: "Alles, was ich in dem Interview sagte, stimmt. Aber ich gebe mein Bestes, um die Dinge zum Guten zu wenden. Ich bin nicht ok, aber alles in allem ist das ok."

Ein Snookerspieler in weißem Hemd, schwarzer Weste und Fliege steht am Tisch und präpariert seinen Queue mit Kreide. Im Hintergrund sind unscharf Zuschauer zu sehen.
Etlichen Kollegen wandten sich mit unterstützenden Worten an Mark Allen.

In der Vergangenheit sprachen auch der mehrfache Weltmeister Mark Selby und Superstar Ronnie O'Sullivan offen über ihre mentale Gesundheit. Snooker gilt als psychisch enorm anspruchsvoller Einzelsport. Bei Matches müssen Profis stundenlang die Konzentration hochhalten – und nach Niederlagen allein mit dem Ergebnis klarkommen. Der Weltverband WPBSA bietet seinen Profis Unterstützung durch externe Dienstleister an, die etwa bei Depressionen oder Suchterkrankungen Hilfe leisten.

Allen zählt auf der Snooker-Tour zu den anerkannten Topspielern. Er setzt sich regelmäßig für die Interessen der Profis ein, wenn es um Turnierformate, Austragungsorte und die Vermarktung des Sports geht. Er war mehrfach verheiratet, mit der Snookerspielerin Reanne Evans hat er eine gemeinsame Tochter. Mit Evans stritt er sich jahrelang vor Gericht über Unterhaltszahlungen. Laut Allen ist der Kontakt zur Tochter inzwischen gänzlich abgerissen. Im Mai 2021 meldete er Privatinsolvenz an.

In den vergangenen Monaten sei es Allen weitaus schlimmer gegangen, als zuletzt in Belfast, schrieb er am Mittwoch: "Ich sah wortwörtlich keine Zukunft in irgendetwas. Ich sehe jetzt ein Licht, das ich davor nicht sehen konnte." Er werde seine Behandlungen fortsetzen, weil er "noch sehr viel hat, für das es sich zu leben lohnt." Über Jahre habe er am Snookertisch Kampfgeist bewiesen. Nun müsse er diese kämpferischen Qualitäten auch abseits des Tisches zeigen. Allen schreibt: "Das ist erst der Beginn meiner Reise." (Lukas Zahrer, 21.10.2026)

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