„Ich war zu feige“: Jens Spahn entschuldigt sich bei der CDU und greift in erster Rede die AfD an


Stand: 10.09.2026, 13:47 Uhr

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Jens Spahn entschuldigt sich in einem Brief für seinen Umgang mit der Leihmutterschaft in den USA. Nun ist er zurück im Bundestag und greift die AfD an.

Berlin – Der frühere Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, hat sich in einem Brief an die rund 2500 CDU-Mitglieder seines Wahlkreises Steinfurt/Borken für seinen Umgang mit einer Leihmutterschaft in den USA entschuldigt. In dem am Donnerstag versandten Schreiben, das dem WDR vorliegt und über das zuerst die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, räumte der CDU-Politiker Fehler im Kommunikationsverhalten ein. Er habe eine schwierige Debatte vermeiden und seine werdende Familie schützen wollen, damit am Ende jedoch eine sehr viel schwierigere Debatte ausgelöst. Das sei falsch gewesen und er bedaure dies zutiefst, so Spahn.

Sitzungen und Statements der Bundestagsfraktionen

Jens Spahn war bei seiner Rückkehr in die Bundestagsfraktion ein beliebter Gesprächspartner. © Kay Nietfeld/dpa

„Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen“, schreibt Spahn in seinem Brief. Und weiter: „Vor allem aber habe ich durch den Widerspruch zwischen meiner früher öffentlich vertretenen Haltung und meiner persönlichen Entscheidung Vertrauen enttäuscht. Dafür möchte ich Sie um Entschuldigung bitten.“ Er habe es im Zusammenhang mit der Leihmutterschaft in den USA versäumt, „diesen Abwägungsprozess rechtzeitig offenzulegen und meine veränderte Position zu erklären. Dafür gab es genügend Gelegenheiten. Ich habe sie nicht genutzt“.

Spahn ist wieder da – CDU‑Politiker entschuldigt sich mit Brief

Auslöser der Kontroverse um Jens Spahn war die Durchführung einer Leihmutterschaft in den USA gemeinsam mit seinem Ehemann. Innerhalb der CDU war dem Politiker vorgehalten worden, früher selbst eine abweichende Position vertreten und das in Deutschland geltende Verbot der Leihmutterschaft umgangen zu haben, für das sich auch die eigene Partei einsetzt.

Spahn verwies in seinem Schreiben darauf, dass ihm ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2018 rechtliche Sicherheit gegeben habe. Demnach sei eine in den USA gerichtlich festgestellte Elternschaft nach einer Leihmutterschaft unter bestimmten Voraussetzungen mit der deutschen Rechtsordnung vereinbar.

Als Konsequenz aus dem entstandenen Vertrauensverlust stellte der Politiker seine Ämter zur Verfügung. Neben dem Rücktritt vom Fraktionsvorsitz im Juli verzichtet Spahn im Bezirk Münsterland auf eine erneute Kandidatur für den CDU‑Vorsitz. Diesen Parteiposten hatte er vor rund zwei Jahren von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann übernommen.

Nach Leihmutter-Debatte: Spahn zurück im Bundestag – Verbale Attacke in Richtung AfD

Am vergangenen Mittwoch absolvierte Spahn seinen ersten Auftritt im Plenarsaal des Bundestages seit seinem Rücktritt als Fraktionsvorsitzender und es zog ihn gleich an das Rednerpult. Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, ging er am Ende seiner Rede überraschend zu einer Attacke über. „Ich weiß nicht, was das da ist, bei Ihnen im Kopf, dass Sie den Mann, dessen Soldaten jeden Tag in der Ukraine vergewaltigen, Kinder verschleppen, brandschatzen […] dass Sie diesen Mann, einen geschätzten Präsidenten nennen“, sagte Spahn in Richtung des AfD-Abgeordneten Jürgen Koegel.

Im Parlament besetzt der 46-Jährige künftig eine neue Aufgabe für die Unionsfraktion. Nach Bestätigung einer Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion zieht er in den Haushaltsausschuss des Bundestages ein. Dort soll er als Berichterstatter für den Etat des Auswärtigen Amts fungieren. (Quellen: dpa, Reuters, WDR, Zeit, Süddeutsche Zeitung) (fbu)