SpaceX halbiert sich nach dem IPO: Musks Börsentraum wird zum Desaster
Stand: 24.07.2026, 07:41 Uhr
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Von 225 auf 115 Dollar in wenigen Wochen: SpaceX liefert eines der katastrophalsten Börsendebüts seit 2009. Während Leerverkäufer jubeln, stehen Privatanleger vor den Trümmern der Mars-Vision.
New York – 85,7 Milliarden Dollar frisches Kapital, die größte Börsenstory aller Zeiten, und dann der freie Fall. Die SpaceX-Aktie hat seit dem historischen IPO im Juni bereits die Hälfte ihres Werts verloren und notiert bei 115 Dollar, deutlich unter dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Wer zum Höchstkurs von 225 Dollar einstieg, hat jetzt ein Problem.
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Ein ziemlich großes sogar: Über eine Billion Dollar Marktkapitalisierung wurden vernichtet, wie t3n berichtet. Die Performance ist brutaler als bei den meisten anderen US-IPOs seit 2009, so das Handelsblatt. Das ist keine normale Korrektur mehr. Das ist ein Statement des Marktes: Die Mars-Story trägt nicht.

Ausgerechnet der erste „Starship“-Testflug nach dem Börsengang wurde zum Desaster. Sekunden vor dem Start musste SpaceX den Testflug wegen technischer Probleme absagen.
Der verpfuschte Starship-Test als Brandbeschleuniger
Über 15 Milliarden Dollar hat der Konzern in das Vorzeigeprojekt investiert – die Rakete, die angeblich Menschen zum Mars bringen soll. Die NASA setzt auf das System für Mondmissionen. Doch statt Erfolgsmeldungen hagelt es Verschiebungen.
Der dreizehnte Anlauf wurde ebenfalls verschoben. Das eigentliche Problem: Die gescheiterten Tests zeigen exemplarisch, was im Börsenprospekt nur zwischen den Zeilen steht. 19 Milliarden Dollar Umsatz stehen fünf Milliarden Dollar Nettoverlust gegenüber. Das Analysehaus Morningstar taxierte den fairen Wert des Konzerns vor dem IPO auf nur 780 Milliarden Dollar, weniger als die Hälfte der Börsenbewertung.
Das Geld ist schon wieder alle
Eine Woche nach dem IPO brauchte SpaceX bereits frisches Kapital: 25 Milliarden Dollar via Unternehmensanleihe, aufgeteilt in fünf Tranchen mit Laufzeiten bis 30 Jahre. Offiziell soll damit ein Brückenkredit abgelöst werden. Tatsächlich zeigt der Schritt: Der Kapitalhunger ist grenzenlos. Goldman Sachs rechnet bis Ende des Jahrzehnts mit Investitionen von über einer Billion Dollar.
Profitabel soll SpaceX laut den Analysten erst ab 2030 werden. Die Investitionen fließen vor allem in die KI-Sparte mit dem Chatbot Grok und der Plattform X – Bereiche, die mit Raumfahrt wenig zu tun haben. Allein im ersten Quartal 2025 verbrannte SpaceX 7,7 Milliarden Dollar in diesem Segment. Geld verdient der Konzern hauptsächlich mit dem Satelliten-Internetdienst Starlink. Vision und Verbrennungsmotor.
Leerverkäufer wittern Blut
Die Short-Seller haben SpaceX längst auf der Liste. 206 Millionen Aktien sind leerverkauft, 32 Prozent des Streubesitzes, schätzt das Analysehaus S3 Partners. Elon Musk konterte auf X mit der Drohung, die „Überlebenswahrscheinlichkeit“ von Firmen mit hohen Short-Positionen sei „sehr gering“.
Nur: Diesmal könnten die Spekulanten recht behalten. Im August enden erste Lock-up-Fristen. 911,5 Millionen Aktien im Wert von 116 Milliarden Dollar kommen dann auf den Markt – in einem ohnehin nervösen Umfeld.
Noch sind weniger als fünf Prozent der Aktien frei handelbar. Die gestaffelte Freigabe soll den Verkaufsdruck dämpfen, könnte aber zum Dauerbelastungsfaktor werden. Musks eigene Anteile bleiben bis 2027 gesperrt.
Dass weder die automatischen ETF-Käufe durch die Nasdaq-100-Aufnahme noch die Analysten-Lobhudelei den Kurs stabilisieren konnten, spricht Bände. Die Technologiebörse hatte für SpaceX sogar extra neue „Fast Entry“-Regeln geschaffen. Vergebens.
Fusion mit Tesla als letzter Strohhalm?
Neue Unruhe bringen Fusionsgerüchte mit Tesla. Musk hat bei einem Analysten-Call zu den Tesla-Zahlen einen Zusammenschluss nicht ausgeschlossen. SpaceX und Tesla arbeiten bereits zusammen – bei Grok, Starlink, dem Roboterprojekt Optimus. Eine Fusion würde vermutlich bedeuten: SpaceX schluckt Tesla.
Für Musk praktisch, denn bei SpaceX hat er sich mit besonderen Stimmrechtsaktien absolute Kontrolle gesichert. Er ist CEO, CTO und Verwaltungsratschef in Personalunion. Der britische Starinvestor Jeremy Grantham warnt unterdessen offen: „Der Großteil der Weltraumreisen und weiterer Projekte, die im Prospekt beschrieben werden“, werde „von den meisten seriösen Physikern und anderen Fachleuten als völlig undenkbar angesehen“.
Business Punk Check
Willkommen in der Realität, Mars-Jünger. SpaceX ist das Paradebeispiel für einen Börsengang, der auf Hoffnung statt Fundamentaldaten gebaut wurde. Die Rechnung ist simpel: Fünf Milliarden Verlust bei 19 Milliarden Umsatz, eine Bewertung, die selbst optimistische Analysten um den Faktor zwei übertrifft, und ein CEO, der gleichzeitig bei fünf Unternehmen das Sagen hat. Was kann da schon schiefgehen? Die Performance ist historisch schlecht – und zwar zu Recht.
Wer auf Musks Mars-Vision gesetzt hat, lernt jetzt die Schwerkraft kennen. Die nächsten Monate werden brutal: Lock-up-Fristen laufen aus, steigende Zinsen verteuern die Refinanzierung, und die Starship-Tests müssen endlich liefern. Analysten, die noch Kursziele von 243 Dollar ausgeben, sollten ihren Taschenrechner überprüfen. Die unbequeme Wahrheit: SpaceX ist ein Loss-Leader mit Raumfahrt-Romantik. Wer jetzt noch kauft, wettet darauf, dass Elon Musk die Physik neu erfindet. Viel Glück dabei.