Spotify hat erstmals mehr verdient als investiert
Zum ersten Mal übersteigt bei Spotify die Summe aller Nettogewinne die Summe aller verbuchten Ausgaben der Unternehmensgeschichte: Die angesammelten Erträge haben zum 30. Juni 421 Millionen Euro erreicht. Spotify meldet für das zweite Quartal Wachstum bei Nutzern, Umsatz, Betriebsgewinn, operativem Cashflow und Nettogewinn.
Ende Juni zählte der seit 2012 auch in Deutschland tätige Streamingdienst 777 Millionen aktive Hörer, ein Zuwachs von zwölf Prozent im Jahresabstand. Davon waren 494 Millionen werbefinanziert (+14%). Hinzu kommen 300 Millionen „Premium‟-Abonnenten (+9%). Daraus lässt sich ableiten, dass 17 Millionen (+31%) bezahlen, ohne Spotify auch nur einmal im Juni genutzt zu haben.
Spotifys Quartalsumsatz ist laut den Angaben vom Dienstag um 14 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen, nicht zuletzt aufgrund erhöhter Abopreise. Weniger als ein Zehntel des Umsatzes entfällt auf Werbeeinnahmen. Sein Geld verdient das Unternehmen mit Abonnementgebühren sowie Zusatzpaketen. Davon wird es in Zukunft mehr geben, denn Spotify fügt immer mehr KI-Dienste hinzu: Beispielsweise können Nutzer sich via LLM Playlisten zusammenstellen oder ganze KI-generierte Podcasts produzieren lassen.
Solche Angebote „erzeugen Grenzkosten mit jeder Nutzung, also brauchen sie einen kompatiblen Weg zu Monetarisierung‟, sagte Co-CEO Alex Norström am Dienstag zu Finanzanalysten, „Wir werden diese Dienstmerkmale und Inhalte bepreisen und optimieren.‟
Werbegeschäft stagniert
Parallel kann Spotify immer mehr Reklameplätze über seine im Vorjahr aufgestellte, hauseigene Plattform automatisiert verkaufen. Inzwischen kommen bereits 40 Prozent der Werbeumsätze über diesen Kanal herein. Die Zahl aktiver Werbekunden hat laut Norström in einem Jahr um 60 Prozent zugenommen. Der Werbeumsatz ist in dem Zeitraum aber kaum gestiegen: Plus ein Prozent bei 14 Prozent mehr werbefinanzierten Hörern ist bescheiden.
Doch für Spotify geht es beim Werbevertrieb nicht nur um die direkten Einnahmen. Vielmehr soll sie Kunden so lange belästigen, bis diese ein Bezahlabo abschließen oder sich wieder verabschieden. Das kommt jetzt auf ausgewählte Entwicklungsländer zu, in denen Spotify bislang relativ wenig Bezahlabos verkauft hat. „Um (den Hörerzuwachs) umzumünzen, passen wir in ausgewählten Entwicklungsmärkten Elemente wie Produktoptimisierung und Reklamefrequenz an‟, schilderte Norström. „Diese Strategie erhöht vorsichtig die Reibung in unserem gebührenfreien Dienst, mit dem Ziel höherer Umstiege (auf Bezahlabos) und schließlich höheren Einnahmen.‟ Das sei es wert, im laufenden Quartal schmäleres Nutzerwachstum in Kauf zu nehmen: „Obwohl dieser Schritt Zeit brauchen wird, um sich auszuwirken, sind die Chancen enorm.‟
Sinkender Aktienkurs spart Steuern
Die Betriebsausgaben wären im zweiten Quartal deutlich gestiegen, vor allem für Marketing sowie Kosten für KI. Gleichzeitig ist Spotifys Aktienkurs gefallen. Weil Mitarbeiter zum Teil in Aktien bezahlt werden, hat das zu unerwartet niedrigeren Lohnnebenkosten geführt. Zudem haben Wechselkursschwankungen Spotify in die Karten gespielt. Unter dem Strich sind die Betriebsausgaben statt gut 19 Prozent nur drei Prozent höher ausgefallen. Die Belegschaft ist seit drei Jahren nicht gewachsen, was auch 2026 so bleiben soll.
Somit bleibt ein um 61 Prozent höherer Betriebsgewinn von 655 Millionen Euro. Die Marge ist in einem Jahr von 9,7 auf 13,7 Prozent geklettert. Der operative Cashflow ist um 15 Prozent auf 816 Millionen Euro gestiegen. Finanzgeschäfte haben weitere 65 Millionen Euro eingespielt, im zweiten Quartal 2025 war dieser Posten noch 358 Millionen Euro im Minus.
Spotify weist für das zweite Quartal 720 Millionen Euro Vorsteuergewinn aus, das 15fache des Vorjahresquartals. Nach Steuern bleiben 545 Millionen Euro als Nettogewinn, während es im Vergleichszeitraum noch einen Nettoverlust von 86 Millionen Euro gab.
Für das laufende Quartal erwartet das Management elf Millionen mehr Hörer und fünf Millionen mehr zahlenden Abonnenten. Der Umsatz soll auf fünf Milliarden Euro steigen, der Betriebsgewinn auf 670 Millionen Euro. Die Börse zeigt sich mäßig begeistert, Spotify-Aktien haben am Dienstag knapp 1,7 Prozent nachgegeben.
(ds)